Nicht nur in Berlin beliebt

Der bemerkenswerte Siegeszug der Currywurst

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Gerne mit Pommes: die Currywurst.

Berlin - Currywurst hat sich vom "Steak des kleinen Mannes" weiterentwickelt. Es gibt sie inzwischen sogar mit Goldüberzug.

"Currywurst geht immer", hat Facebook-Nutzerin Rita Braun an die Online-Pinnwand von "Curry 36" geschrieben, dem vermutlich bekanntesten Currywurst-Imbiss Berlins. Zur Bekräftigung setzte sie drei Ausrufezeichen hinter ihren Eintrag. Das Gericht aus 90 Gramm Brühwurst garniert mit Tomaten-Gewürz-Soße und einer Prise Curry-Pulver ist im Social-Media-Zeitalter so aktuell wie vor 65 Jahren, als eine Berliner Imbissbesitzerin nach landläufiger Meinung die Currywurst erfand.

Das passierte an einem verregneten Abend im September 1949, vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Herta Heuwer stand sich in ihrem alten Imbisswagen im amerikanisch besetzten Teil von Berlin die Beine in den Bauch. "Es goss kleene Kinderköppe, keen Mensch war in meiner Bude. Aus Langeweile rührte ich Gewürze mit Tomatenmark zusammen, und es schmeckte herrlich", erzählte die Geschäftsfrau einmal.

Zehn Jahre später ließ Heuwer ihr Saucenrezept unter der Nummer 721319 beim Münchner Patentamt als Marke eintragen. Der Name "Chillup" stand für die Kombination aus Chili und Ketchup. Das genaue Rezept blieb Heuwers Geheimnis. Doch ihre Idee verbreitete sich in ganz Deutschland. Ob die Berlinerin wirklich die Erfinderin der Currywurst war oder ob die Kombination nicht doch in Hamburg oder im Ruhrgebiet zuerst entdeckt wurde, ist bis heute umstritten.

Fest steht: Die Currywurst ist weiter äußerst beliebt an Deutschlands Imbissständen, auch wenn sie nach Angaben des Marktforschungsunternehmens npdgroup Deutschland nicht den Spitzenplatz unter den deutschen Schnellgerichten hält. Sandwich, Burger und Döner liegen noch vor der Wurst. Dennoch gingen laut npdgroup mehr als 60 Millionen Currywürste 2013 über die Imbisstheke. "Das ist ein Anstieg von 11,2 Prozent gegenüber 2008", sagt der Direktor Foodservice, Andreas Lauszat.

Dennoch bilden sich regelmäßig lange Schlangen vor den beliebtesten Currywurst-Imbissen Berlins. Bei "Curry 36" im Stadtteil Kreuzberg ist die Reihe der Wartenden eigentlich immer mehrere Dutzend Menschen lang. Einer der Geschäftsführer des Unternehmens, Mirko Großmann, sieht den Grund für den Erfolg der Currywurst in ihrer Einfachheit. "Es ist ein einfaches Produkt - von der Zubereitung bis zum Geschmack", sagt er. Nicht umsonst galt die Currywurst lange als das "Steak des kleinen Mannes".

Bei "Konnopke's Imbiss", einem gleichfalls beliebten Imbiss im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, stehen denn auch schon morgens die ersten Arbeiter für die Wurstschnitzchen an. Das Geschäft unter der Hochbahn an der Schönhauser Allee gilt als einer der ältesten und besten der Stadt. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder soll hier schon seine Wurst verdrückt haben, ebenso Fernsehkoch Tim Mälzer.

Überhaupt ist die Currywurst inzwischen gesellschaftsfähig geworden: Politiker zeigen sich gerne beim Biss in die Brühwurst und stellen so ihre Volksnähe unter Beweis. Großmann von "Curry 36" berichtet, dass er am kommenden Wochenende sogar beim Bürgerfest des Bundespräsidenten erstmals die zerteilte Wurst mit roter Soße servieren wird.

Mittlerweile werden immer neue Varianten des traditionellen Arbeiteressens angeboten: Im Kölner Currywurst-Restaurant "CurryCologne" gibt es einen "Candlelight Deal", ein Currywurst-Kerzenlicht-Dinner für Verliebte. Das Unternehmen "Zander Catering" verkauft "Currywurst Gold" mit einer essbaren 22 Karat-Blattgoldschicht, Trüffelpommes und Champagner auf Wochenmärkten in Berlin.

In der Hauptstadt ist die Currywurst derart präsent, dass eine Privatinitiative ihr ein Museum gewidmet hat. Seit fünf Jahren zieht es, prominent in der Nähe des Checkpoint Charlie gelegen, bis zu 80.000 Besucher jährlich an. Mit der Eintrittskarte erwerben die Besucher eine Currywurst-Probe, wie eine Sprecherin sagt. Darin enthalten ist die klassische Wurst-Variante mit oder ohne Darm und - ganz dem Zeitgeist entsprechend - eine vegetarische Currywurst.

AFP

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