Dickmacher Alkohol

Kommt jetzt eine Kalorien-Warnung auf Masskrügen?

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Ob Bier oder Wein: Alkohol haut rein – und zwar auf der Waage. Überraschend: Pro Liter sind im Rotwein sogar mehr Kalorien versteckt als im Gerstensaft.

München - Das hat uns gerade noch gefehlt: Wenn es nach dem Europaparlament geht, sollen bei alkoholischen Getränken künftig Kalorienangaben auf der Verpackung stehen.

Das Parlament hat die EU-Kommission dazu aufgefordert, eine Gesetzesvorlage ausarbeiten. Dabei weiß ohnehin jeder Biertrinker: „Sieben Bier sind ein Schnitzel.“ Auf wie viele Kalorien die verschiedensten alkoholischen Getränke tatsächlich kommen, wissen allerdings tatsächlich die wenigsten Verbraucher. So schlägt ein Glas Wein mit etwa 130 Kilokalorien zu Buche, auf weit mehr bringen es Cocktails, ein Weißbier hat 215 Kilokalorien.

Eine weitere Idee der Parlamentarier: Auf den Etiketten von Flaschen und Dosen solle es Warnhinweise für Schwangere und Autofahrer geben. Künftig könnten sogar Warnhinweise auf Masskrügen drohen. Der Münchner Bundestagsabgeordnete Florian Post (SPD) hält den Vorstoß deshalb für „einen Angriff auf die bayerische Bierkultur.“ Es verstünde sich von selbst, dass Schwangere keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen. Post: „Wer unvernünftig handelt, wird sicherlich auch nicht von Warnhinweisen auf Masskrügen abgehalten.“

Ziel der neuen EU-Strategie ist es, Jugendliche vom Alkoholkonsum abzuhalten. Laut EU-Kommission stehen etwa 25 Prozent aller Todesfälle bei Männern zwischen 15 und 29 Jahren in Verbindung mit Alkohol. Die Christdemokraten wandten sich derweil gegen großflächige Abschreckung wie auf Zigarettenpackungen. „Wir wollen den Bürgern nicht alles vermiesen, was Spaß macht“, so der christdemokratische Europaparlamentarier Peter Liese. Man wolle stattdessen auf Piktogramme und auf Warnhinweise wie „Don‘t drink and drive“ (dt.: Fahre nicht nach dem Trinken) setzen.

Post kontert: „Beim Bier handelt es sich in erster Linie um ein gesundes, nahrhaftes und vor allem hochwertiges Produkt, das – vorausgesetzt richtig gebraut – weltweit geschätzt wird. Dessen eventueller missbräuchlicher Konsum wird sicherlich nicht durch zusätzliche Bürokratie aus Brüssel verhindert!“ Immerhin: Ein weiterer Antrag, das Mindestalter für Alkoholkonsum auf 18 Jahre festzulegen, wurde abgelehnt. In Deutschland ist der Verkauf von Bier und Wein derzeit ab 16 Jahren gestattet.

Getränk

Kalorien in üblicher Menge

das entspricht in etwa …

Kalorien pro Liter

Bier 129 kcal (0,3 l) Milch (0,2 l) (128 kcal) 430 kcal
Hefeweizen 215 kcal (0,5 l) 1 Schokoriegel (242 kcal) 430 kcal
Radler 112 kcal (0,33 l) 1 halbe Semmel mit Leberwurst (105 kcal) 340 kcal
Sekt 160 kcal (0,2 l) 5 Tomatensaft (je 0,2 l) (34 kcal x 5 = 170 kcal) 800 kcal
Prosecco 166 kcal (0,2 l) 5 Tomatensaft (je 0,2 l) (34 kcal x 5 = 170 kcal) 830 kcal
Wodka 43 kcal (0,02 l) 2 Fruchtbonbons (38 kcal) 2150 kcal
Kräuterlikör 100 kcal (0,04 l) 1 Wiener Würstchen (104 kcal) 2500 kcal
Whiskey 100 kcal (0,04 l) 1 Wiener Würstchen (104 kcal) 2500 kcal
Tequila 38 kcal (0,02 l) 2 Fruchtbonbons (19 kcal x 2 = 38 kcal) 1900 kcal
Klarer Schnaps 42 kcal (0,02 l) 1 Apfelschorle (0,2l) (50 kcal) 2100 kcal
Caipirinha 322 kcal (0,3 l) 1 Currywurst (324 kcal) 1073 kcal
Gin and Tonic 140 kcal (0,2 l) 1 Banane (141 kcal) 700 kcal
Cuba Libre 168 kcal (0,2 l) Knuspermüsli (40 g + 60 ml Milch) (196 kcal) 840 kcal
Rotwein 134 kcal (0,2 l) 1 Banane (141 kcal) 670 kcal
Weißwein 120 kcal (0,2 l) Milch (0,2 l) (128 kcal) 600 kcal
alkoholfreies Bier 83 kcal (0,3 l) 1 Birne (83 kcal) 277 kcal
Cola 84 kcal (0,2 l) 1 Birne (83 kcal) 420 kcal
Limo 98 kcal (0,2 l) 1 Ei (81 kcal) 490 kcal
Orangensaft 88 kcal (0,2 l) Halbe Volkornsemmel mit Butter (79 kcal) 440 kcal
Apfelschorle 50 kcal (0,2 l) 16 Weintrauben (48 kcal) 250 kcal
Energy-Drink 94 kcal (0,2 l) 1 Birne (83 kcal) 470 kcal
stilles Wasser 0 kcal - 0 kcal

Mk.

"Doppelte Gefahr für die Figur"

Bier, Wein, Schnaps und Cocktails sind gleich doppelt gefährlich für die Figur. Zum einen, weil Alkohol eine hohe Energiedichte aufweist – also viele Kalorien hat. Und zum anderen, weil er unsere Essgewohnheiten ungünstig beeinflussen kann. In der tz erklärt Professor Dr. Hans Hauner, Direktor des Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München, die Tücken des Alkoholgenusses mit Blick auf die Waage:

Wer viel Alkohol trinkt, der bremst seine Fettverbrennung aus: „Denn der Alkohol wird sofort verbrannt, das Fett hingegen eher gespeichtert“, erklärt Prof. Hauner. „Dazu kommt: Wenn man etwas getrunken hat, dann schmeckt es oft besser. Viele Menschen tun sich im beschwipsten Zustand schwerer, die Portionen in gesundem Maße einzuschätzen. Es fällt also praktisch die vernünftige Essbremse weg.“

Zu viel Bier und Wein können Heißhunger verursachen: Wenn man nach ein paar Feierabend-Bierchen mit Freunden zuhause am Kühlschrank vorbeikommt, kann das gewichtige Folgen haben. „Alkohol senkt den Blutzuckerspiegel“, so Prof. Hauner. Dadurch können nach dem Wirtshausbesuch übertriebene Essattacken ausgelöst werden – insbesondere dann, wenn man zum Bier oder Wein wenig oder gar nichts gegessen hat.

Mit alkoholischen Mischgetränken flößt man seinem Körper oft zusätzliche Kalorien ein: „Bei Cocktails sollte man besonders aufpassen. Sie enthalten häufig viel Zucker und manchmal auch Fett“, erläutert Professor Hauner. Auch in einfacheren Mixgetränken stecken oft massenhaft Kalorien – beispielsweise in Voda, der mit Energydrinks gemischt wird.

Männer sind besonders gefährdet: „Im Schnitt trinken sie die doppelte, manchmal sogar die dreifache Alkoholmenge wie Frauen“, weiß der Ernährungsexperte. „Das heißt: Sie nehmen auch die doppelte bis dreifache Kalorienmenge alleine über Alkohol auf.“ Ein Beispiel: So mancher Mann trinkt abends vor dem Fernseher ab und zu eine Flasche Wein. Sie beinhaltet je nach Sorte etwa 600 Kalorien. „Das ist fast eine Hauptmahlzeit“, erinnert Professor Hauner. Als grobe Richtschnur gilt: Männer sollten mit etwa 2200 bis 2300 Kilokalorien pro Tag auskommen, Frauen mit 1800 bis 2000.

Wein macht genauso dick wie Bier: „Die These, dass Wein nicht so sehr auf die Figur schlägt, stimmt einfach nicht“, sagt Professor Hauner. „Unterm Strich kommt es auf die Menge an Alkohol an, die man zu sich genommen hat.“ Zwar trinkt ein Otto-Normal-Genießer in der Regel weniger Wein als Bier, aber dafür steckt in der gleichen Menge Rebensaft meist auch mehr als doppelt so viel Alkohol. Ein Gramm hat übrigens sieben Kilokalorien.

Andreas Beez

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