Das Ende der weißen Eier?

Warum es fast nur noch braune Eier zu kaufen gibt

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Braune Eier sind beim Kunden beliebter.

München - Vor allem vor Ostern fällt auf: Es gibt kaum noch weiße Eier im Supermarkt zu kaufen. Um das Rätsel um die verschwundenen weißen Eier zu lösen, sprach die tz mit einer Expertin-

Weiß – das war einmal die typische Farbe für ein Hühnerei. Mittlerweile hat sich das gewandelt, schaut man im Supermarkt in Eierpackungen findet man fast nur noch braune Eier. Das fällt besonders vor Ostern auf, wo jeder lieber weiße Eier bemalt, weil die Farben auf ihnen so viel besser leuchten. Um das Rätsel um die verschwundenen weißen Eier zu lösen, sprach die tz mit Dr. Inga Tiemann, Leiterin am Bruno-Dürigen-Institut, dem wissenschaftlichen Geflügelhof des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter, nach der Lösung des Rätsels. Sie sagt: „Die Verbraucher bevorzugen braune Eier, weil sie diese für gesünder halten und denken, braune Eier stammen von Hühnern aus Freiland- und Biohaltung. Was jedoch überhaupt nicht stimmen muss.“ Wo weiße Eier noch gefragt sind, und was es mit grünen Eiern auf sich hat, lesen Sie im Interview:

Das Ohrläppchen zeigt die Ei-Schalenfarbe an

Der Käufer achtet also nicht auf Zahlen, die die Haltungsformen kennzeichnen?

Inga Tiemann: Darauf achten die wenigsten, die meisten schauen sich die Bilder auf den Packungen an. Der Eindruck, braune Eier gleich glückliche Hühner, stammt daher, dass anfänglich in der Freilandhaltung und in der Biohaltung überwiegend braun legende Hennen eingesetzt wurden. Das ist aber längst nicht mehr der Fall. Die Betriebe kaufen legefertige Hennen, und meiner Erfahrung nach sind in den meisten Betrieben Braun- und Weißleger 50 zu 50 verteilt. Die Halter versuchen natürlich, den Verbraucherwünschen gerecht zu werden. Und zu Ostern sind ja weiße Eier gefragt, weil man diese besser färben kann.

Wie unterscheiden sich die Rassen?

Tiemann: Wie hatten sowohl Braun- als auch Weißleger hier am Hof, es handelte sich dabei um Züchtungen des Betriebes Lohmann Tierzucht. Braunleger sind tatsächlich ein bisschen ruhiger, das heißt aber nicht, dass sie einfacher zu halten sind, weil dann Kannibalismus eine größere Rolle spielen kann. Die weißlegenden Hennen sind etwas leichter und agiler. Daher entsteht vielleicht der Eindruck, sie könnten zum Beispiel besser fliegen. Aber das trügt, beide Hühner können gleich gut bzw. gleich schlecht flattern.

Bei der Impfstoffherstellung werden überwiegend weiße Eier verwendet. Warum?

Tiemann: Weiße Eier haben den Vorteil, dass man beim Schieren, also beim Durchleuchten, sehr viel sehen kann. Dazu kommt, dass Braunleger einen geringfügig höheren Blutdruck haben als Weißleger und es daher etwas häufiger zu Blutflecken im Ei kommt.

Woran erkennt man, welches Huhn welche Eifarbe legt?

Tiemann: Bei den Lohmann-Rassen ist es tatsächlich so, dass die Tiere mit weißem Gefieder weiße Eier legen und mit braunem Gefieder braune Eier. Aber das ist eher zufällig bei diesen Züchtungen so. Normalerweise hat die Gefiederfarbe mit der Eierfarbe nichts zu tun. Man erkennt die Eierfarbe an der sogenannten Ohrscheibe, dem Ohrläppchen des Huhns. Das ist eine Hautfalte unterhalb des Gehörganges. Ist diese Ohrscheibe weiß, legt das Huhn weiße Eier. Ist sie rot, legt das Huhn braune Eier.

Woher kommen grüne Eier?

Tiemann: Solche Grünleger kommen immer mal wieder in Mode. Diese Tiere haben eine rote Ohrscheibe. Um die Eier einzufärben wird im Legetrakt Hämoglobin abgebaut. Das funktioniert wie bei einem blauen Fleck: Am Anfang kommt der rote Farbstoff zum Tragen, der immer mehr verblasst, bis es so grünlich, bläulich ­schimmert.

Interview: S. Stockmann

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