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Fragen und Antworten

Paleo - wie gesund ist die Steinzeit-Diät?

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Fleisch ist mein Gemüse: Radikale Anhänger der Paleo-Diät verzehren ihr Steak auch roh.

Schlank, gesund und muskulös – so zogen unsere Vorfahren durch Steppen und Wälder. Davon sind Anhänger der Paleo-Ernährung überzeugt. Was taugt die Steinzeit-Diät?

In den USA ist Paleo schon länger ein Trend. Doch auch in Deutschland interessieren sich mehr und mehr Menschen für die Steinzeit-Diät. Wer sich konsequent nach dem Paleo-Prinzip ernährt, so glauben die Anhänger, ist fitter, leistungsfähiger und vermeidet Zivilisationskrankheiten.

Paleo – was ist das eigentlich?

Der Begriff kommt von Paläolithikum, der Altsteinzeit. Gemeint ist eine kohlenhydratarme Urkost, bei der nur das verzehrt wird, was auch schon die Steinzeit-Menschen aßen: Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Wurzeln, Obst, Gemüse, Pilze, Nüsse und Honig.

Alle Lebensmittel, die erst durch Ackerbau und Viehzucht möglich waren, sind tabu. Das betrifft vor allem sämtliche Getreidesorten, Milchprodukte und Zucker. Damit ist die Paleo-Diät vor allem für Menschen interessant, die empfindlich auf Laktose oder Gluten reagieren.

Strenge Paleo-Anhänger verzichten auch auf Hülsenfrüchte, da diese im Rohzustand ungenießbar seien. Auch pflanzliche Öle kommen ihnen nicht auf den Tisch. Ganz radikale Paleo-Jünger meiden sogar Zubereitungsformen wie Kochen, Braten und Backen und verzehren ihr Steak gleich roh.

Die meisten Anhänger der Paleo-Bewegung verfolgen jedoch einen weniger dogmatischen Ansatz. Ähnlich wie beim „Clean Eating“ versuchen sie, vor allem frische und unverarbeitete Lebensmittel zu essen.

Paleo-Ernährung – warum sollte das gesund sein?

Paleo-Anhänger meinen, dass Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Übergewicht und daraus resultierenden Folgeerkrankungen wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und Gelenkschäden vor allem das Resultat unserer nicht artgerechten Ernährung seien. Auch bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto, einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, soll die Paleo-Ernährung helfen.

Die Steinzeit-Ernährung dagegen hätte den frühen Homo sapiens stark gemacht und die Entwicklung des Menschen begünstigt. 2,5 Millionen Jahre Evolution, so argumentieren sie, würden für sich sprechen. Von den letzten 10.000 Jahren seit Einführung der Landwirtschaft abgesehen ist das die Zeit, in der sich der Mensch als Jäger und Sammler ernährt hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Steinzeitmenschen von nur rund 30 Jahren spricht allerdings eine andere Sprache.

Eignet sich die Paleo-Ernährung als Diät?

Eine kohlenhydratarme Ernährung, die auf Gemüse und Fleisch basiert, ist grundsätzlich gut dazu geeignet, Gewicht zu verlieren. So lassen sich viele Kalorien einsparen und der Blutzuckerspiegel schwankt nicht unnötig stark. Hier sind sich die meisten Ernährungswissenschaftler und Ärzte einig.

Doch eine Paleo-Diät verlangt eine radikale Umstellung vieler Ernährungsgewohnheiten. Damit steigt das Risiko, diese nicht  durchzuhalten. Die Mittagspause in der Kantine, der Abend mit Freunden in der Pizzeria, der schnelle Snack zwischendurch – all das wird kompliziert bis unmöglich.

Vor allem der Verzicht auf Getreide fällt vielen schwer, Heißhungerattacken sind bei einem solch radikalen Verzicht sehr wahrscheinlich. Hilfreich kann dagegen die große emotionale Identifikation vieler Paleo-Anhänger mit der „Paleo-Community“ sein.

Kritik an der Paleo-Ernährung

Kritiker bemängeln, dass Paleo-Anhänger ihren Lebensstil zur Ersatzreligion erhoben hätten. Tatsächlich ist Paleo für viele Anhänger mehr als bloß eine Ernährungsform. Auf Blogs und in Foren tauschen sie Rezepte und Erfolgsstorys aus, die mit ihren euphorischen Schilderungen oft an Erweckungserlebnisse erinnern.

Auch ist die Idealisierung der Steinzeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen weit entfernt: Unsere Vorfahren kämpften oft um das nackte Überleben und aßen, was verfügbar war. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass alles, was sie aßen, auch optimal für den menschlichen Körper ist. Die Jäger der Alt- und Mittelsteinzeit ernährten sich zu rund 90 Prozent von Fleisch - die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt dagegen, nicht mehr als 300-600 Gramm Fleisch pro Woche zu verzehren.

Vertragen Menschen in Wahrheit kein Gluten und keine Laktose?

Bereits die Menschen der Jungsteinzeit ernährten sich von Getreide und Hülsenfrüchten. Dass sie dies nicht vertrugen, dafür gibt es keinerlei Hinweise. "Für die Annahmen, dass der Mensch genetisch nicht in der Lage sei, Milchprodukte, Hülsenfrüchte oder Getreide zu verarbeiten, gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg", so die Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster gegenüber dem Magazin Stern.

Gerade die Annahme, dass Menschen generell keine Milchprodukte vertragen, verdreht die Tatsachen: Als der Mensch begann, Kühe zu halten und zu melken, hatten diejenigen einen Überlebensvorteil, die Milch auch als Erwachsene noch vertrugen. Denn die Milch lieferte schnell viel Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate. So verbreitete sich innerhalb relativ weniger Generationen eine genetische Mutation, die es ermöglichte, das Enzym Laktase zu produzieren.

Unbestritten bleibt dabei, dass Menschen mit Laktose-Intoleranz auf Milchprodukte verzichten oder auf laktosefreie Produkte zurückgreifen sollten. Von dieser Gruppe auf eine generelle Laktose-Unverträglichkeit der ganzen Bevölkerung zu schließen, wäre jedoch falsch. Dasselbe gilt für Zöliakie, also Gluten-Unverträglichkeit. Ohne ärztliche Diagnose sollten diese Lebensmittel vor allem bei Kindern nicht einfach weggelassen werden, so der Bremer Kinderarzt Martin Claßen.

Wo finde ich gute Paleo-Rezepte?

Eine umfangreiche Rezeptsammlung finden Sie unter anderem auf der Website paleo360.de sowie in den Büchern von Nico Richter, Betreiber eben dieser Webseite. Zahlreiche andere Autoren sind mittlerweile auf den Trend aufgesprungen.

Paleo-Restaurants in München

In ganz Deutschland gibt es mittlerweile Paleo-Restaurants, in denen man seine Steinzeit-Mahlzeit mit allen Annehmlichkeiten der Moderne genießen kann. In München finden Sie unter folgenden Adressen Restaurants, die paleo-taugliche Gerichte anbieten:

  • Foodtruck „The Cave“, wechselnde Standplätze, thecavemunich.de
  • foodies, Auswahl an kohlenhydratarmen und paleo-tauglichen Snacks, Kreuzstrasse 11, 81675 München,
  • PUR Esszellent, Auswahl an kohlenhydratarmen und paleo-tauglichen Gerichten, Trogerstraße 25, pur-essen.info

jba

Verdacht auf  Nahrungsmittelunverträglichkeit? 

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