Flaschen- und Standl-Ware im Check

Glühwein vom Discounter: Überraschung im tz-Test

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Von links: Weißer Glühwein von Tengelmann, Glühwein von Edeka, der "Rauschgold-Engel-Glühwein" von Tengelmann sowie der Aldi-Glühwein.

München - Wie gut ist Glühwein vom Discounter? Ist der auf Christkindlmärkten deutlich besser? Mit zwei Fachleuten hat die tz den Test gemacht.

Gut, es ist viel zu warm für die Vorweihnachtszeit – trotzdem gehört der Glühwein dazu. Es geht ja schließlich um das Gefühl, die Vorfreude auf den Heiligen Abend. Deshalb findet das heiße Getränk auch heuer wieder reißenden Absatz auf den Münchner Weihnachtsmärkten und in den Lebensmittelläden. Punsch oder Pansch? – Das ist hier die Frage. Wer sich für die Inhaltsstoffe interessiert, dem hilft das Etikett kaum weiter. Der Prozentanteil an Alkohol muss auf der Flasche stehen, über Zucker und andere Zusatzstoffe machen Hersteller aber meistens keine Angaben. Also lassen Sie uns ein bissl probieren. Mit der Sommelière Jenny Roßberg und dem Weinexperten Bernhard Meßmer, Geschäftsführer der Münchner Weinschule einfach geniessen in der Petalozzistraße 17 hat die tz vier Sorten vom Discounter sowie drei Glühweinstände auf Christkindlmärkten getestet.

Tina Layes

Glühwein nach Großmutterart, Christkindlmarkt am Marienplatz

Sommelière Jenny ­Roßberg testet den Glühwein nach ­Großmutterart am Marienplatz.

Jenny Roßberg ist gespannt – verspricht der Stand auf dem Christkindlmarkt am Marienplatz doch viele gute Dinge: täglich frisch zubereitet, mit kräftigen Weinen aus dem sonnigen Süden, erlesene Gewürze, ungespritzte Orangen und Zitronen, ohne Geschmacksverstärker. Roßbergs Urteil: „Der Glühwein nach Großmutterart schmeckt tatsächlich wie hausgemacht. Die frischen Orangenschalen sind zu erkennen, es ist Zimt und Vanille enthalten. Ein ganz weicher Glühwein ohne Bitterstoffe, der durch die Zitrone ein schönes Gleichgewicht beibehält und nicht zu süß schmeckt. Ein rundes, wohlschmeckendes Getränk.“ Preis pro Tasse 3,50€

Marktschänke auf dem Mittelaltermarkt am Wittelsbacherplatz

Jenny Roßberg: „Der Glühwein von der Marktschänke ist süß und fruchtig. Der Grundwein ist solide, aber sehr stark (circa 12 Prozent). Einen Schuss, wie unter anderem an der Marktschänke angeboten wird, braucht er sicher nicht. Wäre auch schade, da man sonst die Gewürze wie Kardamom, Anis und Wacholder nicht mehr schmeckt. Die Verbindung von Kirsche und Alkohol kommt sehr gut.“

Preis pro Tasse 3,50€

Nikolaus-Hüttn in der Residenz

Jenny Roßberg hätte sich beim Glühwein von der Nikolaus-Hüttn etwas mehr Aromen gewünscht: „Der Wein an sich ist nicht schlecht, aber durch den Mangel an Gewürzen wirkt das Getränk etwas dumpf und schmeckt nach Marmelade.“

Preis pro Tasse: 3,50 Euro

Weiße Pracht

„Das ist ein korrektes Produkt“, sagt Sommelier Bernhard Meßmer. „Der weiße Glühwein hat nicht zu viel Alkohol, ist mild in der Säure und in der Süße. An Gewürzen wie Nelke und Sternanis wurde nicht gespart, es ist fast ein Tick zu viel.“ Sommelière Jenny Roßberg sagt: „Kein aufdringlicher Glühwein. Hervorzuheben ist, dass man die Marille und den Pfirsich vom Wein schmeckt, auch die Zitrus-Variante ist schön abgestimmt.“

Fazit: Die weiße Pracht ist zwar kein besonders spannender Glühwein, trotzdem kann man sich gut vorstellen, eine zweite Tasse zu trinken.

Franz Stettner & Sohn, Kolbermoor

Alkoholgehalt 9 %

2,49 Euro bei Tengelmann

Kloster-Glühwein

„Er wirkt eher plump. Der Wein schmeckt überlagert, also nicht mehr frisch. Das Tannin ist auszehrend und rau“, so das Urteil von Jenny Roßberg und Bernhard Meßmer.

Fazit: Der Kloster-Glühwein schmeckt süß und erinnert nach Sommelier-Einschätzung etwas an ein Hustenbonbon oder ein Energy-Getränk.

Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth im Chiemsee

Alkoholgehalt 9 %

3,59 Euro bei Edeka

Rauschgold-Engel

Die Sommeliers Jenny Roßberg und Bernhard Meßmer sind sich auf den ersten Blick ­einig: „Beim Rauschgold-­Engel wirkt die Farbe frisch.“ Dann schnuppern und probieren: „Die Aromen erinnern an ­Himbeere und Heidelbeere sowie Nelke und Stern­anis.“

Fazit: Der Nürnberger Rauschgold-Engel schmeckt fruchtig und ist süffig. Allerdings ist es nach dem Geschmack der Verkoster deutlich zu süß. Ein korrektes Produkt, klassisch auf ­Rotwein-Basis – allerdings nach Meinung der Sommeliers nicht besser als der Weißwein-­Konkurrent, die Weiße Pracht.

Rauschgold-Engel-Glühwein vom Nürnberger Christkindles-Markt

Alkoholgehalt 9,5 %

2,49 Euro bei Tengelmann

 

Deutscher Winzer Glühwein: Aldi-Getränk überrascht

„Da waren Profis am Werk“, sagt Meßmer. „Ein sauberer, gerader, würziger Glühwein mit einem guten Fruchtgeschmack nach Schwarzkirsche und Heidelbeersaft. Er ist nicht zu süß, wirkt nicht künstlich und ist dazu noch sehr saftig und weich.“

Fazit: Unter den drei Roten der getesteten Glühweine ist der Deutsche Winzer Glühwein aus Dornfelder-Trauben laut Sommeliers-Meinung der gefälligste, der am rundesten und ­saftigsten schmeckt. Hervorzuheben: das Preis-Leistungsverhältnis – grad mal 1,99 Euro pro Flasche.

Alkoholgehalt 11 %

1,99 Euro bei Aldi

 

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