Glassplitter und Co.

Immer mehr Rückrufe bei Lebensmitteln: Wie schütze ich mich?

+
Wie behalten Verbraucher bei Lebensmittelrückrufen den Durchblick?

Coli-Bakterien im Käse, Glassplitter in Babynahrung, Salmonellen bei Eiern: Letztes Jahr stieg die Zahl der Rückrufe drastisch an. Was können Verbraucher tun?

Verbraucher sind besorgt: Welche Lebensmittel kann man überhaupt noch bedenkenlos konsumieren? Die vielen Rückruf-Aktionen der Hersteller führen zu immer mehr Verunsicherung in der Gesellschaft. Hier erfahren Sie, auf was Sie beim Einkauf achten sollen, und wie Sie bei verunreinigten Lebensmitteln vorbeugen können.

Diese Lebensmittel wurden dieses Jahr zurückgerufen

Das Internetportal lebensmittelwarnung.de veröffentlicht stets die neuesten Rückrufe. In diesem Jahr handelte es sich um Produkte verschiedener Hersteller wie Weißbier, Sesam-Creme, Roquefort-Käse, Tiefkühl-Fisch, Eier, Geflügelwurst und sogar Mineralwasser. Die Verunreinigungen reichen dabei von Salmonellen bis hin zu Glas- oder Metallsplittern in den Lebensmitteln.

Drastischer Anstieg: 50 Prozent mehr Rückrufe im letzten Jahr

Auf dem Portal tragen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) zusammen mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer sämtliche Warnungen zusammen - und seit 2011 werden es jedes Jahr mehr. 2016 wurden somit insgesamt 149 Produkte zurückgerufen, eine Steigerung um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Werden unsere Lebensmittel immer schlechter?

Verbraucher müssen aufgrund der Rückrufe jedoch nicht unnötig in Panik geraten. Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt die Hintergründe im Gespräch mit echo24.de: "Wir leben nun einmal in einer arbeitsteiligen Welt und produzieren unsere Lebensmittel nicht mehr selbst."

Bei der teils komplizierten und automatisierten Herstellung - egal ob bei Marken- oder No-Name-Produkten - können immer Fehler passieren. Wichtig sei, dass das betroffene Produkt schnell aus dem Verkehr gezogen werde. Verbraucher sollten sich jedoch auch nach den Rückrufen richten - "nicht panisch, aber aufmerksam", so die Expertin.

Lebensmittelrückruf: Wird die Ware erstattet?

Laut der Verbraucherzentrale haben Konsumenten ein Anrecht auf einwandfreie Produkte. Der Händler ist dafür zuständig, dass Sie beim Kauf auch die Ware in gewünschtem Zustand erhalten. Im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung können Sie Ihr gekauftes und schadhaftes Produkt gegen Vorlage des Kassenbons umtauschen. Falls ein Umtausch nicht möglich sein sollte, da die Ware beispielsweise vergriffen ist, können Sie Ihr Geld zurückverlangen. Sie müssen jedoch beweisen, dass es sich um keine einwandfreie Ware handelt.

Tipp: Heben Sie sich ihren Kassenbon auf. Ohne diesen haben Sie keinen Anspruch auf Ersatz.

Rückruf oder Rücknahme: Was ist der Unterschied?

Wenn ein Hersteller feststellt, dass ein Produkt aufgrund von Herstellungsfehlern doch nicht in den Regalen stehen soll, kann er es aus dem Handel zurückziehen. Bei der Rücknahme geschieht dies still und heimlich, der Verbraucher merkt in der Regel nichts davon. Es gibt keinen Hinweis an die Öffentlichkeit und der Produzent vermeidet damit einen Imageverlust. Eine Rücknahme ist verpflichtend, wenn von dem Produkt Gefahren für die Gesundheit ausgehen oder wenn sie nicht zum Konsum geeignet sind, da sie verdorben sind.

Im Gegensatz dazu werden beim Rückruf nicht nur die Produkte aus dem Handel genommen, sondern auch Warnungen vor den Lebensmitteln veröffentlicht. Der Hersteller ist bei gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln zum Rückruf verpflichtet und er muss sich damit auch an die Öffentlichkeit wenden. Falls der Produzent dem nicht nachkommen sollten, greift die Lebensmittelüberwachung ein, um den Verbraucherschutz sicherzustellen.

Immer mehr mikrobiologische Verunreinigungen

Ein Grund für die steigende Zahl an Rückrufen sei der zunehmende Handel mit verarbeiteten Lebensmitteln. Dabei können immer wieder Fremdkörper in die Produktionsketten gelangen. Neben Splittern aus Metall oder Glas kann es sich hierbei auch um mikrobiologische Schadstoffe und Verunreinigungen handeln. Laut einer aktuellen Statistik des BLV zählen diese sogar zu den Hauptursachen von Rückrufen oder Rücknahmen:

Mikrobiologische Verunreinigung

38 Prozent

Fremdkörper

27 Prozent

Mangelnde Kennzeichnung

9 Prozent

Überschreitung von Grenzwerten

7 Prozent

unzulässige Inhaltsstoffe

5 Prozent

erhöhter Dioxin-/ PCB-Gehalt

3 Prozent

Fehler bei der Verpackung

1 Prozent

sonstige Gründe

10 Prozent

Quelle: BVL, Stand: 28.03.2017.

Mikrobiologische Verunreinigungen: Diese Lebensmittel haben ein größeres Risiko

Zu den Produkten, die ein höheres Risiko bergen, zählen beispielsweise Geflügel, Fleisch, Rohwurst, Räucherfisch und Speisen mit rohem Ei, wie merkur.de berichtet. Diese verderben nicht nur schneller, sondern bieten auch mehr Angriffsfläche für mikrobiologische Verunreinigungen. Laut Verbraucherzentrale sollten hier besonders Kleinkinder, Schwangere, ältere Personen und Menschen mit einer Immunschwäche vorsichtig sein.

Aber auch Vegetarier und Veganer sollten beim Einkaufen auf einwandfreie Lebensmittel achten, denn die Keime können auch über Sprossen, Schnittsalate oder tiefgekühlte Beeren übertragen werden. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, verarbeitet daher am besten frische Beeren der Saison zu Smoothies oder Desserts, die nicht mehr erhitzt werden.

Wichtig: Bei diesen leicht verderblichen Lebensmitteln darf die Kühlkette auf keinen Fall unterbrochen werden. Die Produkte sollten also nach dem Einkauf direkt in die Kühltasche wandern und zu Hause im Kühlschrank oder Gefrierfach gelagert werden. Empfindliche Lebensmittel wie beispielsweise Hackfleisch sollten Sie bei maximal zwei Grad Celsius im Kühlschrank lagern und danach zügig verbrauchen.

von Felix Mildner

Grundnahrungsmittel vom Discounter im "Öko-Test"

Milfina Joghurt 3,5 % Fett erhält das Testurteil "sehr gut". Kritikpunkt waren dennoch niedrige Omega-3-Fettsäuren. Das bedeutet, dass die Kühe selten Gras und meistens Kraftfutter bekommen haben. Doch mit diesem Mangel haben auch die Produkte der Discounter Aldi Süd und Nord, Penny, Lidl, Netto und Norma zu kämpfen. Sie enthalten zusätzlich noch Weichmacher in der Verpackung. © Öko-Test
Pennys Lindenhof Gouda schneidet im Test auch "sehr gut" ab - trotz niedriger Omega-3-Fettäurewerten. Doch auch alle gestesten Gouda anderer Discounter weisen diesen Mangel auf. © Öko-Test
Das Mineralwasser "Saskia" (Medium) von Lidl schafft nur die Marke "befriedigend". Sein Mangel laut "Öko-Test": PET-Einweg. Damit befindet sich das Wasser, das ebenso wie alle anderen von seinen Inhaltsstoffen einwandfrei ist, in guter Gesellschaft mit den Marken der genannten Discounter. © Öko-Test
Jodsalz von Norma ist "sehr gut" und ohne Mangel. Ebenso wie alle anderen getesteten Billigprodukte von Penny, Lidl, Aldi Nord und Süd und Netto. © Öko-Test
Beim Sonnenblumenöl droht allseits Ungemach: Das Premium Sonnenblumenöl von Netto wurde mit der Auszeichnung "ausreichend" versehen, weil die Ölqualität zu gering ist und der Wert der Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) vergleichsweise hoch. PAKs können krebserregend und erbgutschädigend sein. Allerdings lagen die Messwerte hier immer noch deutlich unter den zugelassenen Höchstmengen. © Öko-Test
Auch bei den anderen Sonnenblumenölen war die Ölqualität nicht immer gut und Inhalststoffe und Kennzeichnung nicht immer zufriedenstellend. Norma beispielsweise zeichnet sein Öl mit dem Vermerk "cholesterinfrei" aus. © Öko-Test
Die Spaghetti im Test waren alle "sehr gut" und wiesen wie Lidls Combino Spaghetti keinerlei Mängel auf. © Öko-Test
Der Spinat jedoch hat seinen Ruf nicht umsonst, er schwächelt bei den Inhaltsstoffen. Der Vorwurf: Nitrat und Cadmium liegen über 50 Prozent der täglich empfohlenen Dosis. Deshalb erhält das Gartenkrone-Produkt von Aldi Süd auch nur das Zertifikat "ausreichend". Auch bei Norma, Penny, Aldi Nord und Netto liegt das Cadmium im Spinat darüber, bei Lidl ist es der Nitrat-Wert. © Öko-Test
Das Puda-Weizenmehl von Penny erhält nur die Auszeichnung "befriedigend", weil es erhöhte Schimmelpilzgifte enthält. Auch in Aldi Nords Goldähren-Weizenmehl stecken zu viele davon, deshalb ist es auch nur "befriedigend". Alle anderen Discount-Mehle erringen das Urteil "sehr gut". © Öko-Test
Die passierten Tomaten von Aldi Süd schneiden "sehr gut" ab. Ebenso die Tomaten aller anderen Discounter. Nichts daran auszusetzen. © Öko-Test
Der Bellarom Gold Kaffee von Lidl teilt sich die Auszeichnung "sehr gut" mit den Eigenmarken von Penny, Norma, Netto sowie Aldi Nord und Süd. Eine glatte 1 für alle. © Öko-Test

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Sie werden nicht glauben, was eine Frau für dieses "Frühstück" bezahlt hat
Sie werden nicht glauben, was eine Frau für dieses "Frühstück" bezahlt hat
Vorsicht, giftig: Wenn Kartoffeln so aussehen, gehören sie in den Müll
Vorsicht, giftig: Wenn Kartoffeln so aussehen, gehören sie in den Müll
Ohne Zusatzstoffe, ohne Geschmackverstärker: So machen Sie die rote Asia-Soße selber
Ohne Zusatzstoffe, ohne Geschmackverstärker: So machen Sie die rote Asia-Soße selber
Diese neue Erfindung von Heinz sorgt für Jubel - und Ekel
Diese neue Erfindung von Heinz sorgt für Jubel - und Ekel

Kommentare