Richtig bezahlen im Restaurant

Der leidige Umgang mit Trinkgeld: So hält es unsere Foodbloggerin Bianca

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Zu wenig Trinkgeld ruft oft verschnupfte Reaktionen bei Kellnern und Bedienungen hervor. Doch gilt die 10-Prozent-Regel noch?

Trinkgeld: Ein schwieriges Thema. Unsere Foodbloggerin Bianca verrät, nach welchen Kriterien sie Trinkgeld gibt - und wie das Ganze in anderen Ländern gehandhabt wird. 

Ich gehe in der Woche durchschnittlich circa zehn bis zwölf Mal auswärts essen. Mal schick, mal ganz locker, überwiegend geschäftlich, gerne aber auch privat, meistens in München oder dessen Umland. Ein unvermeidbares Thema bzw. stets Teil eines Restaurantbesuchs für uns alle – ganz gleich ob in Deutschland oder im Ausland – ist das Bezahlen und das damit verbundene Trinkgeld. Ein schwieriges Thema.

Trinkgeld: Eine Stolperfalle in der Gastronomie

In meinen Augen ist es ganz klar: Trinkgeld und dessen Höhe bzw. der Umgang mit diesem gilt nach wie vor als eines der „großen Geheimnisse und Stolperfallen“ in der Welt der Gastronomie. Nicht selten sitze ich am Restauranttisch und beobachte, wie beispielsweise in einer Gruppe einzeln bezahlt wird und der ein oder andere verstohlen beim Nachbarn schaut, wie hoch dessen Trinkgeld ausfällt. Auch ist spürbar, dass vielen Leuten ein vermeintlich zu geringes Trinkgeld schnell unangenehm ist, selbst, wenn beispielsweise nur ein Kaffee oder alkoholfreies Getränk bestellt wurde. Der Gedanke, dass Geld „zusätzlich zum Rechnungsbetrag geschenkt wird“ liegt oft in weiter Ferne.

Die in Deutschland gängige 10%-Regel gilt gefühlt schon längst nicht mehr, und auch ich gebe lieber Trinkgeld nach Bauchgefühl und – ganz plump gesagt – gemessen an dem, wie es mir gefallen hat. Wenn der Service besonders freundlich war, gibt es bei einem Rechnungsbetrag unter fünf Euro trotzdem gerne mal zwei bis drei Euro Trinkgeld, beziehungsweise bleibe ich auch ohne zu zögern unter den geforderten 10%, wenn ich unzufrieden vom Tisch aufstehe. Verdrehte Augen der Kellner, auf den Tisch geworfenes Rückgeld und bewusst ausgelassene Verabschiedungen nach der Aushändigung eines der Bedienung offensichtlich zu geringen Trinkgeldes, sind da gar nicht so selten.

Bei mir löst ein solches Verhalten schnell Unverständnis aus. Trinkgeld ist Geld, welches ich zusätzlich zum Bezahlen der Dienstleistung, des Essens und des Drumherums geben möchte, weil ich zufrieden war. Trinkgeld ist keine Pflicht, „nur“ eine Frage des Anstands. In München wird das gut und gerne vergessen und schnell fühlt man sich als Gast schuldig. Weil mich das Thema inzwischen immer öfter – auch im negativen Sinne – betrifft, habe ich mich ein wenig schlau gemacht, woher das mit dem Trinkgeld eigentlich kommt und wie es andere Völker so handhaben.

Andere Nationen - Andere Trinkgelder

Trinkgeld gibt es bei uns in Deutschland tatsächlich schon seit dem 14. Jahrhundert und der Name war einst auch Sinn des Ganzen: Der Wirt oder Kellner sollte auf den Wohl des Gastes einen Trinken, es sich gut gehen lassen und auf diesen einen Trost aussprechen. Zusätzlich zum Rechnungsbetrag gegebenes Geld galt also damals tatsächlich dem Zwecke des Trinkens. Inzwischen ist das wohl nicht mehr wirklich so zu sehen, trotzdem gibt es diese „Geste“ weltweit - fast.

So ist es nur in Japan ungewöhnlich, ja nahezu unhöflich, Trinkgeld zu geben und wird in der Regel stets als würdeloser Zug gesehen. China hingegen hat sich inzwischen sehr den westlichen Kulturen angepasst und folgt damit Thailand und Malaysia in Sachen Trinkgeld. Eher unüblich hingegen ist Trinkgeld in skandinavischen Ländern, ausgenommen Schweden, auch hier wird vom Service mit 10% gerechnet. In Großbritannien wird aus dem Trinkgeld der „Tip“ und sogar 15% werden ohne große Dankbarkeit als normal angesehen. Doch Vorsicht! Manchmal ist hier schon eine pauschale Service Charge berechnet und ihr braucht kein zusätzliches Trinkgeld geben. Die Franzosen liegen ebenfalls bei 15% Trinkgeld, wünschen sich das Trinkgeld aber ohne große Worte einfach auf dem Tisch, sobald man als Gast gegangen ist. Aufrunden des Rechnungsbetrages, wie es bei uns üblich ist, mögen Franzosen in der Regel gar nicht. Die Spanier, Griechen und Italiener geben sich ebenfalls mit ca. 10% zufrieden, wobei die Italiener gerne einen "Cuperto"-Zuschlag (für das Gedeck) auf die Rechnung setzen.

In fast jedem der oben genannten Länder (und mehr) habe ich schon die unterschiedlichsten Reaktionen auf die unterschiedlichsten Höhen an Trinkgeld bekommen. Wie geht es euch damit? Findet ihr die (unausgesprochenen)Trinkgeld-Regeln in München und im Umland immer angemessen? Habt ihr auch schon diverse Erlebnisse in Sachen Trinkgeld erlebt und gebt ihr auch gerne einfach mal mehr, wenn wirklich alles gepasst hat? Für mich ist und bleibt das Thema schwierig, obwohl ich durch die Vielzahl meiner Restaurantbesuche keine Berührungsängste mehr habe, im Sinne von „nur bezahlen, was es mir wert war“. Bunte Geschichten erlebe ich dennoch mehr und mehr. Und ihr?

Biancas Foodblog

Bianca bloggt für Merkur.de und tz.de über Münchens Gastronomie. Mehr zu Bianca und ihrem Foodblog finden Sie auf der Themenseite „Biancas Foodblog“.

Weitere zahlreiche Restaurant-Tests lesen Sie auf Biancas Website unter biancas-blog.de und über ihre Facebook-Seite.

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