Von wegen Bio?

Marktcheck prüft Bio-Eier von Aldi - mit erschreckendem Ergebnis

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Offensichtlich sind Bio-Eier von Aldi-Südnicht so Bio wie gedacht.

Auch bei Bio-Produkten scheint nicht das drin zu sein, was draufsteht: Dies stellte die SWR-Sendung "Marktcheck" bezüglich der Eier von Aldi-Süd fest.

Wer Bio-Eier bei Aldi-Süd kauft, zahlt in der Regel den doppelten Preis im Vergleich zu Eiern aus der Bodenhaltung. Dafür erwarten die Kunden auch, dass die Tiere Auslauf bekommen und gut behandelt werden. Doch in der SWR-Sendung "Marktcheck" stellte man im Juni ein paar beunruhigende Tatsachen fest: Denn Bio scheint schon länger nicht mehr Bio zu sein.

Grund der Untersuchung waren Aufnahmen des Deutschen Tierschutzbüro e.V., die dem Sender zugespielt wurden. Diese zeigen die Haltung von tausenden von Hühnern auf engstem Raum aus Hühnerfarmen in den Niederlanden: Es sind tote Tierkadaver in den Käfigen und unerlaubte Stromleitungen zu sehen. Ausgerechnet die Eier aus dieser Produktion scheinen bei Aldi als Bio über die Ladentheke zu gehen.

Marktcheck besucht Hühnerfarmen von Aldi-Süd

Das Team vom SWR machte sich mit dem Tierschützer Jan Peifer auf den Weg zu den betroffenen Hühnerfarmen in den Niederlanden, um der Sache auf den Grund zu gehen - zuvor kauften sie in zufällig ausgewählten Filialen des Discounters Bio-Eier und fanden anhand des Codes heraus, dass sich darunter tatsächlich die auffälligen Betriebe befanden.

Angekommen auf dem ersten Hof in Maarsbergen stellte man sofort fest, dass kein einziges Huhn im Freien unterwegs war - und das um zwölf Uhr mittags. Der Kontrollverein KAT legt nämlich fest, dass den Hühnern bis spätestens 10 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang Auslauf gewährt werden muss.

Für Peifer steht fest: "Die Tiere werden halt drin gelassen und dort eingepfercht, weil es einfacher ist. In dem Moment wo er die Tiere raus lässt, ist Verlust da. Vor allem die Eier werden irgendwo draußen gelegt. Dann müsste man das per Hand einsammeln. Das ist personalintensiv."

Müssen Eier eigentlich gekühlt oder ungekühlt aufbewahrt werden?

Zahlreiche Richtlinien für Bio-Höfe werden nicht eingehalten

Aber nicht nur das - der Mitarbeiter auf dem Hof trug nicht die verordnete Schutzkleidung, sondern nur kurze Hosen und T-Shirt. Erst als der Chef der Hühnerfarm auftauchte, wurden die Hühner freigelassen und das Kamerateam über den Hof geführt.

Auch pikant: Überall waren Stromanschlüsse zu entdecken, die eigentlich nicht erlaubt sind. Der Chef des Betriebes gab zwar an, dass diese schon seit Jahren nicht mehr genutzt wurden - doch nur zwei Wochen zuvor konnte das Deutsche Tierschutzbüro e.V. in seinen Aufnahmen belegen, dass diese Strom führten.

Außerdem sieht der Tierschützer Peifer die Tatsache, dass die meisten Hühner trotz geöffneter Auslaufklappen den Stall nicht verlassen wollten, als Anzeichen für ein Konditionierung der Tiere: Man gab ihnen offensichtlich Stromschläge, damit sie sich nicht in die Nähe des Ausganges bewegen würden.

So sieht es auf anderen Bio-Farmen von Aldi aus

Bei der nächsten Hühnerfarm in Lunteren ging es noch schlimmer zu: Schon von Weitem schlug den Besuchern ein Verwesungsgeruch entgegen - in den Mülltonnen entdeckten sie zahlreiche Tierkadaver, die laut KAT eigentlich in gekühlten Kadaverboxen gelagert werden sollten.

Laut der Chefin wurden nur wenige Tage zuvor 10.000 Hühner geschlachtet, damit neue kommen könnten. Das wäre das gängige Prozedere.

Für den Tierschützer Jan Peifer ist nach diesen Enthüllungen eines ganz klar: "Als Verbraucher muss man sich eben bewusst sein, dass Bio mittlerweile auch Massentierhaltung bedeutet. Das heißt: Tiere werden auf engem Raum gehalten und das ist etwas, was den meisten wahrscheinlich gar nicht so bewusst ist."

Bio-Eier-Skandal? Das sagt Aldi-Süd zu den Aufdeckungen

Auch Aldi-Süd gab eine Stellungnahme zu den Zuständen auf den Hühnerfarmen ab. Nachdem die Verantwortlichen mit den Recherchen konfrontiert wurden erklärte das Unternehmen, "...dass die geschilderten Auffälligkeiten...nicht den KAT-Anforderungen und somit auch nicht den von ALDI SÜD geforderten, verbindlichen Richtlinien entsprechen."

Somit wolle der Discounter-Riese die betroffenen Betriebe noch einmal genau unter die Lupe nehmen und bei Bedarf entsprechende Konsequenzen ziehen.

Lesen Sie hier, was die Biosiegel bedeuten und welches am strengsten ist.

Von Franziska Kaindl

Diese Lebensmittel bestehen hauptsächlich aus Zusatzstoffen

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