Mein Küchengeheimnis

Michael Königs besondere Rezepte: Ein Ritterschlag fürs Brot

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Arme Ritter kennt jeder: Normalerweise kommen sie süß zum Frühstück auf den Tisch. Michael König hat sich salzige Varianten ausgedacht.

Manchmal sind es die schlichten Gerichte, die besonders überzeugen. Wie die „Armen Ritter“ beispielsweise. Michael König aus München hat sie veredelt und bringt sie als „Franz Ritter“ auf den Tisch.

Ein Ritterschlag für Brotreste. Michael Königs Familie liebt diese Art der Resteverwertung.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Das Reich von Michael König ist nicht groß. Aber effizient. „Man hat alles in Griffweite“, sagt der Hobbykoch und blickt sich in seiner gerade mal fünf Quadratmeter großen Küche um. „Es ist alles da, was man braucht, um eine fünfköpfige Familie glücklich zu machen.“ Unter der Woche muss es hier schnell gehen, am Wochenende wird allerdings ausgiebig gekocht. Die Armen Ritter lieben alle – seine Ehefrau und die drei Kinder sowieso. Zum Frühstück serviert der Wahl-Münchner die klassische Variante, mittags oder zum Brunch darf es auch mal herzhaft sein. „Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt“, sagt Michael König. Nach dem Motto: erlaubt ist, was schmeckt.

Michael Königs persönlicher Favorit ist der Brie- Ritter mit Rucola und Aprikosenmarmelade. König nennt ihn „Franz Ritter“. Er geht schnell und schmeckt königlich. Ein Ritterschlag für Brotreste.

Während er seine Kinder schon von klein auf in der Küche mitwerkeln ließ, hat Michael König selbst erst als Student angefangen, den Kochlöffel zu schwingen: „Meine Mutter hat es nicht zugelassen, dass ich am Herd hantiere.“

Während des Studiums in Köln lernte Michael König dann zwangsläufig das Kochen, wollte er doch nicht immer in der Mensa essen gehen. „Meine Käse-Hackfleisch-Suppe mit Lauch war legendär auf Partys“, sagt er noch heute voll Stolz.

Das Koch-Repertoire vergrößerte sich nach und nach. „Wir kochten alles. Auch mal einen Braten.“ Als das „Literarische Quartett“ mit Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek im Fernsehen populär wurde, traf sich der Bücherfreund König mit Freunden – zum Fernseh-Schauen und davor gemeinsam kochen. „Da haben wir keine schnelle Kost bevorzugt“, sagt er, sondern „wir haben richtig aufwendig gekocht“.

Der Einstieg ins Berufsleben ließ ihm später kaum noch Zeit zum Kochen – „das musste ich damals aufs Wochenende beschränken“.

Erst als die älteste Tochter in den Kindergarten kam, gewann das Thema Kochen für Michael König wieder an Bedeutung. „Meine Große ging in einen Mitmach-Kindergarten, in dem wir Eltern für das Mittagessen zuständig waren.“ Fortan waren bei den Königs Kindergerichte ein Thema, Michael Königs erstes Buch ließ dann auch nicht lange auf sich warten: „Die Kinderkochschule hat richtig Spaß gemacht“, sagt er heute.

Mittlerweile produziert Michael König in seinem eigenen Verlag Kochbücher und ist immer wieder auf der Suche nach Nischen-Themen.

„Lecker hoch fünf“, wie sein jüngstes Buch-Projekt heißt, sei „die logische Konsequenz“, wenn fünf Personen am Tisch sitzen und sich ein Gericht zum Essen wünschen. Michael König hat bewusst mit Klassikern wie Eintöpfen, Lasagne, Risotto und Knödeln gearbeitet – „das sind alles Gerichte, die in Familien gerne und oft gegessen werden“. Reibekuchen dürfen da natürlich nicht fehlen – „das Rezept dafür habe ich aus Köln mitgebracht, deshalb sage ich nach wie vor Reibekuchen, auch wenn ich natürlich weiß, dass man hierzulande das Essen Reiberdatschi nennt“, wie er mit einem Grinsen hinzufügt. Die Reiberdatschi oder Reibekuchen schmecken nicht nur klassisch mit Apfelmus, sondern auch als Zucchini-Rösti oder als Sauerkraut-Reibekuchen mit Lachs und Dillquark.

Und selbst Fritten sind nicht gleich Fritten. Pommes kann man nämlich nicht nur aus Kartoffeln machen, sondern auch aus Kürbis oder Kohlrabi. Man muss sich einfach nur trauen, sagt Michael König. Er hat sich schließlich auch getraut in seinem Reich, ständig etwas Neues auszuprobieren. „Dem guten Geschmack sind schließlich keine Grenzen gesetzt“, sagt er und beißt genüsslich in einen Käse-Arme-Ritter. Wir tun’s ihm nach und ziehen das Fazit: Franz Ritter sind ein Ritterschlag für Brotreste.

Frische Kräuter hat der Hobbykoch im Garten.

Armer Ritter – mal süß, mal salzig

Arme Ritter sind eine ganz einfache Speise – dafür aber mit einer langen Historie. Schon im Römischen Reich waren in Fett ausgebackene Brotstücke bekannt. Das älteste schriftlich übermittelte deutschsprachige Rezept für Arme Ritter steht bereits im „Buch von guter Speise“ aus dem 14. Jahrhundert, das im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm zitiert wird: „snit denne aht snitten arme ritter und backe die in smalze niht zu trüge.“

Im 30-jährigen Krieg waren Arme Ritter eine Art Notessen, womit sich auch verarmter Adel zufriedengeben musste. Eier wurden über alten Brötchen aufgeschlagen und in Fett gebacken. Heute bereitet man Arme Ritter mit einer leckeren Eiermilch zu. Varianten dieses doch recht einfachen Gerichts erfreuen sich internationaler Beliebtheit: von Amerika (French Toast) bis Russland (Grenki) stehen ähnliche Speisen weltweit auf dem Speiseplan. In Portugal veredelt man Rabanadas gern mit Portwein, in Ungarn kommen Bundáskenyér salzig statt süß auf den Tisch.

Süße Variante: Klassisch werden die Armen Ritter mit Zimt und Zucker serviert. König reicht dazu noch Blaubeeren.

Süßer Ritter 

½ Vanilleschote

2 Eier

200 ml Milch

170 g Zucker

1 Prise Salz

20 g Zimt

2 EL Sonnenblumenöl

8 Scheiben Butter-Brioche

50 g Butter

für die Quarkcreme:

1 Stiel Minze

1 Limette

150 g Crème fraîche

1 EL Zucker

außerdem:

250 g Blaubeeren

100 ml Ahornsirup

Zubereitung:

1. Mark aus der Vanilleschote kratzen und mit Eiern, Milch, 90 g Zucker und Salz in einer breiten Schüssel verrühren. 80 g Zucker mit Zimt mischen und auf einen Teller geben. Einen weiteren Teller mit Küchenpapier auslegen.

2. Eine große Pfanne vorheizen, Öl hineingießen. Brote in die Eiertunke tauchen, kurz abtropfen lassen und in der Pfanne ausbraten. Wenn die erste Seite goldgelb ist, wenden und ein kleines Stück Butter dazugeben. Kurz bevor die zweite Seite goldgelb ist, etwas Zucker in die Pfanne geben und die Brote schwenken. Noch einmal wenden und kurz fertig braten. Auf dem Küchenpapier abtropfen lassen und im Zimt-Zucker-Bad wälzen.

3. Minzblätter in feine Streifen schneiden. Limette zur Hälfte abreiben und auspressen. Minze, Limettensaft und Abrieb mit Crème fraîche in einer Schüssel vermengen und mit etwas Zucker abschmecken.

4. Wer mag: Blaubeeren mit Ahornsirup vermengen und über die Armen Ritter geben. Mit einem Klecks Crème fraîche garnieren und servieren.

Franz Ritter

150 ml Milch 

2 Eier Kräuter (z.B. Basilikum, Petersilie, Thymian, Schnittlauch)

Salz, Pfeffer

8 Scheiben Toast

200 g Aprikosenmarmelade 

400 g Brie

100 g Rucola

2 EL Sonnenblumenöl

Butter

Zubereitung:

1. Milch, Eier, Kräuter, Salz und Pfeffer in einer breiten Schüssel verrühren. Einen Teller mit Küchenpapier auslegen. Toastscheiben paarweise bereitlegen. Jeweils die eine mit Aprikosenmarmelade bestreichen und die andere mit Brie belegen. Rucola auf der Marmelade verteilen. Beide Scheiben zusammenklappen. 

2. Eine große Pfanne vorheizen, Öl hineingießen. Brote in die Eiertunke tauchen, kurz abtropfen lassen und in der Pfanne bei mittlerer Hitze braten. Wenn die erste Seite angebräunt ist, Brot wenden und ein kleines Stück Butter dazugeben. Auf dem Küchenpapier abtropfen lassen und am besten noch heiß servieren.

Gut zu wissen:

- Für Arme Ritter kann man altbackenes wie frisches Brot verwenden.

- Zu den verwandten Gerichten gehören auch der als Auflauf gebackene Scheiterhaufen und der Ofenschlupfer.

Ritterliches Mahl mit Hobbykoch König – Merkur-Redakteurin Stephanie Ebner testet süße und salzige Arme Ritter.

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