Micky Beisenherz kotzt sich aus

Vapiano in der Kritik: "Pseudomediterrane Sättigungsfabrik"

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Die Restaurantkette Vapiano sieht sich scharfer Kritk von Micky Beisenherz ausgesetzt.

München - Am Prinzip der Restaurantkette "Vapiano" scheiden sich die Geister. Micky Beisenherz, Kolumnist des "Stern", hat seiner Meinung darüber nun freien Lauf gelassen. Hat er Recht?

Schon der Slogan des Unternehmens Vapiano sagt einiges über die Philosophie des Unternehmens aus: "Wer das Leben locker und gelassen angeht, lebt gesünder und länger." Für die einen ist dies der Anspruch, in einem relaxten Umfeld lecker und stilvoll essen zu können. Für Stern-Kolumnist Micky Beisenherz, auch bekannt als Autor bei den Satire-Sendungen heute-Show, Extra3 und dem Dschungelcamp, sind die vielen Vapiano-Restaurants allerdings ein Unding. Zumindest der Besuch derer.

Das Prinzip in den Vapiano-Filialen ist recht schnell erklärt. Der Gast stellt sich am Tresen seiner Wahl an und bestellt dort seine gewünschten Speisen. Die bekommt er entweder direkt nach der Bestellung frisch zubereitet oder er bekommt einen Funkmelder, der am Tisch dann brummt, wenn das Essen fertig ist. Umgarnt wird das Ganze von einer Einrichtung, die von hochglanzlackiertem Holz in Rot-und Weißtönen dominiert wird. Klingt auf den ersten Blick gar nicht so verkehrt.  Und auch die vier Vapiano-Filialen in München scheinen zu brummen. Diese finden sich in Pasing, in der Richard-Strauss-Straße, an der Hackerbrücke und mitten in der City in der Theatinerstraße.

Für Beisenherz sind der Besuch bei Vapiano und offenbar auch die Besucher allerdings ein Graus. Denn die systemgastronomischen Restaurants sind für ihn das Gegenteil von gemütlichem Einkehren. "Mit ein wenig Glück kommen Sie dort nie in die Verlegenheit, mit allen gleichzeitig am Tisch sitzen zu müssen", motzt er in seiner Kolumne.

Vapiano: Die Selbstbedienungs-"Pastavorhölle"

Das Self-Service-Prinzip bei Vapiano fände er vielleicht nicht so schlimm, wenn man sich nicht für jeden Teil des gewünschten Menüs in eine andere Schlange stellen müsste. Und die sind naturgemäß gar nicht so kurz.

Die Kundschaft, die sich in den - so seine Bezeichnung - "pseudomediterranen Sättigungsfabriken" herumtreibt, beschreibt er als "Menschen, die sich zu fein für McDonald's (Plant derzeit einen Schwenk vom Selbstbedienungs- zum Bedienungsprinzip, Anm. d. Red.), aber zu geizig für anständige Restaurants sind."

Befriedigt Vapiano das Stockholmsyndrom seiner Besucher?

Ob das daran liegt, dass viele Gäste schon den Besuch bei Vapiano als gesellschaftliches Highlight ansehen, oder vom Sog ihrer "stockholmsyndromartigen" Kantinengewohnheiten nicht herunterkommen, lässt Beisenherz offen. Vapiano hat es jedenfalls geschafft, für die Jungen und Erfolgreichen eine Art Place to be zu werden.

Zwar macht Beisenherz auch klar, dass es in vielen italienischen Restaurants nicht mehr die große Originalität gebe, doch die Systemgastronomie, dessen Name übersetzt so viel wie "geh langsam" heißt, ist für ihn in etwa so anziehend wie die Reinigung des "Hinterausgangs vom Frankfurter Hauptbahnhof – mit der Zunge".

User: "Urbayerisches Lokal"

In den sozialen Netzwerken rufen die Kolumne und die Restaurantkette an sich gemischte Reaktionen hervor. So kommentiert auf der Facebook-Seite der tz ein User ironisch "ein urbayerisches gemütliches Lokal - da muss man hin", während ein anderer ganz lapidar schreibt: "Gute Nudeln ess ich woanders". Unter dem Artikel des Stern finden sich einige Fans der Gastronomie: "Mir schmeckt es da", schreibt ein User, während ein anderer den Artikel als "geschmacklos" bezeichnet. Ein Großteil der Kommentare spiegelt allerdings die Leitmotive der Kolumne wieder. "Ich war einmal dort essen und hatte so schlechte Laune, dass ich dorthin nie wieder gehe. Erst mal das ewige Warten, dann hatten sie die Hälfte dessen, was ich essen wollte, nicht da und dazu noch diese ganzen Wir-sind-was-besseres-Menschen. Geschmacklich war es jetzt auch nicht der Burner...", wird dort beispielsweise kommentiert.

Woher der Hass von Beisenherz auf Vapiano kommt, ist nicht klar. Vielleicht musste er auch nur ein paar Mal zu lange in der Schlange stehen. Doch ganz Unrecht hat er mit vielen seiner Kritikpunkte wohl nicht. Das Publikum des "Laminat-Imitats unter den Restaurants" erinnert verdächtig an das von Starbucks, L'Osteria oder Dean & David – allesamt bekannt für ihre Schlangen-Probleme.

Die größten Shitstorms

Nestlé: Für großes Aufsehen sorgte ein Shitstorm im Jahr 2010, dessen Triebfeder die Umweltschutz-Organisation Greenpeace war. Greenpeace kritisierte die Verwendung großer Mengen von Palmöl bei der Produktion von Nestlés KitKat. Die Lebensräume von Orang-Utans würden dadurch zerstört. Angestossen wurde das Ganze mittels einer Social-Media-Kampagne mit schockierenden YouTube-Videos. Diese verbreiteten sich rasend schnell. Nestlé wollte daraufhin das Video verbieten, indem gewisse Fanseiten abgeschaltet wurden. So wollte man der Diskussion entkommen. Das genaue Gegenteil passierte. Die Aufmerksamkeit nahm sogar noch zu und das Video verbreitete sich noch schneller im Netz. © dpa
O2: 2011 beschwerte sich ein Blogger wegen Netzproblemen bei dem Mobilfunkanbieter. Als Antwort bekam er, dass es sich dabei lediglich um einen Einzelfall handele. Im Anschluss startete der Shitstorm in Form der Aktion: „Wir sind Einzelfall“. Tausende Betroffene meldeten sich. O2 gab zu, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handele und versprach, sein Netz auszubauen. © dpa
Schlecker: Auch die insolvente Drogeriemarktkette wurde bereits mit einem Shitstorm konfrontiert, nachdem sie 2011 einen neuen Werbeslogan etablieren wollte. For You. Vor Ort – hieß der Slogan, der eine besondere Nähe zum Kunden herausstellen sollte. Der Shitstorm brach los, als ein Unternehmenssprecher ungeschickt auf Kritik reagierte. Er sagte, dass das Motto den durchschnittlichen Schlecker-Kunden anspreche. Und zwar Menschen mit niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau. Empörte Reaktionen waren die Folge. © dpa
ING-DiBa: Auslöser war ein weithin bekannter Werbespot mit Basketball-Star Dirk Nowitzky. In einem seiner Reklamefilmen verputzte der Würzburger in einer Metzgerei eine Scheibe Wurst: Ein absoluter Skandal für viele Vegetarier und Veganer. Also lösten sie 2011 einen Shitstorm aus, indem Sie die Facebook-Seite der Bank mit zahllosen kritischen Posts zum Fleischkonsum überfluteten. Besonders interessant an diesem Shitstorm: Viele Kunden solidarisierten sich mit der ING-DiBa und kritisierten den aggressiven Ton und anmaßende Kommentare der Provokateure. In der Folge drehte der Shitstorm und entlud sich auf dem Erzeuger. © dpa
Deutsche Bahn: Das Unternehmen erlebte ebenfalls die Macht der Internet Community, als sie im Herbst 2010 ein Chef-Ticket für 25 Euro anbot, mit dem man durch ganz Europa reisen konnte. Verkauft wurden die Fahrkarten über eine Facebook-Seite. Was die Bahn nicht bedacht hatte: Die Besucher des Profils nutzten die Plattform nicht nur zum Kauf des Tickets, sondern auch, um ihren Ärger über verspätete Züge, defekte Technik oder Stuttgart 21 Luft kundzutun. Der Fehler der Bahn im Umgang mit der Entrüstung: Während des Shitstorms fehlte es an jeglicher professionellen Moderation und Mediation. Für die Deutsche Bahn war die Geschichte ein riesiges PR-Debakel. © dpa
Instagram: Neue Nutzungsbestimmungen, mit denen die Kunden des Online-Fotodienstes Instagram nicht einverstanden waren, brachten dem Unternehmen im Dezember 2012 einen Image-Schaden und einen Shitstorm ein, der sich gewaschen hatte. Instagram wollte ungefragt Bilder von Nutzern ohne Honorar verkaufen. Die Konsequenz: Ein Sturm der Entrüstung. Am Ende lenkte Instagram ein. © dpa
Vodafone: Macht hat im Internet auch der Einzelne. Eine Kundin löste im vergangenen August einen Shitstorm aus und trieb so einem Weltkonzern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Frau war vom Vodafone-Kundenservice enttäuscht und tat dies auf der Facebook-Seite des Unternehmens kund. Innerhalb kürzester Zeit klickten über 100.000 Nutzer „gefällt mir“ und berichteten ihrerseits von Problemen mit dem Mobilfunkanbieter. © dpa
Tagesschau: Zu den Protesten gegen die Sparpolitik in Spanien im September 2012 berichtete die Tagesschau kein Wort. Darüber beschwerten sich schließlich Leser bei der Redaktion. Diese verhielt sich jedoch reichlich ungeschickt. Man sei unabhängig, auch von Shitstorm-Aktivisten. Mit dem Hinweis: “Liebe Fans der Facebook-Seite der Tagesschau, in Madrid finden zur Zeit Proteste gegen die Sparpolitik der Regierung statt. Ein ARD-Team ist vor Ort, auch Tagesschau.de wir darüber in Kürze berichten. Wer bereits zuvor schon seine Meinung dazu los werden möchte, kann dies hier tun, wir bitten darum, den Shitstorm unter den anderen Threads zu beenden, vielen Dank!” sollte dem Shitstorm ein schnelles Ende bereitet werden. Doch weit gefehlt. Eine Falschmeldung über die Anzahl der Protestler erzeugte eine erneute Welle der Empörung, die erst langsam wieder abflaute. © dpa
Samsung: Als besonders witziges Beispiel wird wohl der Shitstorm den Samsung 2012 heraufbeschworen hat, in die Geschichte eingehen. Der Technologiekonzern fragte auf seiner US-Fanseite bei Facebook: „Welches elektronische Gerät würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Die amüsante Antwort: „Das Iphone 5“ oder zumindest irgendein Smartphone des Rivalen Apple. Was in der Umfrage jedoch kaum vor kam, waren Samsung-Geräte. Fast 12.000 Kommentatoren beantworteten die Frage, 45.000 Menschen drückten die „like“ Taste. Pfiffige Markenwerbung sieht anders aus. © dpa
Michael Wendler: Einer der wahrscheinlich größten Fälle drehte sich im vergangenen Jahr um Schlagersänger Michael Wendler Über 700.000 Facebook-Mitglieder sprachen zur Spitzenzeit über den erfolgreichen Sänger. Die Seite wurde sogar zeitweise vom Netz genommen. Es handelte sich um eine Anti-Wendler-Kampagne, in Folge einer Fernsehsendung, in der es um einen Streit des Sängers mit zwei weiblichen Fans ging, die am Ballermann ein Café mit seinem Namen eröffnet hatten. Wendler soll dafür angeblich Geld von den Damen verlangt haben. © dpa
Teldafax: Schlechte Kundenkommunikation führte bei Teldafax 2011 zu einem gesalzenen Social Media Desaster. Das Unternehmen wies seine Kunden auf der firmeneigenen Facebook-Präsenz darauf hin, dass die Seite „echt nicht der geeignete Platz für Beschwerden und Kundenanliegen“ sei. Die wiederum fanden diesen Kommentar alles andere als lustig, machten genau das Gegenteil und traten eine Shitstorm-Welle los. © dpa

bix

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