Tipps für Genießer

Es müllert wieder: Ausgezeichnete Weißweine

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Im Restaurant Huber gibt's leckeren Weißwein aus dem Trentino.

Der Müller-Thurgau war lange verpönt, jetzt ist er wieder im Kommen. Die tz hat Gastronomen nach ihrem Tipp gefragt und je einen Einkaufstipp dazugestellt.

Es gab Zeiten, da haben Weinfreunde Flaschen mit Müller-Thurgau nur mit spitzen Fingern angefasst – um sie irgendwo hinzuräumen. Das war der Tiefpunkt einer großen Karriere. Die hatte Ende des 18. Jahrhunderts im Rheingau begonnen, wo der Schweizer Hermann Müller an der Forschungsanstalt Geisenheim mit Rebsorten experimentierte. Er brachte Rebstöcke mit zurück in seinen Heimatkanton Thurgau, wo er sie auspflanzte. Die ersten deutschen Reben des erfolgreichen Versuchs wurden 1925 über den Bodensee geschmuggelt und heimlich gepflanzt.

Dank seiner vergleichsweise geringen Ansprüche an Boden und Klima setzte er zu einem unvergleichlichen Siegeszug an und wurde in den 1970er-Jahren die meistangebaute Rebsorte Deutschlands, was sich als verhängnisvoll erweisen sollte. Dünn wurden die Weine, beliebig und fad.

Doch die Vorlieben verändern sich, nach der Chardonnay- und Barrique-Euphorie der Jahrtausendwende gerieten wieder leichte, spritzige Weine in den Fokus, die auch beim zweiten Glas noch Spaß machen. Und das kann der Müller-Thurgau, wenn die Winzer es auch wollen. Niedrige Erträge, frühere Ernte, um die Frische zu erhalten, manchmal ein Hauch früher verpönter Kohlensäure. Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahren – und plötzlich müllert es wieder in den Gläsern.

2013 Müller-Thurgau, Randersackerer Marsberg, Arnold

Ganz Franken ist Müller-Thurgau-Land. Hier ist er mengenmäßig die Nummer eins und das mit überzeugenden Qualitäten: frisch und ansprechend, dabei durchaus mit Substanz, so wie der Randersackerer Marsberg vom Spitzenweingut Arnold, den Robert Zeller von Geisel’s Vinothek empfiehlt (0,1 l 3,50 Euro). ★

Geisel’s Vinothek

Schützenstr. 11, ­Innenstadt

Tel. 089/55 13 77 140

Mo. bis Sa. 12 bis 14.30 Uhr, So. 18 bis 1 Uhr

2011 Müller-Thurgau „S“, Horst Sauer, Franken

Horst Sauer ist ein Zauberer unter Frankens Winzern. Er ist weltbekannt für seine edelsüßen Weine, aber auch mit seinen trockenen steht er ganz vorne. „Mit seinem Müller-Thurgau S zeigt er, dass Weine aus der Sorte auch reifen können“, erklärt Marion Bruckner von der Kork Weinbar, die diesen bemerkenswerten Wein auch glasweise ausschenkt (0,1 l 4,80 Euro). ★

Kork Weinbar

Angertorstr. 4, Isarvorstadt

Telefon 20 97 30 32

Montag bis Samstag geöffnet ab 15 Uhr

2013 Müller-Thurgau Hofgarten, Freiherr von Gleichenstein, Baden

Am Kaiserstuhl stehen die Reben des Weinguts Freiherr von Gleichenstein. Trotz des ausgesprochen warmen Klimas gelingt es Johannes Freiherr von Gleichenstein einen frischen und beschwingten Müller-Thurgau zu keltern. Er duftet nach tropischen Früchten und zart nach Muskat. Passt zu sommerlicher Küche mit Salat und Gemüse. Und zu Spargel. Doch bis der wieder Saison hat, ist der Wein garantiert ausgetrunken … ★

6,99 Euro bei Galeria Gourmet, Kaufhof am Marienplatz, Tel. 089/23 18 53 19

2014 Müller-Thurgau, Trentino, Pojer & Sandri

Auch ganz oben in Italien wächst Müller-Thurgau, im Cembra-Tal (Trentino). Mit alpiner Frische, knackig und würzig kommt der Müller von den Trentiner Top-Winzern Mario Pojer und Fiorentino Sandri ins Glas (0, 1 l 4,80 Euro). Und das nicht als Aperitif, sondern auch zu leichten Vorspeisen aus der feinen Küche von ­Michael Huber. ★

Restaurant Huber

Newtonstr. 13, Bogenhausen

Tel. 089/98 51 52

Di. bis Fr. 11.30 bis 14.30 Uhr und 18.30 bis 24 Uhr,

Sa. 18.30 bis 1 Uhr

Jossi Loibl

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