Schlaraffenland oder Servicewüste

Top oder Flop? 5 Dinge, woran unsere Foodbloggerin in der Regel ein gutes Restaurant erkennt

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Bianca Murthy kennt sich aus beim Thema „gute Restaurants“.

Die Auswahl an Restaurants in München ist riesig - und damit auch die Unsicherheit beim Gast. Damit der nächste Restaurantbesuch ein kulinarischer Genuss wird, gibt unsere Foodbloggerin Tipps, woran Sie ein gutes Lokal erkennen.

Eine Frage, die ich am häufigsten gefragt werde: „Bianca, wie oft gehst Du denn in der Woche eigentlich zum Essen?“ Die Antwort: „Täglich mindestens einmal, eher zweimal.“ und da dem schon seit vielen Jahren so ist, habe ich natürlich ganz automatisch ein gutes Gefühl dafür entwickelt, wo ich denn da überhaupt jeweils gelandet bin. Ganz klar entscheiden diverse Kriterien – und viel mehr als folgend genannt – darüber, ob ein Restaurant gut oder weniger gut ist, sprich, ob ich wieder komme oder nicht. Die folgenden fünf Punkte allerdings geben einem schon ein relativ gutes „Gesamtgefühl“ für eine Gastronomie, wie ich finde.

1. Direkte Begrüßung beim Reinkommen und Platzieren am Tisch

In München gibt es einige Restaurants, die euch, noch bevor beide Füße über der Schwelle sind, ein freundliches und (nicht zu) lautes „Grüß Gott!“, „Servus beinand!“ oder auch „Buongiorno!“ gen Eingangstür entgegen rufen. Das zeugt direkt vor dem Platznehmen von aufmerksamem Service und einem „willkommen sein“-Gefühl, wie ich finde. Man weiß sofort: Ach super, ich wurde also schon mal registriert.“ - Gerade in trubeligen Restaurants oder zu Stoßzeiten, wenn viel los ist, ist das nicht immer vorauszusetzen bzw. wird auch gerne mal ein Schild mit „Sie werden platziert. Bitte warten.“ aufgestellt und dann steht man eben erst mal ein wenig und wartet. Nicht schlimm, dennoch ist so ein „Grüß Gott!“ als Zeichen sehr positiv. 

2. Fragen zur Speisekarte können beantwortet werden

Ganz klar, ein Servicemitarbeiter ist ein Servicemitarbeiter und kein Koch, dennoch mag ich es, wenn mir diese(r) an meinem Platz Fragen zu den Gerichten auf der Karte beantworten kann. Vielleicht nicht direkt sowas wie, mit welchem Siphon der Espuma hergestellt oder wie lange die Jus angesetzt wurde; woher aber beispielsweise das Fleisch kommt, ob in einem Salat Erdnüsse oder Cashews sind oder man die Sauce zum Braten separat bekommt, sollte schon drin sein. Ein gutes Lokal zeichnet für mich also auch aus, dass das Personal weiß, was hinterm Herd passiert und eben zumindest – ja nach Restaurant-Genre und -Liga – beantwortet werden kann, was man als Gast wissen möchte. In der Gourmet- und Sterneküche natürlich üblich.

3. Natürlich an der Speisekarte selbst

Mein Lieblingsbeispiel dafür: Ich war mal ziemlich hungrig, es war sehr spät und ich auf dem Land - weit und breit nichts Essbares, nur ein (vermeintlich) indisches Restaurant mit dem Namen „Bella India“. Das „Bella“, wie ich dann erfuhr, stand für die Kategorie „Pizza“ auf der Karte, „India“ für drei bis vier (halbwegs) indische Kreationen und der Bestseller waren Burger und Pizza. Nudeln waren aber auch da. Steaks auch und einen Kaiserschmarrn hätten sie mir auch gemacht. Eine Speisekarte siegt für mich ganz klar in Sachen „Klasse“ (nicht „Masse“) und sollte einen „roten Faden“ haben. Ein wenig Entscheidungsfreude vorausgesetzt, finde ich Speisekarten, welche uns als Gast die Möglichkeit geben auszuwählen, aber dennoch nicht mit der Dicke eines Telefonbuchs konkurrieren, am besten - dann ist das Gefühl, dass der Koch weiß, was er da tut, auch automatisch eher gegeben.

4. Flexibilität für den Gast (Gerichte mitnehmen | Allergien)

Ich habe es schon mehrfach erwähnt, natürlich muss ein guter Gastronom wirtschaftlich denken und kochen. Dass der Wechsel einer Beilage mal mit 1 bis 1,50 Euro angesetzt oder auch das Teilen von Hauptgerichten unter zwei Gästen berechnet wird, finde ich in Ordnung. Wenn aber absolut keine Flexibilität mir als Gast gegenüber gezeigt wird, im Sinne von „das steht da so auf der Karte, das geht nur ganz genau so!“, dann bin ich ein wenig enttäuscht. Im Rahmen des Möglichen, finde ich, sollte eine gewisse Flexibilität geboten sein. So beispielsweise das Angebot, dass ich den Rest meiner Speise mitnehme, wenn ich es nicht geschafft haben sollte oder auch einzelne Zutaten weggelassen oder ersetzt werden, wenn Allergien oder Unverträglichkeiten vorliegen. Klassiker: „Haben Sie noch was von dem dunklen Brot da?“ - „Nein, da bekommt jeder Tisch nur zwei Scheiben.“ - Setzen sechs. Auch Argumente gegenüber dem Gast wie „Wissen`s wenn ma da einmal anfangen, kommen alle und wollen mehr Brot!“, sind Schwachsinn, denn zeigt im Endeffekt auch nur das unflexible und wenig gastorientierte Denken. Ziel muss es doch „einfach“ sein, dass ich wieder komme, oder?

5. Freundlichkeit auch, wenn etwas nicht passt. Und Verabschiedung

Ich zähle mich ohne Scheu zu jener Gruppe, die Trinkgeld als eine„zusätzliche Leistung, wenn ich zufrieden war“ ansieht. Das fällt dann gerne auch mal über den üblichen 10% aus, war ich das aber nicht, dann fällt es auch mal ganz aus. Zieht dann der Servicemitarbeiter ein Gesicht oder schmeisst mir gar ohne Abschiedsgruß das Rückgeld auf den Tisch, werde ich ungemütlich. „Wer zahlt, schafft an“ muss ja nicht gleich sein, aber ein wenig „Kunde - König“ hätte ich dann doch noch gern. Unter 50 Euro geht man ja dann zu zweit doch eher selten aus einem Restaurant in München und so möchte ich beständige Freundlichkeit, auch wenn ich beispielsweise das Essen kritisiert habe oder eben ehrlich sage, dass mir etwas nicht gefallen/geschmeckt hat. Wird da „zurück gestänkert“, streiche ich die Gastronomie von meiner Liste. Dazu zählt im Übrigen auch eine freundliche Verabschiedung mir gegenüber.

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