So ein Käse

Müssen die Wirte bald für die Kontrollen der Obazden zahlen?

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Es gibt aktuell Pläne aus der Politik, wonach Wirte für die Kontrollen ihrer Obazden zahlen müssen. Das wollen die Betroffenen so nicht hinnehmen.

Da langt man sich doch ans Hirn“, schimpfen Bodo Meinsen und Franz Bergmüller vom Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK). „Da werden nicht nur uralte Rezepte aus Omas Küche infrage gestellt, sondern auch noch mit Gebühren belegt.“ Meinsen redet von Käse – beziehungsweise vom großen Käse-Streit, der derzeit den Wirten stinkt!

Denn: Der Obazde könnte bald von etlichen regionalen Speisekarten verschwinden – zumindest dem Namen nach. Hintergrund: Die Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft hat den Obazden bei der EU-Kommission als „geografisch geschütztes Produkt“ eintragen lassen. Das heißt auch: Künftig darf man nur noch Obazden als „Obazde“ verkaufen, der nach einer ganz bestimmten Rezeptur hergestellt wird (siehe Kasten). Außerdem sollen sich alle Wirte, die die bayerische Spezialität anbieten, jährlich kontrollieren lassen und dafür 300 Euro zahlen – so der Plan, der derzeit diskutiert wird.

„Wer essbare Kulturgüter produziert, wird vom Staat kontrolliert“, sagt Meinsen. Das sei weder neu noch besonders verwerflich. Schwierig werde es nur, „wenn sich die Vernunft mit der Gier vermischt“, so Meinsen. Damit spielt er auf den Preis für die Kontrolle an…

Weil sich viele Wirte von der Politik nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Käse-Butter-Mischung zubereiten, streichen sie das bayerische Schmankerl entweder ganz aus ihrem Sortiment oder benennen es um: So heißt er im Tegernseer Bräustüberl nicht mehr Obazde, sondern „Bräubazi“. Andere Wirte greifen zu Fantasienamen wie „Durchdrahda“.

Im September will der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) mit Politikern über die Höhe der Kontrollgebühr beraten. Außerdem soll dann auch die Entscheidung darüber fallen, ob die Wirte ihren Obazden künftig in ein Labor einschicken müssen oder ob der „Käse-TÜV“ direkt bei ihnen im Restaurant oder Biergarten vorbeischaut.

Sollten diese Verhandlungen zu Ungunsten der Wirtsleute ausfallen, dann wäre der Obazde der erste Fall, in dem Wirte echte Probleme wegen eines markenrechtlich geschützten Produkts haben.

Bleibt abzuwarten, wie lang’s dauert, bis der Kas bissn is.

Das sagen die Wirte zum Käse-Plan

Der Name bleibt

Gerhard Rieder (52), Chef des Wirtshauses am Rosengarten, muss sich über die neue Verordnung keine Gedanken machen. Schließlich lässt der 52-Jährige seinen Obazden von einem regionalen Feinkostunternehmen liefern. „Wir beziehen mehrere 100 Kilo im Jahr – so viel könnten wir selbst gar nicht herstellen“, so Rieder. Ob sich seine Gäste künftig auf einen Fantasienamen einstellen müssen? „Nein, da bin ich mir sicher.“

Gar nicht glücklich

„Überhaupt nicht glücklich“ über die neue Verordnung ist Johann Eichmeier (58), Chef des Königlichen Hirschgartens. „Wir werden uns auf jeden Fall um einen anderen Namen bemühen“, verrät Eichmeier. Wie der lauten wird und ab wann das bayerische Schmankerl mit neuem Namen über die Theke wandert, steht noch nicht fest. „Wahrscheinlich aber schon im Laufe der kommenden vier Wochen...“

Totaler Unsinn

Obwohl Werner (li.) und Dieter Hochreiter (49) ihren Obazden nicht selbst herstellen, sondern ebenfalls von einem regionalen Feinkost-Unternehmen beziehen, sehen die Biergartenchefs (Viktualienmarkt) in der neuen Verordnung „keinen Sinn“. Ganz im Gegenteil. „Dass alles immer paragrafenlastiger wird, macht uns das Leben als Gastronomen nicht leichter.“

Ein guter Obazde: Das muss rein ins „essbare Kulturgut“

So gschmackig und so guad – kaum zu glauben, dass der ­Obazde früher nicht viel mehr war als ein Resteessen. Denn: Um den alten Camembert wieder schmackhaft zu machen, haben ihn unsere Uromas mit etwas Butter vermengt, Gewürze dazugegeben und alles mit einer Prise Paprikapulver und ein paar Zwiebeln verfeinert. So richtig bekannt wurde der Obazde allerdings erst später, als ihn die Wirtin Katharina Eisenreich im Weihenstephaner Bräustüberl (Freising) angeboten hat.

Jetzt hat die Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft den Obazden bei der Europäischen Kommission als sogenanntes essbares Kulturgut eintragen lassen. Verärgerte Zungen behaupten indes, die Verordnung mache den Obazden damit auch zum Einheits-Baz. Denn: Wer seinen Obazden weiterhin unter eben diesem Namen anbieten möchte, der muss sich einer kostenpflichtigen Kontrolle unterziehen. Die stellt dann unter anderem auch fest, ob genau die vorgegebenen Zutaten drin sind. Ganz konkret heißt das: Der Obazde muss gemäß Vorgabe der Europäischen Kommission mindestens 40 Prozent Brie und/oder Camembert enthalten. Daneben sind Butter, Salz und Paprikapulver erforderlich sowie wahlweise auch Zwiebeln, Kümmel, Milch, Rahm und Bier.

Das Problem der Wirte: Bei anderen markenrechtlich geschützten Produkten wie Würsten ist der Hersteller gegenüber der EU in der Pflicht – also etwa eine Metzgerei, die zuliefert. Beim Obazden gilt aber der Wirt als Hersteller… Und andere Speisen wie etwa Kartoffelsalat genießen nicht den Status eines essbaren Kulturguts, sind also von solchen EU-Kontrollen nicht betroffen.

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