Lagern, Keltern, Brennen

Obsternte: Wohin mit dem Früchtesegen?

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Reife Früchte, soweit das Auge reicht. Äpfel die eingelagert werden, sollte man direkt vom Baum ernten. Nur dann besteht eine Chance, dass sie bis ins kommende Jahr hinein ein Genuss bleiben.

Selten einmal bogen sich die Äste von Apfelbäumen so sehr unter dem Gewicht der Früchte wie in diesem Jahr. Doch auch andere Früchte gibt es reichlich. Viele wissen nicht mehr, wohin mit der Pracht.

Die Nachbarn sind schon versorgt, die entfernten Verwandten auch. Und doch nimmt der Früchtesegen im Garten kein Ende. Den Obstkuchen, der jedes Wochenende frisch aus dem Ofen auf den Tisch kommt, rührt keiner mehr an. Höchste Zeit, darüber nachzudenken, was man mit den Früchten sonst so machen kann.

Lagern

Nicht jede Obstsorte eignet sich dafür. Doch wer einem Boskop-Apfelbaum im Garten hat oder einen Topaz, kann bis weit in den Winter hinein Obst frisch erhalten. Direkt vom Baum ernten und kühl und dunkel lagern. Nicht gemeinsam mit Gemüse. Das Obst scheidet Ethylen aus, ein Gas, das Tomaten zunächst schneller nachreifen lässt und dann verdirbt. Obst soll unbedingt auch von Kartoffeln und Gurken getrennt lagern.

Konservieren

Wie viel Marmelade braucht der Mensch? Wenn die Beerenernte im Sommer schon Brotaufstrich für mehrere Jahre geliefert hat, ist es wenig sinnvoll, massenweise Quittengelee oder Zwetschgenmus einzuwecken. Kompott oder Apfelmus wären eine Alternative, einen Großteil der Vitamine in den Winter zu retten. Obst lässt sich nicht nur süß verarbeiten. Pikante Chutneys etwa sind ein idealer Begleiter beispielsweise für würzigen Käse oder fürs Fondue. Eine weitere Möglichkeit der Konservierung ist es, Obst zu trocknen. Dazu braucht man keinen Dörrapparat, auch das Backrohr (60 bis 70 Grad, Ofentür einen Spalt geöffnet) liefert gute Ergebnisse.

Saft pressen

Man muss den Geschmack des Safts aus dem eigenen Obst kennen, um trotz des angelieferten Rohstoffs Preise zu akzeptieren, die über dem liegen, was Discounter für ihre Safttüten nehmen. Die meisten Safthersteller nehmen Obst entgegen. Nicht alle liefern dann aber wirklich nur den Saft aus dem eigenen Garten. Einige fordern auch Mindestmengen. Angeschlagene Äpfel sollte man auf keinen Fall hinbringen. Und wichtig ist: Vorher Termin vereinbaren.

Hier einige Adressen in Oberbayern:

  • Stocki’s Press- und Abfüllservice, Haag (Kreis Freising). Telefon: 08167/6793, E-Mail: info@stockis-saftpresse.de
  • Mosterei Graßl, Nörting (Kreis Freising). Äpfel, Birnen und Quitten. Telefon: 08166 / 5545, E-Mail: info@ mosterei-grassl.de
  • Kelterei Götschl in Markt Indersdorf(Kreis Dachau). Telefon: 08136 / 337, E-Mail: info@kelterei-goetschl.de
  • Gartenbauverein Adelshofen (Kreis Fürstenfeldbruck). Telefon: 0175 / 4583709
  • Obst und Gartenbauverein Herbertshofen (Kreis Augsburg) Telefon: 08271 / 40555. - Monika Greithanner, Baiern-Kleinesterndorf (Kreis Ebersberg). Telefon: 08093/ 904718
  • Mosterei Schweyer, 82387 Antdorf (Kreis Weilheim-Schongau) Telefon: 08856 / 802677.

Brennen

Nicht alle, aber viele Hersteller von Obstbränden nehmen auch angeliefertes Obst. Und viele setzen dabei auf „Naturalientausch“, wie Andrea Westenthanner, vom Südostbayerischen Verband der Obst- und Kleinbrenner sagt. Das heißt, es gibt für große Mengen Obst ein bisschen Hochprozentiges.

Regional vermarkten

Eine weitere Möglichkeit, überschüssiges Obst zu verwerten: Das Netzwerk „Unser Land“ ruft jedes Jahr im Herbst in verschiedenen bayerischen Landkreisen zu einer Streuobstsammlung auf. Aus dem Obst werden Unser-Land- Säfte gepresst und verkauft. Das Obst darf nicht mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein. Es muss von Streuobstbäumen stammen und auch aus dem jeweiligen Landkreis kommen. Der Ankaufpreis je 100 Kilo Streuobst liegt bei 17 Euro (bei eigener Anlieferung). Die Sammlung läuft noch bis 24 Oktober.

von Martin Prem

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