Zu viel Bier?

Supermärkte schmeißen Bier aus den Regalen

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Muss der Weltrekordversuch im Maßkrugtragen bald mit Apfelschorle ausgetragen werden?

Es herrscht Katerstimmung im Bierparadies Deutschland. Ein Jahr nach dem Jubiläum des Reinheitsgebotes sinkt der Absatz weiter und die Händler ziehen die Reißleine.

In letzter Zeit kann sich der Verbraucher kaum noch vor neuen Biersorten retten. Jede Brauerei will mit immer neuen Craftbieren, Kellerbieren, Sonderabfüllungen und Co. den Bierkonsum der Deutschen ankurbeln. Diese Mühe stößt aber immer mehr an ihre Grenzen.

Es ist ein besorgniserregender Trend, der Bierliebhabern leider schon seit 30 Jahren leise in ihre Bierkrüge weinen lässt: Die Nachfrage nach Bier sinkt.

Und trotzdem: "Gegenwärtig gibt es in Deutschland mehr als 1400 Brauereien und über 6000 Biermarken, und es werden von Monat zu Monat mehr", sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbundes laut Bild.

Der Handel hat die Nase voll

Im Inland verkauften die deutschen Brauer im ersten Halbjahr ein Prozent weniger Bier, der Export brach sogar um sechs Prozent ein, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

"Weizen, Pils und Export verlieren Marktanteile - Hell- und Spezialitätenbiere legen zu", sagt Marcus Strobl, Bierexperte beim Marktforscher Nielsen. "Die Konsumenten kaufen insgesamt weniger Bier, aber sie haben Lust auf etwas Neues."

Für Helles oder Spezialitäten sind die Deutschen bereit, auch mehr als 15 Euro für eine Kiste Bier zu zahlen. Deshalb haben viele große und auch regionale Brauereien reagiert und ihr Angebot stark ausgeweitet.

Daraus ergibt sich die paradoxe Situation, dass die Vielfalt im Biermarkt zunimmt, aber der Handel kaum Kapazitäten hat, alle Sorten unterzubringen. "Nicht alles kann ins Regal. Da wird es voraussichtlich in nächster Zeit eine Konsolidierung geben", meint Strobl. "Wir beobachten bereits, dass die Anzahl der Biermix-Produkte im Handel zurückgeht."

Kennen Sie diese unglaublichen Bier-Tricks?

Alkoholfreies Bier immer beliebter

Früher allgemein verpönt hat alkoholfreies Bier einen enormen Imagewandel durchgemacht. Die Nachfrage steigt und das Angebot ist auf mehr als 400 Marken angewachsen, so Eichele. Dazu kommen Hunderte Craft-Bier-Marken, die ebenfalls um einen Platz im Handel buhlen - auch wenn ihr Marktanteil noch unter einem Prozent liegt.

Brauerei sucht dringend Biertrinker - 140.000 Flaschen müssen weg

Wiesn-Maß kostet bis zu 10,95 Euro

Auf dem Münchner Oktoberfest kostet die Maß derzeit bis zu 10,95 Euro. Auch übers Jahr müssen die Oberbayern am tiefsten in die Tasche greifen. Im Handel zahlen sie im Durchschnitt 1,49 Euro. In der Region Dresden dagegen ist der Liter im Durchschnitt schon für 1,07 Euro zu haben.

Der durchschnittliche Bundesbürger hat im vergangenen Jahr "nur" noch 104 Liter Bier getrunken. "Allein wegen der demografischen Entwicklung und des wachsenden Wettbewerbsdrucks werden sich Brauereien in den kommenden Jahren tendenziell auf sinkende Absatzzahlen einstellen müssen", sagt Eichele.

Na Prost!

ante

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Die seltsamsten Biersorten der Welt

 

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