tz-Biergartenserie

Er ist der Erste im Hofbräukeller

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Heinrich Theuermann ist Stammgast im Hofbräukeller.

München - Heinrich Theuermann ist Stammgast im Hofbräukeller. Seit einem Unfall trinkt er kein Bier mehr, aber er hat einen guten Ersatz gefunden.

Als sich der Ast in seinen Schädel bohrt, passiert etwas in Heinrich Theuermanns (64) Kopf: Fortan mag er kein Bier mehr. Der Elektriker hat im Januar 2014 einen Arbeitsunfall.

Er stolpert über einen mit Laub bedeckten Ast, stürzt. Eine Holzspitze steckt im Kopf, die andere im Auge. Theuermann überlebt, wird operiert, kommt wieder auf die Beine. Seine Mittage verbringt er traditionell im Hofbräukeller – aber statt Bier gibt’s heute Wein.

Wenn Theuermann in den Hofbräukeller kommt, grüßen ihn die Kellner mit Namen. Es genügt ein dezentes Nicken, schon steht eine Weinschorle auf dem Tisch. Theuermann, weißes Haar, starker Händedruck, Kärntner Mundart, ist Stammgast. Sieben Tage die Woche ist er im Hofbräukeller.

Sechs davon allein, am Samstag begleitet ihn seine Frau. Mittlerweile gehört er zum Inventar. Warum? „Da gibt’s nicht viel zu erklären. Mir gefällt’s hier einfach!“ Kein Wunder: Mit seiner Ruhe, seinen Bäumen, seiner Gemütlichkeit ist der Biergarten ein Schatz am geschäftigen Wiener Platz.

Der selbstständige Elektriker Theuermann arbeitet seit seinem Unfall nur noch vormittags. „Ich fang um sechs Uhr an, ab elf sitz ich hier. Zwei Stunden lang.“ Dabei beobachtet er die Leute, die ein und aus gehen, sein Stammplatz ist gleich bei der Tür.

Wenn er Besuch hat, setzt er sich mit seinen Gästen gerne in den Biergarten. „So etwas gibt es bei uns zu Hause nämlich nicht“, sagt der gebürtige Kärntner. Weihnachten hat er in der österreichischen Heimat verbracht, an Heiligabend gönnte er sich das erste Glaserl seit langer Zeit.

Als er nach dem Unfall plötzlich keine Lust mehr auf Bier hatte, bestellte er einen „Wein- Spritzer“ – und blieb dabei. So steigt Theuermann nun jeden Tag in die Tram und fährt zum Wiener Platz. „Ich war nach dem Unfall jeden Tag daheim. Ich muss einfach raus, sonst werd’ ich narrisch!“

Heute nippt er an seiner Weinschorle. „Schmeckt wunderbar. Und meinen Bierbauch bin ich auch los.“

Mehr Infos zum Hofbräukeller gibt's hier.

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