Neun Kerzen für die Opfer des Amoklaufs

"Liebe ist stärker": München trauert bei Gedenkgottesdienst

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Viele Trauernde kamen am Sonntag zum Gedenkgottesdienst in die Frauenkirche.

München - München trauert um neun Menschen, erschossen bei einem Amoklauf im und am OEZ. In einem Gedenkgottesdienst in der Frauenkirche gedachten auch Bundespräsident Gauck und Kanzlerin Merkel den Opfern.

Neun Kerzen sind es. Hell leuchten sie in der Frauenkirche auf dem Kranz, der während des Gottesdienstes mit roten, pinken und gelben Rosen geschmückt wird. Sie leuchten für die Menschen, um die ganz München trauert.

Neun Menschenleben hat der Amokläufer Ali David S. († 18) am Freitag vor einer Woche im und am OEZ ausgelöscht. Dann richtete er sich selbst. Eine ganze Stadt, ein ganzes Land befand sich im Schockzustand. 

Beim ökumenischen Gedenkgottesdienst am Sonntag in der Frauenkirche trauerten unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck (76) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (62, CDU) mit den Angehörigen der Opfer - begleitet von einem hohen Polizeiaufgebot (300 Beamte).

Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (67, CSU), OB Dieter Reiter (58, SPD), Alt-OB Hans-Jochen Vogel (90, SPD) und Bürgermeister Josef Schmid (46, CSU) kamen. 

Doch vor allem die Münchner Bürger sind es, die den Gottesdienst zu etwas Besonderem machen. Unter ihnen auch bekannte Gesichter wie das von Entertainer Thomas Gottschalk (66). Schon bald gibt es keine freien Plätze mehr auf den Bänken, viele Menschen stehen im hinteren Bereich der Kirche. 

Ehepaare sind gekommen, Frauen mit Kopftuch, Rollstuhlfahrer. Kurz vor Beginn des Gottesdienstes dürfen viele von ihnen auf leergebliebenen, reservierten Plätzen im vorderen Bereich der Kirche Platz nehmen. Die Trauernden sind ruhig, doch ihre Botschaft ist stark: Die Angehörigen der Opfer sind nicht alleine. 

„Die beiden Türme des Domes sind das Wahrzeichen unserer Stadt, der Orientierungspunkt“, sagt der Münchner Kardinal und Erzbischof Reinhard Marx in seiner Begrüßung. „Deswegen ist es gut, dass wir uns hier versammeln - denn die Türme gehören nicht nur den Katholiken, sondern allen Münchnern in der Stadt.“

Es lägen aufwühlende Tage hinter allen, so Marx. Er appelliert daran, sich von der Ohnmacht nicht lähmen zu lassen. „Aber wir dürfen klagen - das muss sich in eine Haltung der Hoffnung und des Widerstands gegen das Böse umwandeln.“

Es sei wichtig, das Verbindende - und nicht das Trennende - in den Mittelpunkt zu stellen. Unabhängig von Religion und Herkunft, so der Erzbischof. „Was uns verbindet, ist das Menschsein.“

"Oh Allah, beschütze diese schöne Stadt"

Dem schließt sich auch der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm an, der den Gottesdienst zusammen mit Marx zelebriert. „Wir brauchen diese Gemeinschaft, wir brauchen einander“, sagt er. Den Angehörigen der Toten könne niemand ihre Lieben wiedergeben. „Aber wir können ihre Trauer mittragen.“ 

Die Münchner hätten gezeigt, dass die Gesellschaft der Gewalt nicht schutzlos ausgeliefert sei. „Hass und Gewalt werden keine Macht über unsere Herzen bekommen. Liebe ist stärker.“

Sieben der Opfer des Amokläufers waren Muslime. Neben einem Vertreter der griechisch-orthodoxen Gemeinde und der Israelitischen Kultusgemeinde spricht auch Dhahri Hajer vom Münchner Muslimrat ein bewegendes Gebet. „Allah, wir bitten Dich um Hilfe für uns, unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren“, so Hajer. 

Alle Menschen seien Kinder Adams, betont sie, unabhängig von Nationalität, Religion oder Hautfarbe. Ihr berührender Appell: „Oh Allah, beschütze diese schöne Stadt und ihre Bewohner, beschütze Deutschland.“

Die Münchner beten für die Opfer des Amoklaufes, für die Polizistinnen und Polizisten, für die Mitarbeiter des OEZ. Der Innenraum der Frauenkirche ist in warmes Licht getaucht, als die Trauernden singen. „Bleib bei uns, Herr, die Sonne gehet nieder, in dieser Nacht sei du uns Trost und Licht.“

Die Kerzen auf dem Kranz ganz vorne in der Kirche - sie leuchten noch immer. Ausgehen werden sie so schnell nicht. 

Trauerfeier in der Frauenkirche und im Bayerischen Landtag - Bilder

Bundespräsident Joachim Gauck.
Bundespräsident Joachim Gauck. © dpa
Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt und Bundeskanzlerin Angela Merkel. © dpa
Kardinal Reinhard Marx.
Kardinal Reinhard Marx. © dpa
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Pter Küspert, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Ministerpräsident.
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Pter Küspert, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Ministerpräsident. © dpa
Kanzlerin Angela Merkel.
Kanzlerin Angela Merkel. © dpa
Verkehrsminister Alexander Dobrindt, Vizekanzler Sigmar Gabriel und Arbeitsministerin Andrea Nahles.
Verkehrsminister Alexander Dobrindt, Vizekanzler Sigmar Gabriel und Arbeitsministerin Andrea Nahles. © dpa
Bundesinnenminister Thomas de Maiziere.
Bundesinnenminister Thomas de Maiziere. © dpa
In der Liebfrauenkirche in München wurde der Opfer des Amoklaufes gedacht.
In der Liebfrauenkirche in München wurde der Opfer des Amoklaufes gedacht. © dpa
Viele Menschen kamen.
Viele Menschen kamen. © dpa
Horst Seehofer spricht im Bayerischen Landtag.
Horst Seehofer spricht im Bayerischen Landtag. © dpa
Thomas de Maiziere im Landtag.
Thomas de Maiziere im Landtag, im Hintergrund Ilse Aigner und Alexander Dobrindt. © dpa
Anton Hofreiter, Sigmar Gabriel und Angela Merkel.
Anton Hofreiter, Sigmar Gabriel und Angela Merkel. © dpa
Horst Seehofer und Angela Merkel kommen im Landtag an.
Horst Seehofer und Angela Merkel kommen im Landtag an. © dpa

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