tz-Hilfsaktion „Gemeinsam gegen Hunger“

Armut ist Frauensache

Auguste Moersch sitzt an ihrem Tisch.
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Arm und genügsam: Auguste Moersch lebt bescheiden in einem Zimmer.

Armut hat viele Gesichter. Vor allem weibliche. Wir stellen Ihnen zwei Frauen vor, die uns beeindrucken. Die dank der Hilfe der Münchner Tafel und der Unterstützung von Unicef trotz Armut ein erfülltes Leben führen, selbst für andere da sind: Rentnerin Auguste Moersch (83) aus München und Véronique Etima (26) aus der Republik Kongo.

  • Zu viele Frauen leben am Existenzminimum
  • Im reichen Münchner sind 20 000 Menschen auf die Tafel angewiesen
  • Berührende Schicksale zweier Frauen

Der Gang zur Münchner Tafel ist für Auguste Moersch ein festes Element ihres Wochenrhythmus. Nicht nur wegen der Lebensmittel, die sie dort bekommt. „Die Tafel ist ein wichtiger Teil meines Soziallebens“, sagt die Rentnerin. Sie freut sich auf die Menschen, die sie dort trifft, mit denen sie ein paar warme Worte wechselt und nicht nur Lebensmittel angereicht bekommt.

Wer weniger als 1350 Euro hat, gilt als arm

Weniger als 1000 Euro Rente hat die 83-Jährige im Monat. Laut aktuellem Armutsbericht der Stadt München liegt die Armutsgrenze derzeit bei 1350 Euro. Auguste Moersch gilt also offiziell als arm. Und das, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet hat, als Bedienung im Wienerwald, als Unternehmerin mit eigenem Weinladen, im Alten- und Servicezentrum der Arbeiterwohlfahrt. Inzwischen wohnt sie in einer Sozialwohnung, geht seit 2013 jede Woche - falls es gesundheitlich möglich ist - zur Tafel-Ausgabestelle in Milbertshofen, um sich mit dem zu versorgen, was sie während der Woche braucht. Manchmal sind sogar Blumen dabei, die von den Spendern an die Münchner Tafel gegeben werden. Auf dem Fensterbrett und auf dem Tisch ihrer Einzimmerwohnung stehen kleine Vasen mit Röschen, auf dem Esstisch eine Kerze. Ihre Einrichtung ist ein lieb gewonnenes Sammelsurium. Der Schrank stammt aus ihrem ehemaligen Laden, manches hat die 83-Jährige geschenkt bekommen, die Leselampe und ihren weichen Teppich hat sie sich zusammengespart. Ohne die Münchner Tafel wäre das vermutlich nicht möglich gewesen.

„Ich lebe trotzdem glücklich!“

„Jedes Stück hier ist eine Erinnerung aus meinem Leben, für die ich sehr dankbar bin. Es zeigt, dass ich kein armes, sondern ein sehr reiches Leben habe“, sagt die gebürtige Rheinländerin. Sie sitzt auf ihrem Bänkchen, auch ein gebrauchtes Stück. Sofa, Sessel - benötigt sie nicht, stattdessen viele Bücher. Die tauscht sie, holt sich gebrauchte und leiht sie aus der Bücherei aus. Gerade liest sie Frische, freche Frauen. Manchmal liegt sie abends im Bett und „da laufen die Tränchen und ich frage mich, wars das? Dann sage ich mir nein, es geht weiter.“ Und mit dieser Überzeugung steht Auguste Moersch morgens wieder auf und freut sich, „dass ich so erfüllt leben darf“. Sie ist zufrieden, mit sich im Reinen. Trotz ihrer Darmkrebserkrankung, trotz ihrer maladen Knie. Die machen ihr am meisten Sorgen. „Wenn ich nicht mehr laufen kann, kann ich auch nicht mehr zur Tafel. Das wäre für mich der größte Verlust überhaupt.“

Véronique ist arm und hilft anderen

Hunger ist für die Bewohner im Dorf von Véronique Etima (26) ein täglicher Begleiter. Mbandza liegt 1300 Kilometer entfernt von der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville. Mitten im Regenwald gibt es kaum Arbeit, die Menschen leben vom Fischen und Jagen. Véronique ist als Waisenkind aufgewachsen, hat sich früh alleine durchschlagen müssen. Abends hungrig einzuschlafen, ist für sie normal.

Veronique lebt von dem Gemüse, das sie selbst anbaut, hilft aber anderen Familien, wie sie über die Runden kommen.

Als ihr auffiel, dass viele Kinder im Dorf ständig krank waren und viel zu viele starben, hatte die 26-Jährige panische Angst, dass auch ihr Sohn Isidore (13 Monate) es nicht schaffen könnte. „Keine Mutter und kein Vater sollten diesen Schmerz erleben müssen“, sagt die 26-Jährige. Sie wandte sich an Unicef. In der Gesundheitsstation erfuhr sie die Ursache für die Krankheiten und Todesfälle: Mangelernährung. Die Kinder waren krank vor Hunger. Véronique hat es sich inzwischen zur Aufgabe gemacht, Kinder vor dem Verhungern zu retten. Sie klärt Mütter auf, wie wichtig Stillen ist. Und sie zeigt ihnen Möglichkeiten, wie sie mit ein wenig Unterstützung selbst nahrhafte Lebensmittel wie Maniok, Erdnüsse und Sojabohnen anbauen, um ihre Kinder gut zu ernähren. Unicef hilft ihr dabei, kümmert sich um die kranken Kinder im Dorf und versorgt sie im Ernstfall mit lebensrettender Zusatznahrung.

Alle Infos zur Spedenaktion finden Sie hier.

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