Hinter den Kulissen des Maibock-Anstichs

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Politiker, nehmt euch in Acht! Django Asül derbleckt wieder zum Maibock-Anstich im Hofbräuhau

München - Beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus liest Kabarettist Django Asül den Großkopferten die Leviten! Die tz hat hinter die Kulissen gespitzt.

Am Mittwoch wird den Politikern wieder der Marsch geblasen: Beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus liest Kabarettist Django Asül den Großkopferten die Leviten! Lange stand die Veranstaltung unter dem Scheffel des Nockherbergs, tritt aber immer mehr aus dem Schatten des großen Bruders heraus. Das zeigt schon ein Blick auf die Gästeliste: Zum zweiten Mal in Folge will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kommen. Neben Finanzminister Markus Söder (CSU), der mit der staatlichen Hofbräu-Brauerei auch Gastgeber ist, haben sich unter anderem Verkehrsminister Martin Zeil (FDP), Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Arbeitsministerin Christine Hader­thauer (CSU) angekündigt. Auch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will da sein – erstmals hat sich auch OB Christian Ude (SPD) angekündigt.

Der eigentliche Star des Abends aber ist der Maibock. Das älteste Bockbier Münchens wird seit 1614 gebraut: bernsteinfarben, süffig und mit 7,2 Prozent nichts für schwache Nerven. Welche Arbeit hinter einer solchen Veranstaltung steckt, wie der Abend im Hofbräuhaus verläuft: Die tz hat hinter die Kulissen gespitzt.

Christina Schmelzer

Nockherberg: Die Promis beim Derblecken

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So überträgt der BR

Klappe – und Action! Der Bayerische Rundfunk strahlt den Anstich am selben Abend (21.45 Uhr) in einem 60-minütigen Zusammenschnitt aus (Wiederholung 5. Mai, 15 Uhr). Dafür ist ein Riesenteam vor Ort: Neben Redakteuren, Produktions- und Aufnahmeleiter, dem Regisseur und Kameraleuten sind auch Techniker, Bühnen- und Beleuchtungsmeister, Bild- und Tontechniker, Cutter und Maskenbildner dabei. Das TV-Team dreht mit zwei Handkameras und vier festen Kameras, sie fangen vor allem die Festrede von Django Asül, die Politikerreaktionen und Meinungen der Promis ein. Der Ablauf ist minutiös geplant, die Kommunikation läuft per Funk. Zwei Cutter schneiden die Sendung schließlich vor Ort – im Übertragungswagen am Platzl.

Die Rede

Django Asül derbleckt heuer zum fünften Mal die Polit-Prominenz. Die Ideen für seine

Sprüche liefern die Politiker selbst das ganze Jahr über. „Ich schneide interessante Artikel aus der Zeitung aus – da ist genug Stoff dabei, der einem Kabarettisten nicht einfallen würde“, erklärt Asül der tz, „dann entstehen schon

Ideen, zu denen ich mir kurze Notizen mache.“ Zwei Wochen vor dem Anstich beginnt er mit der Ausarbeitung. „Aber da kann sich selbst an dem Tag noch was ergeben. Man darf die

Kreativität der Politiker nicht unterschätzen.“ Wer sein Fett wegkriegt, wird noch nicht verraten. Nur so viel: „Ich kann mich bei allen

Protagonisten der bayerischen Politik für eine äußerst konstruktive Mitarbeit bedanken.“

tz-Stichwort Maibock

Die Geschichte geht bis ins Jahr 1614 zurück: Da braute Elias Pichler, der zweite Braumeister im Hofbräuhaus, erstmals ein Starkbier. Vorbild war das „Ainpöckhisch Bier“ – ein Starkbier aus dem hannoverschen Einbeck. Das Bier war dem Herzog reserviert. 1638 ließ es Kurfürst Maximilian I. erstmals offiziell ausschenken. Beflügelt vom Alkohol, tauften die Münchner es „Einbock“, später wurde „Maibock“ daraus. Seit 1873 wird das Bier im staatlichen Hofbräuhaus angezapft, vom jeweiligen Finanzminister als oberster Dienstherr. Früher hat man einen echten Bock Probe trinken lassen. Heute bekommt der Ministerpräsident den ersten Krug.

Sie gibt allen den Takt vor

Von der Einladung bis zur Tischdeko – Anja Bierwisch organisiert den Anstich

Sie hält alle Fäden in der Hand: Organisatorin Anja Bierwisch von Hofbräu kümmert sich um alles – von den Einladungen bis zur Tischdeko. Am Abend selbst flitzt sie mit Headset durch die Säle und gibt Kommandos. Die Terminfindung startet ein Jahr vorher: „Wir wälzen gleich nach dem Anstich den Kalender, um einen neuen Termin für das Folgejahr zu finden,“ sagt sie. Wunschtermin ist immer der letzte Donnerstag im April. „Das geht in diesem Jahr nicht – da ist Kabinettssitzung.“ Neben der Staatsregierung sind Geschäftspartner der Brauerei und Wirte eingeladen. Eine Sitzordnung für die 600 Gäste gibt es nicht. Nur an den Tischen der Politiker in der ersten Reihe stehen Platzkarten – natürlich streng nach Protokoll.

In fünf Minuten haben alle Bier

Die 600 Gäste bekommen ein Vier-Gänge-Menü: „Als Hauptspeise gibt es Schäufele – wegen der fränkischen Herkunft unseres Finanzministers“, verrät Küchenleiter Enrico Jaehn. Die Vorschläge hat die Küche vor Weihnachten erarbeitet, beim Probeessen im Januar kam Brauerei-Chef Michael Möller höchstpersönlich – und gab grünes Licht.

Service-Leiter Klaus Seidenspinner (2. v. li.) und Küchenchef Enrico Jaehn (Mi.) mit Team

Damit das Bier schön kalt serviert wird, holen die Mitarbeiter die Krüge erst kurz vor Anstich aus der Kühlung. Sobald Organisatorin Anja Bierwisch das Signal gibt, marschieren 34 Kellner mit je zehn Krügen los. „In nur fünf Minuten hat jeder Gast einen Krug vor sich stehen“, sagt Service-Leiter Klaus Seidenspinner. Hinter der Bühne verstecken die Mitarbeiter Putzsachen – falls beim Anzapfen was daneben geht.

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