IOC-Präsident sieht Mutlosigkeit

München-Aus: Harte Kritik an "Nein-Sagern"

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IOC-Präsident Thomas Bach.

Frankfurt - Der neue IOC-Präsident Thomas Bach hat Deutschland aufgefordert, sich wieder für die Durchführung von Olympischen Spielen zu bewerben. Vorwürfe von Knebelverträgen weist Bach zurück.

 „Deutschland ist mit seiner Sportbegeisterung und seiner wirtschaftlichen Potenz immer in der Lage, Spiele auszurichten. Es macht mir Hoffnung, dass über Sommerspiele, z.B. in Berlin zumindest wieder diskutiert wird“, erklärte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in einem Interview der „Bild“-Zeitung (Freitag).

Über die nach einem Bürgerentscheid gescheiterte Münchner Olympia-Bewerbung stellte Bach fest: „Ich bin eher enttäuscht und besorgt, dass es in unserem Land möglicherweise in weiten Teilen ein gewisse Mutlosigkeit gibt, wichtige Zukunftsprojekte konsequent anzugehen. Dies ist beim Bau von Flughäfen, Straßen und Bahnhöfen teilweise zu beobachten. Durch den Fall München gehört jetzt auch die Durchführung von Olympischen Spielen dazu. Es kann sein, dass wir in Deutschland in einigen Jahren feststellen müssen, eine gute Situation nicht ausgenutzt zu haben.“

Hart ins Gericht ging Bach mit den Olympia-Kritikern, die sich mit ihren Bedenken durchsetzten: „Die Nein-Sager haben die Vorteile einer Bewerbung leider verschwiegen.“ München habe sogar den Vorteil genossen, „dass Sportstätten und Infrastruktur im Großen und Ganzen vorhanden sind“. München wäre ein „guter Kandidat“ gewesen, so Bach.

Die Vorwürfe von Knebelverträgen, die das IOC mit den jeweiligen Olympia-Gastgebern abschließe, wies er entschieden zurück. Das IOC arbeite bei der Olympia-Vergabe „mit einer fairen Risikobeteiligung“. „So hätte München bei einem Wahlsieg eine Zahlung des IOC in Höhe von ca. 700 Millionen US-Dollar und weitere Erlöse aus Vermarktung und Ticketing erwarten können“, stellte Bach klar. Er führte die nächsten Winterspiele in Sotschi (7. bis 23. Februar 2014) als Beispiel an: „In Sotschi sind das ca. 1,5 Milliarden Dollar. Damit erzielen Organisationskomitees regelmäßig operative Gewinne. Und der Imagegewinn einer Olympiastadt ist finanziell gar nicht zu bemessen.“

Als „gnadenlose Selbstüberschätzung des IOC“ bewertete Bayerns Grünen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann die Äußerungen Bachs. Dass sich die Mehrheit der Wähler bei den Bürgerentscheiden gegen die Bewerbung um Olympia 2022 ausgesprochen habe, „hat unmittelbar mit dem IOC und dessen in Teilen sittenwidriger Vertragsgestaltung zu tun - und überhaupt nichts mit Mutlosigkeit“.

„Wenn die Bürgerinnen und Bürger der Meinung sind, sie brauchen einen Tunnel, eine Bahnlinie oder eine Ortsumgehung, dann werden sie das jeweilige Projekt auch unterstützen“, sagte Hartmann. „Sie erhalten dann etwas Bleibendes - und kein olympisches Strohfeuer, in dessen Glanz sich vor allem auch Funktionäre wie Bach sonnen wollen.“

Sechs Städte haben nun offiziell ihre Kandidatur für die Winterspiele 2022 beim IOC eingereicht. Der norwegische Favorit Oslo, 1952 bereits Ausrichter der Olympischen Sommerspiele, wird in dem Sechskampf von Stockholm, Peking - Schauplatz der Sommerspiele 2008 -, dem ukrainischen Lwiw, Krakau und dem kasachischen Almaty herausgefordert. Die Bewerbungsfrist lief am Donnerstag um Mitternacht ab.

In einem Bürgerentscheid hatte sich die betroffene Bevölkerung am vergangenen Sonntag gegen die geplante Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2022 ausgesprochen. Für Olympia 2022 haben Almaty (Kasachstan), Krakau (Polen), Lwiw (Ukraine), Oslo (Norwegen), Peking (China) und Stockholm (Schweden) beim IOC Bewerbungsunterlagen eingereicht.

dpa

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