Jahr der Mobilität

Nicht zu unterschätzen: Ablenkung am Steuer

Studien belegen, welche fatalen Folgen Zweitbeschäftigungen am Steuer für Auto-, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer haben kann.
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Studien belegen, welche fatalen Folgen Zweitbeschäftigungen am Steuer für Auto-, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer haben kann.

Viele alltägliche Dinge können beim Autofahren für Ablenkung sorgen – das gilt nicht nur für den Blick aufs Smartphone. Jeder ist sich selbst der beste Schutzengel.

Ablenkung im Straßenverkehr hat viele Gesichter, die Folgen gleichen sich hingegen in vielen Fällen – Verkehrsunfälle mit Verletzten oder gar tödlichem Ausgang und immense Sachschäden. Auf dem Smartphone Nachrichten lesen, das Navi bedienen, auch vermeintlich alltägliche Dinge können die Konzentration beim Autofahren negativ beeinflussen.

Beim Thema Ablenkung denken die meisten sofort an Smartphones. Aber auch routinierte Abläufe verleiten dazu, mit den Gedanken abzuschweifen: Der Griff zur Wasserflasche, heruntergefallene Gegenstände, die Packung Taschentücher im Handschuhfach sind nur einige der Zweitbeschäftigungen, die uns grundsätzlich im Straßenverkehr ablenken. Studien belegen, welche fatalen Folgen das für Auto-, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer haben kann. „Viele Personen unterschätzen oftmals einfach, dass auch schon die kleinste Ablenkung am Steuer zu einer ernsten Gefahr für sich und andere werden kann. Das grundlegende Problem: Jede Unaufmerksamkeit erhöht die Reaktionszeit“, so Alexander Kreipl, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Südbayern e.V.

Navigations- und Kommunikationssysteme

Wo früher das Autoradio seinen Platz hatte, steckt heute meist ein leistungsfähiger Bordcomputer nebst Entertainment- und Kommunikationsfunktion. Die immer zahlreicher werdenden Funktionen haben dazu geführt, dass viele Funktionen nicht mehr mittels eines Druckknopfes zu erreichen sind, sondern nur mittels Touchdisplay oder Eingabegerät. Der Blick muss für die Bedienung zwangsläufig von der Straße abgewandt werden. Eine Studie des ADAC und des ÖAMTC aus dem vergangenen Jahr ergab, dass 87 Prozent der Testpersonen durch die Eingabe in die Adresszeile ihres Navis im Ernstfall mit durchschnittlich 43 km/h auf ein plötzlich vor ihnen aufgetauchtes Hindernis aufgeprallt wären. Nur ein Drittel der Lenker führte eine Vollbremsung durch. Im Mittel fehlte für sechs Sekunden bzw. auf 100 Metern Strecke der Blick auf das Verkehrsgeschehen. „Bereits das Übersehen eines Stauendes kann fatale Folgen haben. Das Navigationsgerät sollte unbedingt vor Fahrtantritt programmiert werden“, betont Kreipl. Die Studie hat ergeben, dass auch Fahrradfahrer und E-Scooter-Fahrer für Ablenkungen ebenso anfällig sind.

Wo früher das Autoradio seinen Platz hatte, steckt heute meist ein leistungsfähiger Bordcomputer nebst Entertainment- und Kommunikationsfunktion.

Alltagshandlungen und Musik

Musikhören kann uns bei allen Arten der Fortbewegung ablenken. Je nach Lautstärke beeinträchtigt uns Musik in der Wahrnehmung der Verkehrsgeräusche. „Auch wenn die meisten Informationen über das Auge wahrgenommen werden, sollte die Bedeutung des Gehörs für eine sichere Fortbewegung nicht unterschätzt werden. Ist die Musik beispielsweise so laut wie ein mit 50 km/h vorbeifahrendes Auto, benötigt der Musikhörende fast die doppelte Zeit zum Reagieren auf unvorhergesehene Ereignisse oder hört den nahenden Rettungswagen trotz Martinshorn nicht rechtzeitig“, so Kreipl. Fehlende akustisches Wahrnehmungsvermögen ist aber auch eine Gefahr für Fußgänger und Fahrradfahrer, die aufgrund der immer leiser werdenden Motoren bereits bei leiser Musik motorisierte Verkehrsteilnehmer überhören. Doch nicht nur die Lautstärke ist entscheidend für den Grad der Ablenkung. Auch was wir hören kann einen starken Einfluss auf unsere Emotionen und somit unsere Konzentration haben.

Beim Thema Ablenkung denken die meisten sofort an Smartphones. Aber auch routinierte Abläufe verleiten dazu, mit den Gedanken abzuschweifen.

Rechtslage nicht eindeutig

Die allgemeine Behandlung des Faktors Ablenkung in der Straßenverkehrsordnung gewährt den Behörden jedoch Spielraum. Prinzipiell sind Autofahrer dazu verpflichtet, die Aufmerksamkeit voll und ganz der Fahrtätigkeit zu widmen und die Hände am Lenkrad zu belassen. Sind Sie in einen Unfall verwickelt und waren nachweislich abgelenkt, tragen Sie eine Mitschuld unabhängig vom Hergang. Darüber hinaus ist es möglich, dass Ihre Versicherung für den Schaden nicht aufkommt und sie selbst tief in die Tasche greifen müssen. Eindeutig per Gesetz ist ausschließlich die Verwendung von Mobil- oder Autotelefon geregelt. Im Straßenverkehr ist das Telefonieren mit dem Handy am Ohr verboten. Auch sämtliche andere Funktionen von Mobil- oder Autotelefonen darf man als Fahrer nicht verwenden. Also zum Beispiel keine Textnachrichten schreiben oder lesen, Anrufe ablehnen oder einfach nur auf dem Display nach der Uhrzeit schauen.

„Egal wie fit und leistungsbereit man sich fühlt, bereits triviale Nebenaufgaben, das Anzünden der Zigarette, Essen oder das Bedienen des Laptops auf dem Beifahrersitz führen zu großen Schwierigkeiten mit unkalkulierbaren Risiken. Niemand ist in der Lage, alles gleichzeitig zu erfassen. Jeder ist sich selbst der beste Schutzengel, indem er Gefahren meidet und nicht darauf vertraut, diese bewältigen zu können“, unterstreicht Kreipl.

Autor: ADAC Südbayern e.V.

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