Kopf-an-Kopf-Rennen

Elektro oder Verbrenner: Welches Auto ist wirklich besser fürs Klima?

Ein Mann tankt seinen Wagen auf.
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Sind Verbrenner wirklich so große C02-Sünder? Es kommt vor allem auf den Treibstoff an.

Bei der CO2-Bilanz spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Das Wichtigste zu diesem komplexen Thema finden Sie im Beitrag.

Sind Elektroautos in ihrer CO2-Gesamtbilanz umweltfreundlicher als übliche Verbrenner? Was auf den ersten Blick wie eine einfache Frage aussieht, ist in Wahrheit höchst komplex. Zahlreiche Faktoren fließen hier mit ein, die zudem oftmals in unterschiedlicher Weise ausgelegt werden können. Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher beim ADAC Südbayern betont, dass es dabei auf viele verschiedene Faktoren ankommt. „Wichtig sind dabei der Faktor des direkten CO2-Ausstoßes sowie die CO2-Gesamtbilanz, die zusätzlich die Komponenten Herstellung, Laufzeit und Entsorgung des Fahrzeuges berücksichtigt.“

Betrachtet man allein den CO2-Ausstoß direkt beim Fahren, ist der Gewinner natürlich klar: das Elektroauto. Dessen direkter Emissions-Ausstoß liegt bei Null. Allerdings sind die aktuellen Herstellungsprozesse eines E-Fahrzeuges aufgrund der komplexen Technik mit einem höheren Energieverbrauch verbunden als die eines üblichen Pkws. Und diese Energie wird derzeit in Deutschland noch zu großen Teilen aus massenweise CO2 ausstoßenden Kohlekraftwerken gewonnen. 

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Sind E-Autos wirklich umweltfreundlicher als Verbrenner? Nur unter einer Bedigung

Einfach ausgedrückt: Das E-Fahrzeug hat bereits deutlich mehr Kohlendioxid auf dem Konto, bevor es überhaupt den ersten Meter gefahren ist. Dieser „CO2-Rucksack“ wird im Vergleich zum Verbrenner immer weniger, je länger das E-Auto auf der Straße unterwegs ist und so durch den „Null-Verbrauch“ beim Fahren das beim Herstellungsprozess verbrauchte CO2 „gutmacht“. Hier kommt es also auch auf die Langlebigkeit eines Elektrofahrzeuges an. Die Studie Frontier Economics im Auftrag des Bundesverbandes Mittelständischer Mineralunternehmen kam bei diesem Lebenszyklus-CO2-Vergleich zu folgendem Ergebnis: Ein Elektroauto muss aktuell über 250.000 Kilometer fahren, um umweltfreundlicher als ein durchschnittlicher Verbrenner zu sein.  

„In der letzten ADAC Ökobilanz zeigte sich, dass bei den Vergleichsfahrzeugen mit den Antriebsarten Benzin, Diesel, Hybrid, Erdgas, Batterie und Wasserstoff nur das Erdgasfahrzeug mit 15 Prozent Biomethananteil in der Gesamtbilanz weniger CO2 verursachte als das Batterieauto“, erklärt Kreipl. Biomethan ist allerdings nicht flächendeckend verfügbar, hat aber in den vergangenen Jahren einen erheblichen Aufschwung erlebt, betont der Experte. „Zudem muss man beachten, dass in der Bilanz für das Elektroauto sehr konservative und vorsichtige Prämissen zugrunde gelegt wurden. So sind die CO2-Werte für Strom auf dem Strommix inzwischen zwei Jahre alt und für die Batterieproduktion wurde noch mit einem damals sehr hohen CO2-Wert pro Kilowattstunde von 172 kg/kWh Batteriekapazität gerechnet.“ Ebenfalls ist eine neue Batterie bei 150.000 Kilometern zu 50 Prozent mit eingerechnet.

Auf was Kreipl anspielt, ist ein weiterer entscheidender Faktor im umweltfreundlichen Vergleich Verbrenner zu E-Auto: das Reduktionspotential. Gemeint sind damit zukünftige Entwicklungen, die den CO2-Ausstoß sowohl beim Elektroauto als auch beim Verbrenner in den kommenden Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit weiter senken werden. Beim E-Auto liegt dieses Potential im bundesweiten Produktionsausbau erneuerbarer Energien. Denn je mehr Ökostrom für die aufwendige Herstellung der Fahrzeuge benutzt werden kann (und zudem auch betankt wird), desto kleiner wird der „CO2-Rucksack“ des Elektro-Autos. Und je länger die Laufzeit moderner Batterien, desto positiver gestaltet sich am Ende die CO2-Gesamtbilanz.

„Im Zuge der anstehenden Aktualisierung der ADAC Ökobilanz 2021 ist bereits absehbar, dass sich bei den Parametern Strommix, CO2-Wert der Batterieproduktion und der Haltbarkeit der Batterie signifikante Verbesserungen gezeigt haben“, so Kreipl.

Impressionen: E-Auto versus Verbrenner

Ein futuristisches E-Auto.
Erst zukünftige Automodelle werden deutlich zeigen, ob Verbrenner oder Elektroautos CO2-sparsamer sind.  © 7966cherry / panthermedia
Ein Kind zeichnet etwas auf eine Autoscheibe.
Sobald das Elektroauto auf der Straße ist, ist es deutlich klimaverträglicher als ein Benziner oder Diesel.  © tomwang / panthermedia
Jemand tankt ein Auto auf.
Elektroautos werden in Zukunft noch umweltfreundlicher, wenn auch die Betankung zu 100 Prozent aus Ökostrom besteht.  © kasto / panthermedia
Ein Mann tankt seinen Wagen auf.
Sind Verbrenner wirklich so große C02-Sünder? Es kommt vor allem auf den Treibstoff an. © lightpoet / panthermedia

Wird es Verbrenner-Technologie bald gar nicht mehr geben?

Dass demnach in Zukunft Pkws mit Verbrennungsmotoren in Sachen Umweltschutz immer weiter abgehängt werden und die Technik am besten gleich von den Straßen weltweit verbannt gehört, geht allerdings zu weit. Dieser Meinung ist jedenfalls Eckehart Rotter vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Rotter wirbt hier für einen ganzheitlichen Blick: „Wenn man CO2-Reduzierung ernst nimmt, muss man sich den gesamten Markt ansehen. Es existieren rund um den Globus Millionen von Bestandautos mit Verbrenner-Technologie, die kann man nicht einfach so von heute auf morgen verschrotten.“

Laut Rotter gibt es auch bei üblichen Pkws enormes Reduktionspotential in Sachen CO2-Verbrauch. Dieser läge vor allem in der Betankung. In den kommenden Jahren würden zunehmend fortschrittliche Biokraftstoffe und vor allem klimaneutrale synthetische Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien – sogenannte E-Fuels – zum Einsatz kommen. Diese würden den CO2-Ausstoß von Verbrennern deutlich reduzieren und so auch deren Umweltbilanz wieder aufpolieren.

Bei der endgültigen Antwort der Frage, wer „grüner“ ist – Elektroautos oder Verbrenner – geht der Blick deshalb vor allem Richtung Zukunft. Aktuell liefern sich beide Antriebsvarianten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das aufgrund der vielen Berechnungsfaktoren kaum zu entscheiden ist. Einen klaren Sieger gibt es nicht. Der dürfte – wenn überhaupt – erst in den kommenden Jahrzehnten feststehen. (Christoph Kastenbauer)

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