Kowalski liest Loriots Wagner-Werk

Der Kommissar steigt jetzt in den "Ring"

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Rudolf Kowalski.

München - Rudolf Kowalski rezitiert in München erstmals Loriots "Ring an einem Abend" – da liegt die Latte natürlich hoch. Das tz-Interview.

Können Sie sich an den Staubsaugervertreter im Loriot­Sketch erinnern („Es saugt und bläst der Heinzelmann …“)? Den spielte Rudolf Kowalski, längst einer der bekanntesten Gesichter der deutschen TV-Landschaft. Der 66-Jährige kehrt nun quasi zu seinen Wurzeln zurück und rezitiert in München erstmals Loriots Ring an einem Abend – da liegt die Latte natürlich hoch, schließlich kennen Abertausende Münchner das „Original“ mit Vicco von Bülows Stimme. Unser Interview mit Rudolf Kowalski:

Herr Kowalski, was fasziniert Sie an Loriot?

Rudolf Kowalski: Seine Präzision. Ich habe sein Skript vor mir liegen, wo er einige Wörter selbst hervorgehoben hat. Also etwa: SOfORT – die Betonung muss also auf „So“ und auf „Ort“ liegen. So etwas mag ich, und derartige Anweisungen versuche ich natürlich zu übernehmen. Man erkennt an diesen Stellen sofort, was Loriot wollte.

Und wie gut kennen Sie Wagners Werk?

Kowalski: Je länger ich mich mit ihm beschäftige, desto faszinierter bin ich. Mittlerweile will ich mir von meiner Frau die Götterdämmerung schenken lassen. Wenn man so mitten im Orchester hockt und das zu spielen beginnt – das haut einen vom Hocker, das ist schon toll. Alle Filmkomponisten haben von ihm geklaut. Ich bin kein Experte wie Loriot, und ich kenne auch nicht alle vier Ring-Teile. Aber ich werde Wagner nicht ausweichen. Ein Wagnerianer werde ich trotzdem nicht mehr – die Opern sind so entsetzlich lang …

Was ist Ihre Musik?

Kowalski: Ich bin großer Bob-Dylan-Fan, weil er sich immer wieder neu erfindet. Den höre ich immer beim Joggen.

Ist das Neu-Erfinden für Ihren Beruf wichtig?

Kowalski: Sehr. Vor allem auf der Bühne muss man das tun. Man hat ja immer nur die eine Chance – und ich stehe noch heute vor jeder Aufführung hinter der Bühne und denke mir: Warum tust du dir das an?! Bei den Proben vergeht kein Tag, wo ich nicht alles hinschmeißen möchte.

Ist dafür die Befriedigung größer als im Fernsehen, wenn’s vorbei ist?

Kowalski: Ja, weil man ein direktes Feedback vom Publikum hat. Aber ich mag beides: Film und Theater. Beides hat seine Berechtigung.

Wo haben Sie Loriots „Ring an einem Abend“ schon aufgeführt?

Kowalski: In Düsseldorf, in Duisburg, bei den Wormser Festspielen. Mit dem Gärtnerplatz-Orchester und Heiko Mathias Förster ist das für mich eine Premiere – und ich glaube und hoffe, dass in München noch mehr Opernliebhaber im Publikum sitzen und wissen, von was ich spreche, und die Andeutungen verstehen. M. Bieber

Aufführung am 19.1. um 19 Uhr in der Philharmonie, Karten unter Tel. 93 60 93.

Loriots „Ring an einem Abend“

Vieles fand Loriot an Wagners Werk etwas, nun ja, sperrig, aber fasziniert hat es den großen Humoristen fast ein Leben lang. Sein Ring an einem Abend ist die Quadratur des Kreises: Vier Opern – Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung – von insgesamt ungefähr 14 Stunden Spielzeit dampft er ein auf die Essenz. Natürlich mit eigenen Texten, die punktgenau sitzen und auch jeden begeistern, der von Wagners Götter- und Heldenwelt keinen blassen Schimmer hat. Loriots pfiffige Hommage an Wagner wurde 1992 in Mannheim uraufgeführt und ist heute gerade in der Wagner-Stadt München nicht mehr wegzudenken. Prinzip: Die Loriot-Zwischentexte kommentieren Highlights der Oper, die dann live erklingen.

Loriot

Vicco von Bülow (1923 – 2011) war nicht nur der größte deutsche Humorist der Nachkriegszeit – ihn verband auch eine skeptische, spannende Liebe zum Werk Wagners. Seine Sketche und Bücher sind Pflichtlektüre – und er hat auch inszeniert.

Richard Wagner

Gigantisches Vorhaben, großartige Umsetzung: Richard Wagner (1813 – 1883) hat das Gesamtkunstwerk erschaffen: Seine Opern vereinen Musik, Text und Bühne alles in einer Hand. Sein Hauptwerk Der Ring des Nibelungen besteht aus vier Opern, Länge: ca. 14 Stunden.

Rudolf Kowalski

Einem Millionenpublikum ist der gebürtige 66-jährige Gladbecker vor allem als Kommissar Stolberg in der ZDF-Krimireihe bekannt, die von 2006 bis 2013 lief. Kowalski spielte schon 1978 in der Fernsehserie Loriot in den Episoden V und VI in einigen Sketchen mit.

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