OB Ude kritisiert das IOC: "Zweifel angebracht"

München - Nach der Vergabe der Winterspiele 2018 an das südkoreanische Pyeongchang hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude die Entscheidung des IOC heftig kritisiert.

Nach der Vergabe der Winterspiele 2018 an das südkoreanische Pyeongchang hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) heftig kritisiert. “Die Wünsche der Athleten und die Umwelt haben keine Rolle gespielt“, sagte das SPD-Stadtoberhaupt in einem Interview von “Zeit online“ (Freitag). “Zweifel an der Wahl und den Kriterien des IOC sind zudem angebracht“, erklärte Ude weiter.

“Pyeongchang bietet neue Märkte, das war entscheidend. Das ist ernüchternd“, sagte Ude weiter. “Wir sind sehr enttäuscht über die deutliche Niederlage, wir empfinden sie als abweisendes Ergebnis.“ Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) will am kommenden Mittwoch über die Folgen der Entscheidung beraten. Offen ist, ob der DOSB eine erneute Kandidatur von München für die Olympischen Winterspiele für 2022 befürworten wird.

Viele deutsche Winter- und Sommersportverbände plädierten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa trotz der Abfuhr für einen erneuten Anlauf. “Deutschland sollte sich wieder bewerben“, sagte Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes. “Man muss das sorgfältig analysieren. Deutschland sollte in Ruhe abwägen, ob nicht eine Bewerbung für Sommerspiele Sinn macht“, sagte dagegen Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). “Deshalb erlaube ich mir, Berlin ins Gespräch zu bringen.“ 

In einem Interview des “Münchner Merkur“ (Freitag) sprach Ude von

einer “verheerenden Niederlage“. Das Wahlergebnis von nur 25 Stimmen für die deutsche Bewerbung sei ein deutliches Signal, dass “München mit allen seinen Angeboten in puncto kultureller Reichtum, historisches Erbe oder Nachhaltigkeit nicht vom IOC gewürdigt wird“, betonte der Oberbürgermeister.
“Und es wäre fahrlässig, sich darüber einfach hinwegzusetzen“, sagte er mit Blick auf eine mögliche erneute Bewerbung für die Winterspiele 2022 weiter. Für einen neuen Anlauf sei die “volle Übereinstimmung von allen Akteuren erforderlich“, betonte der SPD-Politiker. “Wenn einer davon ausschert, geht es nicht.“ 

Franz Beckenbauer kritisierte nach der Vergabe der Winterspiele 2018 nach Pyeongchang die mangelnde europäische Solidarität. “Ich klage an: Die europäischen Mitglieder des IOC haben München verraten“, sagte Beckenbauer in der “Bild-Zeitung“ (Freitag). Viele IOC-Mitglieder würden lieber an eine spätere Kandidatur des eigenen Landes denken und wollten so ihre Chancen nicht beschädigen. 

“Dann heben sie lieber die Hand für Korea als für München oder Annecy. Die Zerrissenheit, die unserem Kontinent solche Probleme bereitet, spiegelt sich im IOC wider. Es regieren allein Eigeninteressen. Ich finde das furchtbar“, meinte der 65-Jährige, der kurzzeitig als “Stimmenfänger“ für die deutsche Bewerbung in Durban unterwegs gewesen war. 

Im Rennen um die Sommerspiele 2020 will sich nach Rom nun auch Madrid und Istanbul bewerben. In der kommenden Woche wolle das Nationale Olympische Komitee (COE) Spaniens seine Kandidatur bekanntgeben, erklärte COE-Präsident Alejandro Blanco am Freitag in Durban. “Daran gibt es keinen Zweifel“, sagte Blanco der Nachrichtenagentur dpa. Eine ähnliche Absichtserklärung hatte auch Japans Hauptstadt Tokio abgegeben. Alle Bewerbungen müssen bis zum 1. September beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht sein. 

Lediglich Rom hat bisher seine Kandidatur offiziell gemacht. Als weitere Kandidaten für die Sommerspiele 2020 gelten Istanbul, Doha und Dubai. Im September 2013 entscheidet die IOC-Vollversammlung in Buenos Aires über den Gastgeber der Spiele. Bei der Wahl des Gastgebers der Sommerspiele 2016 war Tokio bei der Endabstimmung gescheitert.  

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

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