Heute feiert die Welt Louis Daguerre

175 Jahre Fotografie: Aber erfunden haben's wir!

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Das erste Foto der Republik (1838) zeigt die Frauenkirche.

München - Die Welt feiert heute einen Franzosen: Louis Jacques Mandé Daguerre, der vor 175 Jahren die Fotografie erfand. Sagt man, stimmt aber nicht. Denn die Münchner waren früher dran. Unser Autor und Fotograf Heinz Gebhardt klärt auf:

Heute wird weltweit – und vor allem in Frankreich – der 175. „Geburtstag der Fotografie“ gefeiert. Am 19. August 1839 gab Louis Jacques ­Mandé Daguerre (1787 – 1851) in der Pariser Akademie der Wissenschaften seine bis dahin geheim gehaltene Technik bekannt: Er bildete „Spiegelbilder der Natur“ mechanisch ab und konnte sie auf einer silberglänzenden Kupferplatte für immer festhalten. Dafür zahlte ihm der französische Staat eine saftige lebenslange Rente. Die Bilder wurden 1839 nach ihm „Daguerreotypien“ genannt, denn das Wort „Fotografie“ wurde erst Jahre später gebräuchlich.

Franz von Kobell...

Diese ersten Fotografien der Welt, wie sie immer genannt werden, waren absolute Einzelstücke, konnten nicht kopiert werden und hatten eine Belichtungszeit von fünf bis zehn Minuten. Als Beweis seiner Erfindung schickte Daguerre im Oktober 1839 an den bayerischen König Ludwig I. eine solche Daguerreotypie vom Boulevard du Temple in Paris, auf der zufällig der erste fotografierte Mensch zu sehen ist: Ein Mann, der sich die Schuhe putzen ließ, hielt während der langen Belichtungszeit still und wurde so „verewigt“.

...und Carl August Steinheil erfanden die Fotografie.

König Ludwig I. dürfte bei der Ankunft der „Sensation“ allerdings eher müde gelächelt haben. Der Grund: Schon Monate vor Daguerre haben zwei Münchner die Fotografie erfunden – und zwar keine Unikate wie Daguerre, sondern das bis zur Digitalfotografie gebräuchliche Negativ-Positiv-Verfahren!

Kobell und Steinheil knipsten auch das "Bazaar" am Odeonsplatz.

Ludwigs Gattin, Königin Therese, hatte im Schlosspark Nymphenburg sogar schon einen Fotokurs der Münchner Erfinder hinter sich, bei dem „Ihre Majestät daran sehr lebhaftes Interesse bezeigten“, wie damals eine Zeitung schrieb. Die beiden Erfinder waren der Chemiker und Schriftsteller Franz von Kobell (1803 – 1882, der Schöpfer des Brandner Kaspar) und der Optiker Carl August Steinheil (1801 – 1870). Ihnen waren bereits 1838 die ersten Fotografien Deutschlands auf Papier gelungen. Das Motiv: die Frauenkirche, aufgenommen von einem Fenster der Alten Akademie hinter der Michaelskirche. Dort hatte Steinheil einen Arbeitsraum.

Heute ist im "Bazaar" das Cafe Tambosi untergebracht.

Am 22. März 1839 veröffentlichte die Augsburger Allgemeine Zeitung die vollständige Technik der beiden, und am 13. April übergaben sie ihre Erfindung der Fotografie in der Akademie der Wissenschaften den Münchnern und der Allgemeinheit – ohne Gegenleistung …

Die Glyptothek damals...

Da die Bilder der Frauenkirche geglückt waren, fotografierten Kobell und Steinheil noch weitere Münchner Motive: Gegenüber dem heutigen Tambosi am Odeonsplatz wohnte Franz von Kobell – von seinem Fensterbrett im ersten Stock entstand das Foto vom „Bazaar“, wie das Haus damals genannt wurde. Die Glyptothek wurde von der Maffei-Villa aufgenommen, und vielleicht durfte beim Nymphenburg-Foto sogar Königin Therese den Deckel vom Objektiv nehmen. Einen Auslöserknopf gab’s damals nämlich noch nicht.

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