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Jodeln mit den Ärzten: Die beste Band der Welt stimmt München auf den Open-Air-Sommer ein

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Von: Kathrin Brack

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„Saggra. Herrschaftszeiten!“ Die Ärzte, hier mit Farin Urlaub gestern Abend im Münchner Olympiastadion, lernen jetzt auch Bayerisch.
„Saggra. Herrschaftszeiten!“ Die Ärzte, hier mit Farin Urlaub gestern Abend im Münchner Olympiastadion, lernen jetzt auch Bayerisch. © florian vit/Hangenfoto

Die Ärzte melden sich in München zurück mit einem furiosen Konzertabend, den sie bis zur letzten Sekunde ausreizen. Die beste Band der Welt erobert das Olympiastadion.

München – Viel zu einfach. Ein läppisches „Eeeeeyy-eyyyyyooo“ ist keine Herausforderung für das Publikum in München. Also kramt Farin Urlaub ganz tief in der Trickkiste und haut einen lupenreinen Jodler raus. Und das Publikum? Jodelt ihm begeistert nach. Ob mit einem spontan angestimmten „In München steht ein Hofbräuhaus“ oder für Berliner Verhältnisse perfekten Bühnen-Bairisch („Saggra! Herrschaftszeiten!“): Der Gitarrist erobert die Herzen von 25.000 Bayern im Sturm.

Die Ärzte in München: Farin, Bela und Rod blödeln mit dem Publikum

Die Ärzte aus Berlin sind zurück, die selbst ernannte beste Band der Welt. Und wer denkt, sie wären während der Zwangspause auch nur minimal eingerostet oder gealtert, erlebt im Olympiastadion das Gegenteil. Als hätten sie gewusst, dass der Himmel über München „Himmelblau“ leuchten würde, wenn sie mit ihrer „Buffalo Bill in Rom“-Stadiontour auf die Bühne kommen. Sie haben den Opener ihres Stadionkonzertes perfekt ausgesucht – so wie ihre Vorband Antilopengang, die das Stadion auf Betriebstemperatur bringt.

Farin Urlaub (ganz in Schwarz bis aufs wasserstoffblonde Stachelhaar), Drummer Bela B. (im Schwarz-Weiß-Look der Disney-Diva Cruella de Vil) und Bassist Rod Gonzales (edler dunkelblauer Anzug) blödeln, sie improvisieren sich durch die Setlist und das klingt herrlich frisch und laut. Dazwischen lässt sich Farin Tee bringen („Farin trinkt Tee wie Edmund Stoiber!“), Bela lobt einen jungen Mann für die Fähigkeit, zehn Bier unfallfrei zu tragen, und Rod lässt sich von den Frauen im Publikum anhimmeln.

Die Ärzte werden in München auch politisch und beziehen klar Stellung gegen Nazis

Zwischen den bekannten Liedern wie „Lasse redn“, „Hurra“ und „1/2 Lovesong“ spielen sie Neues, ein paar Raritäten und werden dann auch mal ernst und politisch. Dass sie keine Nazis beim Konzert haben wollen, haben sie auf die Karten drucken lassen, erklärt Farin.

Überhaupt, sie reden beinahe so viel, wie sie singen. Es ist ganz viel Spaß dabei, viel Austausch mit dem Publikum, charmant, nicht einstudiert. Sie gehen auf Tour, „um zumindest mal ein bisschen gute Laune zu verbreiten“, hat Farin Urlaub vor ein paar Tagen in einem Interview gesagt. Es ist nicht zu übersehen, wie viel Freude sie daran haben, auch nach inzwischen 40 Jahren Bandgeschichte.

Bis zur letzten Minute reizen sie die erlaubte Spielzeit aus, schieben nach „Gute Nacht“ noch spontan den „Schundersong“ hinterher. „Belafarinrod“ feiern in München eine großartige Konzertparty, die die Messlatte für die kommenden Open-Airs hoch hängt. Am Ende ist es viel zu einfach: Die Ärzte aus Berlin, völlig zurecht die beste Band der Welt!

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