Schlagerkönigin in München

Berg-Fest in der ausverkauften Olympiahalle

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Andrea Berg

München - Helene Fischer ist die neue Schlagerkönigin – doch auch Königinmutti denkt noch längst nicht ans Abdanken. Andrea Berg, das feuerrothaarige Schunkelmariechen aus Krefeld, hat mit 48 zwar Lack, Leder und Strapse brav verräumt.

Doch auch ohne Domina-Attitüde begeisterte sie ihr Publikum beim Berg-Fest in der ausverkauften Olympiahalle mit einer opulenten Show in einem Pappmaché-Atlantis, die vom Schweizer Vortänzer DJ Bobo inszeniert wurde. Fast drei Stunden Schlager – die Gefühle hatten Bleibepflicht.

Nun gilt Herr Bobo ja nicht gerade als kreative Speerspitze des internationalen Entertainments. Über die schwimmenden Schmetterlinge, die er im Bühnenhintergrund ersäufte, muss man hinwegsehen. Was bei Kollegin Fischer beinahe nach Las Vegas aussieht, ist hier eben: Krefeld. Und das muss auch so sein. Denn während Keimfrei-Helene auf ihren Louboutins längst unerreichbar in den Superstarhimmel entschwebt ist, macht Ex-Arzthelferin Berg kein Hehl daraus, dass sie von der Basis kommt, und für die Basis singt.

Sie arbeitet Schlager, lebt Funkenmariechens Traum. Und sie kennt sie alle, die Tricks der Kerle. „Ein Tag mit Dir im Paradies ist mir die Hölle wert“, singt die Berg. Und man darf vermuten: Männer-Menschenopfer sind nicht ausgeschlossen. Die laszive Lust-Uschi macht keine Gefangenen. Andrea, auch mal derb, gibt sich so frech und lüstern, wie viele ihrer Fans gerne mal wären.

Über die Musik kann man nicht streiten, sondern muss man sogar. Die Zeiten, als Leute wie Marianne Rosenbergs wunderbarer Produzent Joachim Heider Schlager noch mit Liebe zur Musik komponiert und arrangiert haben, sind längst vorbei. Heute regieren die Bohlens, die uns schon tausend Mal belogen und betrogen haben, mit immergleichem Synthie-Gedudel. Ein Elend ist das. Aber wenn schon moderner Schlager – dann bitte so sympathisch, so unterhaltsam, so geerdet wie bei Andrea Berg.

Jörg Heinrich

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