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Anke Engelke mal ganz ernst: Nun glänzt sie im Kinodrama „Mein Sohn“

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Von: Katja Kraft

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Anke Engelke in einer Szene von Lena Stahls Kinodramas „Mein Sohn“
Eine Mutter voller Sorgen: Anke Engelke in „Mein Sohn“, der Donnerstag startet. © Warner

Comedy-Star Anke Engelke kann auch ernsthaft - und wie! Nun ist sie in Lena Stahls berührendem Drama „Mein Sohn“ im Kino zu sehen. An der Seite von Jonas Dassler spielt sie eine Mutter am Rand der Verzweiflung. Wir sprachen mit Anke Engelke über die Frage, wie weit Elternliebe gehen darf.

Man kennt sie vor allem aus komödiantischen Sendungen wie der „Wochenshow“ oder „LOL“. Nun ist Anke Engelke (55) in Lena Stahls Drama „Mein Sohn“ in einer ernsten Rolle im Kino zu sehen: Sie spielt die Mutter von Jason (Jonas Dassler), der einen schweren Unfall hatte, doch weiter tun will, was ihm gefällt. Ein Gespräch mit Anke Engelke über Eltern und Kinder – und die Frage, wem das eigene Leben gehört. Auf ihren Wunsch geben wir es mit Gendersternchen wieder.

Der Film macht sehr ehrlich deutlich, was es heißt, ein Kind zu haben. Für Sie als Mutter: stimmig?

Anke Engelke: Oh ja, das hat mich an dem Film auch besonders interessiert – die ständige Frage nach Verantwortung für sich und für andere. Und: Wie viel gehört ein Mensch jemandem? Das betrifft ja nicht nur die Eltern-Kind-, sondern jede zwischenmenschliche Beziehung.

Nicht nur ein Film für Eltern also ...

Anke Engelke: Genau. Denn: Wir sind nicht alle Eltern, aber wir sind alle „Kinder von“. Selbst, wenn wir adoptiert sind oder Vollwaisen – wir kommen von irgendwem, und da haben wir was mitgekriegt. Der Film thematisiert genau das: Wie groß ist der Anteil der familiären Prägung in uns? Und wie sehr können wir uns davon lösen? Es gibt Leute, die haben null Kontakt zu ihren Eltern, weil es nicht klappt. Freiwillig, unfreiwillig – kein Kontakt. Das finde ich spannend, sich das anzugucken.

Das bei anderen zu analysieren, ist meist einfacher, als die eigene Familie zu durchblicken.

Anke Engelke: (Schmunzelt.) Stimmt. Doch auch da sind wir alle keine Profis und können falsch liegen mit unseren Interpretationen. Aber ich finde es zeitlos interessant. Echt, da kann die Welt völlig an die Wand fahren, doch das eint uns alle – da geht unser Blick plötzlich auf und wir wissen: Hey, ich komme ja von irgendwo, muss ich da eigentlich dankbar sein, muss ich mich da auch mal beschweren?

Ihr Filmsohn wirft seiner Mutter vor: „Du hast mich geboren! Ich habe nicht darum gebeten.“

Anke Engelke: Und: „Warum hast du nicht noch ein Kind gekriegt? Warum musst du das jetzt alles mit mir ausmachen?“ Ja, es ist regelrecht grausam, was er da macht. Sie ist aber auch offen für Schmerz, sie nimmt das alles an, ist hypersensibel.

Lena Stahl hatte Sie und Jonas Dassler beim Schreiben bereits vor Augen. Sie hat wohl gespürt, dass Sie und er aus „demselben Holz“ geschnitzt sind, wie Sie es mal formuliert haben. Wie meinten Sie das?

Anke Engelke: Vermutlich habe ich damit gemeint, dass wir beide keine Lust haben auf Mätzchen, auf Schablonen und Klischees. Wir haben das Bedürfnis, Menschen zu zeigen, über die man nicht hinweggehen darf. Da wird’s dann schnell politisch: Wir müssen auch hingucken bei den Menschen, deren Meinung wir nicht teilen, die wir grotesk finden oder absurd oder toxisch. Das fällt einem natürlich total schwer, wenn das so gegen die eigene Haltung geht, aber da müssen wir dann aufmachen.

Sie tun das oft komödiantisch – wie schwierig war es, es auf solch ernsthafte Weise zu tun wie hier?

Anke Engelke: Dank Lena gar nicht schwer. Wir haben intensiv geprobt, so intensiv wie ich es selten erlebt habe. Wir sind aufs Land gereist zu dritt, haben dort ein paar Tage in einem Haus gewohnt und uns miteinander auseinandergesetzt, mit der Geschichte, den Figuren. Es ist beim Drama nicht anders als bei einer Komödie: Auch hier muss man für den Moment das beiseitelassen, was man selber fühlt und ist. Ich mache da quer durch alle Genres keinen Unterschied, wie ernst ich die Figuren nehme – ich nehme die alle ernst. Auch wenn ich eine alberne Perücke aufhabe, am Ende zeige ich ja einen Menschen. Nie geht es darum, jemanden vorzuführen, es geht darum, die Zuschauer*innen einzuladen: Schaut mal anders drauf. Auf diese durchgeknallte Person, was für absurde Gedanken und Gefühle repräsentiert sie hier. Aber das gibt es: Schaut’s euch mal an.

Dem Film gelingt es, dass wir hinschauen wollen – weil er auf der dünnen Linie zwischen Lachen und Verzweifeln tänzelt.

Anke Engelke: Stimmt, denn das ist das Leben. Und seien wir ehrlich, wir sind ja alle oberflächliche Dödel. Wir laufen aneinander vorbei, auch ich spreche nicht jeden an auf der Straße und sage: „Du, ich würde übrigens gern mal dein Schicksal beleuchten.“ Nee, wir laufen weiter und haben unsere Scheuklappen. Gerade Leute wie ich, die ein bisschen in der Öffentlichkeit stehen, die ständig Feedback kriegen. Wir waren mit Teilen des Filmteams essen, da meinte ein Kellner: „Sind Sie das?“ Und zeigte mit dem Finger auf mich. „Machen Sie mal einen Witz!“ Das passiert mir ständig. Doch es ist interessant: Wenn ich die Menschen dann frage, warum sie das tun, bekomme ich oft zur Antwort: „Wir Zuschauer*innen bezahlen Sie doch!“ Wo ich dann kurz zusammenzucke und denke: Warte mal, warte mal, ich gehöre euch?

Wieder das Stichwort: Wem gehört man?

Anke Engelke: Genau: Gehören Kinder ihren Eltern? Was erwartet man von Menschen, die einem nahestehen? Gehören Künstler*innen dem Publikum? Was erwartet ein Publikum, wie viel muss man geben, wie viel muss man aufgeben?

Und wie gehen Sie mit Kritik des Publikums um?

Anke Engelke: Sie meinen das, was über mich geschrieben wird? Das nehme ich gar nicht so sehr wahr. Ich bin nicht bei den Sozialen Medien, ich habe kein Smartphone, ich kriege nicht diese Ebene mit, auf der es nur ums Bewerten und Verurteilen geht. Natürlich verpasst man dann vielleicht was, wird auch so ein bisschen belächelt. Doch für mich sind echte Gespräche wichtig, von Angesicht zu Angesicht. Die sind für mich wertvoll. Auch das: einfach mal ausprobieren!

Der Film „Mein Sohn“ startet am 18. November 2021 in den deutschen Kinos. Unsere Kritik lesen Sie hier

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