Als Kind hasste er sein Instrument

Unterwegs mit einem Flötisten der Münchner Philharmoniker

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Herman van Kogelenberg bereichert die Münchner Philharmoniker als Solo-Flötist.

Wie ein normaler Arbeitstag bei den „Philis“ aussieht, verrät der Soloflötist Herman van Kogelenberg (38). Wir begleiteten ihn von der Probe am Samstag bis zum Konzert am Sonntagabend. 

München - Die Querflöte führt im Orchester zwar ein klanglich durchaus markantes ­Eigenleben, aber die großen Ovationen gibt’s eher selten. Es sei denn, man spielt ein Solostück. So wie der holländische Soloflötist Herman van Kogelenberg (38), der im Konzert mit seinen Münchner Philharmonikern noch heute Debussys Syrinx kredenzt – solo. 

Allerdings: Dafür steht der Querflötenspieler nicht vorm Orchester auf der Gasteig-Bühne, sondern links oben hinter den Scheinwerfern. Und wie war die Premiere am Sonntag? „Super. Alle sind zufrieden“, sagt lachend der Musiker, der seit fünf Jahren bei den Philis ist. 

Der Musiker im Kreise seiner Kollegen.

Die Blockflöte hat er als Kind gehasst

Nein, Lampenfieber habe er nicht. „Anspannung schon, und das ist auch gut so. Man muss ja etwas darstellen wollen. Ein Konzert sei ohnehin immer eine ganz spezielle Atmosphäre“. Speziell wie seine Karriere. Die Blockflöte hat er als Kind gehasst und sich und seinen Eltern geschworen: nie mehr Musik! 

Das änderte sich mit der Querflöte, und dann ging’s Schlag auf Schlag: Als 20-jähriger Student in Amsterdam sagte ihm sein Professor: Mach ein Probevorspiel, zur Übung. „Dass ich die Stelle in Lüttich tatsächlich bekommen habe, damit hat niemand gerechnet“, sagt van Kogelenberg. 

„Holz mischt sich einfacher mit dem Orchesterklang“

Die Karriere führte ihn vom Concertgebouw Orkest unter Mariss Jansons (2. Flöte) nach Rotterdam (1. Flöte) und zum Soloflötisten der Münchner Philharmoniker. Der Familienvater spielt ­eine Holzflöte von Sankyo. „Seit einigen Jahren können Holzflöten ebenso stabil und kräftig klingen wie die aus Gold“, erklärt er. „Und ich finde, Holz mischt sich einfacher mit dem Orchesterklang.“ Und dann geht’s raus aus der Umkleide und rein in die erste Probe.  

Ein Solostück für Querflöte im Philharmoniker-Konzert gibt’s nicht alle Tage: Herman van Kogelenberg durfte in der Philharmonie zeigen, was er kann – mit Debussys Syrinx, das er nicht auf der Bühne blies, sondern links oben auf der Galerie.

Ein Solostück für Querflöte im Philharmoniker-Konzert gibt’s nicht alle Tage: Herman van Kogelenberg durfte in der Philharmonie zeigen, was er kann – mit Debussys Syrinx, das er nicht auf der Bühne blies, sondern links oben auf der Galerie (unten). „Da oben war es ziemlich warm, aber ich hatte ungefähr einen Meter ,Auslauf‘ und habe die oberen Reihen des Publikums gesehen“, sagt er. Linkes Foto: Nach getaner Arbeit gibt’s Applaus auf der Bühne, Dirigentin Barbara Hannigan klatscht vor.

Für sein Solo zog sich van Kogelenberg an einen ungewöhnlichen Ort zurück.

Sein Rad, sein Spind, seine Uniform

„Setzt du fürs Foto auf dem Radl bitte deinen Helm auf?“, fragt unser Fotograf Sigi Jantz. „Ich bin Holländer, ich habe keinen Helm“, sagt Herman van Kogelenberg und lacht. Der 38-Jährige radelt bei jedem Wetter die rund sieben Kilometer in 20 Minuten („je nach Ampeln“) von Trudering zum Gasteig und retour. „Das ist super, ich bin gleich raus aus dem Schlafzustand und hellwach“, sagt er. 

Der Niederländer ist ein begeisterter Radsportler.

Am Gasteig angekommen, geht’s in den Umkleideraum für Oboisten und Flötisten. Jeder hat einen Spind, wo das Konert-Outfit gelagert wird: Frack, Schuhe. Einen Frack hat der Soloflötist hier immer hängen, um ihn für die Konzerte anzuziehen. Bei den Proben zu den Konzerten geht es natürlich „in Zivil“. Wobei das Anziehen des Fracks etwas auslöst vorm Konzert: „Man ist im Konzertmodus. Fokussiert.“

Unterdessen droht dem Gasteig die Totalschließung, wenn kein passendes Ausweichquartier gefunden wird.

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