Münchner Künstler mit neuen Alben

Astor und Bittenbinder: Schluss mit lustig

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Veronika Bittenbinder und Willy Astor jeweils im Interview mit der tz.

München - Nein, es muss nicht immer Gaudi sein und nicht immer laut. Zwei neue Alben von Münchner Musikern kommen mit ungewöhnlich nachdenklichen Tönen. Wir haben mit Willy Astor und Veronika Bittenbinder gesprochen:

Schluss mit lustig bei Astor

Willy Astor (55) wagt mit dem Album Chance Songs (erscheint heute) einen großen Schritt und präsentiert sich als ernsthafter Liedermacher. Er, der als komödiantischer Wortdrechsler bekannt wurde, wollte mal sehen, wie gut das klappt, wenn er ernstere Texte vertont. „Man muss neugierig bleiben“, sagt er. Das -Interview:

Wieso hat es so lange gedauert, so ein Album zu veröffentlichen?

Willy Astor: Ich hatte das Gefühl, dass ich mit Mitte 50 in der Lage bin, unpeinlich meine Gedanken zur Liebe oder zur Situation der Gesellschaft auszudrücken. Ich wollte ein Album über die Chancen des Lebens machen – daher der Titel.

Das Album ist musikalisch sehr vielseitig geworden…

Astor: Ich arbeite mit verschiedenen Stilen – von Bossa Nova bis hin zu bluesigen Titeln. Und generell sind Leute wie James Taylor oder die Beatles meine DNA.

Die Texte sind eher nachdenklich. In „Insel der Glückseligkeit“ geht es um die Larmoyanz einer Gesellschaft, der es eigentlich sehr gut geht…

Astor: Wir beschweren uns auf sehr hohem Niveau. Wenn einem etwa in der Straßenbahn die schlechte Laune entgegenschlägt, fragt man sich schon: Was wollt ihr denn eigentlich?

Sie haben zwei kleine Kinder – hängt es damit zusammen, dass Sie sich ernste Gedanken über die Welt machen?

Astor: Sicher. Ich will denen die Welt erklären und sie zu zukunftsfähigen Menschen machen. Ich bin in einer sehr sorglosen Zeit aufgewachsen, auf meine Kinder kommt vermutlich mehr zu. Man will sie vorbereiten auf die Welt und zu mitfühlenden Menschen machen, nicht zu mitleidenden.

Was treibt sie an, immer neue Sachen auszuprobieren?

Astor: Ich bin extrem froh über meine unabgeschlossene Ausbildung in der Kunst. Die Entwicklung ist nie vorbei. Dieser Drang, immer wieder etwas Neues anzufassen, das ist auch ein Motor. Ich wollte nie nur Kabarettist sein oder nur Musiker. Mich interessieren eben verschiedenste Farben – und ich bin froh, dass mein Publikum diese Scherenschläge mitmacht.

Zoran Gojic

Funk à la Bittenbinder

Funk mit nachdenklichen Texten ist eher ungewöhnlich. Die 24-jährige Musikerin Veronika Bittenbinder präsentiert sich und ihre Band mit dem Album Da sind wir. Zuletzt sah man sie live bei der Gala zum Bayerischen Filmpreis. Die Tochter der Schauspielerin Johanna Bittenbinder (59) und des Bassisten, Schauspielers und Kabarettisten Heinz-Josef Braun (59) gab der Band den Namen ihrer Mutter. Warum, das sagt sie im tz-Interview:

Stimmt es, dass Sie den Namen der Band als Erinnerung an Ihren Großvater gewählt haben?

Veronika Bittenbinder: Ja, der war für mich sehr prägend. Das war mein Bauernhofopa. Ich habe viel später erst verstanden, was er alles für uns getan hat. Er kam nach dem Krieg aus Rumänien und fing hier von null an. In Unterhaching hat er einen ¬Bauernhof aufgebaut und bis zuletzt betrieben. Ganz am Schluss hat er dann einen guten Deal ausgehandelt. Von dem Geld hat er einen Bauernhof im Allgäu gekauft – und Häuser für Familienmitglieder. Er hat sich immer für mich eingesetzt. Ich bin jetzt die letzte Bittenbinder, und diese Band ist ein ¬wenig mein Lebensprojekt. Da war es mir ein Bedürfnis, sie nach ihm zu ¬nennen.

Sie sind in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. War der Braun-Opa auch Künstler?

Bittenbinder: Nein, der war Maurer. Da ist mein Papa wie meine Mama auch einen anderen Weg gegangen.

Das ist das erste Album, aber auf der Bühne stehen Sie schon lang…

Bittenbinder: Mit meiner Mutter habe ich ein Leseprogramm, und wir waren auch schon mit dem Papa zu dritt auf der Bühne.

Wie kam Ihre Liebe zum Funk?

Bittenbinder: Das ist einfach meine Musik. Auch meine ¬Eltern sind Soul- und Funkfans. Ich ¬habe das also schon gehört, als ich noch ein Kind war. Platten von Künstlern wie Ray Charles sind ständig bei uns gelaufen.

Sie schreiben nicht unbedingt ¬Partytexte, sondern sehr engagierte. Im Funk eher ungewöhnlich…

Bittenbinder: Im Englischen fällt es nicht so auf, wenn die Texte etwas oberflächlich sind. Auf Deutsch ist es schwierig, da rutscht man schnell in ein Schlagerniveau ab. Wenn der Inhalt nicht da ist, dann wird es auch schnell langweilig. Deswegen habe ich schon den Anspruch, etwas aussagen zu wollen.

Wer ist die letzte Instanz bei Ihnen, um Ihre Musik abzusegnen?

Bittenbinder: Der Papa. Wenn er sagt, es passt, dann ist es abgesegnet (lacht).

Antonio Seidemann

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