Ani ist wieder daheim

Auftakt des Krimifestivals München: Steckdose für die Fantasie

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Das Publikum in der Alten Rotation unserer Zeitung lauschte gebannt Friedrich Anis Lesung aus seinem neuen Roman „Die Ermordung des Glücks“.

Friedrich Ani stellt in der Alten Rotation unserer Zeitung sein neues Werk vor und plaudert über seine Art zu schreiben.

„Ich wollte mein Leben verdienen mit Schreiben“, erinnert sich Friedrich Ani und lässt seinen Blick schweifen durch die Alte Rotation, die ehemalige Druckerei des Pressehauses Bayerstraße, in der bis 1994 nachts der „Münchner Merkur“ und die „tz“ hergestellt wurden. 1981 hatte er seine Karriere hier als Volontär des „Münchner Merkur“ begonnen, erzählt der Autor ein wenig melancholisch. Ein guter Journalist sei er allerdings nie gewesen, dafür habe ihm die Technik gefehlt, fügt er betont bescheiden hinzu. „Aber Schreiben war für mich schon immer wie eine Steckdose. In die habe ich meine Fantasie eingestöpselt – und dann war es hell.“

Um zu beweisen, dass dieser Mechanismus noch immer funktioniert, um sein neues Werk „Die Ermordung des Glücks“ (wir berichteten) vorzustellen und um gleichzeitig das Krimifestival 2017 zu eröffnen, fand sich am Montagabend Ani am Geburtsort seines beruflichen Werdegangs wieder. Eine wirkliche Schreibtechnik, die ein geplantes Vorgehen verlangt, habe er noch immer nicht, plaudert der Autor, der 1959 als Sohn eines syrischen Arztes und einer Schlesierin in Kochel am See geboren wurde, aus dem Nähkästchen. „Ich lasse mich eher treiben und glaube fest daran, dass es eine Art kosmische Garderobe gibt, in der alle literarischen Figuren sitzen und überlegen, zu welchem Autor sie gehen.“ Dem sagten sie dann Texte auf, die er als Chronist mitschreibe und die ihn erst inspirierten, fabuliert er, um mit ironischem Unterton hinzuzufügen: „Ich bin nämlich gar nicht so der Superautor.“

Friedrich Ani (re.) erzählte den Zuhörern und BR-Moderator Dirk Kruse, dass der Anfang seines Schreibens im Journalismus lliegt. Er zeigte auch seinen Anstellungsvertrag aus dem Jahr 1981 als Volontär beim „Münchner Merkur“ her.

Die Liste, die BR-Moderator Dirk Kruse aufzählt, um dem Publikum Anis Erfolg nochmals vor Augen zu führen, widerlegt diese Behauptung: Knapp 40 Romane hat „Fritz“, wie ihn Kruse nennt, schon verfasst, daneben zahlreiche Dreh- und Hörbücher geschrieben, und bereits sieben Mal den deutschen Krimipreis erhalten. Und das zu Recht, wie die auf das Gespräch zwischen Ani und Kruse folgende Lesung von vier Szenen aus dem neuen Fall des pensionierten Ermittlers Jakob Franck beweist. Ohne die ausgewählten Stücke zu erklären oder zu kommentieren, malt Ani mit seiner für einen Autor sehr professionellen Lesestimme atmosphärisch dichte Ausschnitte in den Raum, denen das Publikum gebannt lauscht. In düsteren Worten schildert er das unendliche Leid der Mutter, die den Tod ihres elfjährigen Sohnes nicht fassen kann, und die verzweifelte Hilflosigkeit des Ex-Polizisten, der an dem eigenen Versagen zerbricht.

„Das ist Humbug“

Zum Abschluss der bis dahin sehr gelungenen Buchpremiere kommt ein dritter Gast auf der Bühne: Raimund Fellinger, Cheflektor des Suhrkamp Verlags, zu dem Ani nach vielen Jahren beim Droemer Verlag gewechselt ist, macht kein Geheimnis daraus, dass er den Autor als „Galionsfigur der Literatur“ sieht. Zwar gibt er ein wenig zähneknirschend zu, dass die Entscheidung, Krimis mit in das Suhrkamp-Angebot aufzunehmen, auch den Bedürfnissen des Marktes geschuldet ist – „Was verkauft sich denn im Buchladen? Sex, Crime und ein bisschen Fantasy…“ –, rudert aber sofort wieder zurück, indem er betont, dass es ihm ausschließlich um Literatur gehe: „Und da kann dann auch ein Krimi darunter sein.“ Friedrich Ani könne eben gute Literatur schreiben – im Gegensatz zu vielen anderen Krimiautoren. „Heute meint doch jeder, er besucht ein Mystery-Seminar und dann kann er Krimis verfassen. Das ist Humbug!“, wettert Fellinger. Deshalb sei ihm auch wichtig, dass Anis Kriminalromane zwar ausschließlich in München spielten,  aber  alles  andere  als Regionalkrimis seien, „denn da gibt es wirklich viel Bodensatz“.

Weitere Pläne mit Friedrich Ani will der Cheflektor auch auf mehrmalige Nachfrage Kruses nicht thematisieren. Und wie zu Beginn seines Auftritts bricht hier ernüchternd bei allem elitären Literatentum der Geschäftsmann in Fellinger durch: „Jetzt wird erst einmal dieses Buch hier verkauft.“

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