Letzte Klappe gefallen

Aus für das Volkstheather: Helfrichs Abschiedsbrief im Wortlaut

+
Er ist enttäuscht, schaut aber dennoch zuversichtlich in die Zukunft: Bernd Helfrich (r.).

Es war eine Nachricht, die für Diskussionen sorgte: Der Bayerische Rundfunk (BR) wird (vor allem aus Kostengründen) keine neuen Folgen des „Chiemgauer Volkstheaters“ mehr produzieren.

München - Am Donnerstag fiel im Kleinen Theater in Haar die letzte Klappe vor den Kameras des BR. Bernd Helfrich (72), Chef, Regisseur und Hauptdarsteller der Kultbühne, verabschiedete sich mit emotionalen, aber auch sehr kritischen Worten von seinen Fans.

Lesen Sie auch: Kommt die Landesgartenschau nach Weilheim? Ende Juli fällt die Entscheidung

Helfrichs Rede im Wortlaut

Liebe Freunde des „Chiemgauer Volkstheaters“,

32 Produktionen bei Sat.1, unserem ersten Sender, hatten wir im Kasten, als uns der damalige Fernsehdirektor des BR, Wolf Feller, zu sich in den Bayerischen Rundfunk holte. „Ihr gehört zu uns, der BR ist eure Heimat!“, sagte er. Das war 1994. 214 TV-Produktionen später können wir mit Stolz sagen: Wir sind das erfolgreichste deutsche Fernsehtheater! Dafür sagen wir Danke!

Auch die dann folgende Führungsriege des BR um Intendant Thomas Gruber, Fernsehdirektor Gerhard Fuchs und Unterhaltungschef Thomas Jansing hat uns 20 Jahre lang das alte bayerische Gefühl „Dahoam is dahoam“ im Bayerischen Rundfunk gegeben. Auch dafür ein herzliches Dankeschön!

Wir konnten uns in vielen persönlichen Gesprächen und Arbeitsschritten, die geprägt waren von gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung, davon überzeugen, dass das „Chiemgauer Volkstheater“ eine entscheidende Rolle in der Vielfalt des Programms und der Verpflichtung eines öffentlich-rechtlichen Senders der Region gegenüber einnimmt. Nachdem diese für uns sehr wichtigen Partner den Sender verlassen hatten, änderten sich die Vorzeichen.

Intendant Ulrich Wilhelm kenne ich nur aus dem Fernsehen, und vom neuen Fernsehdirektor weiß ich nicht einmal den Namen! Ich bin aber auch nicht sicher, ob er meinen kennt oder mein Gesicht vom Fernsehen. Sender und Theater haben sich immer mehr auseinanderentwickelt, die familiäre Atmosphäre verschwand mehr und mehr.

Die Art und Weise, mit der Herr Jansing, Herr Fuchs und Herr Gruber unser kleines Jubiläum, unsere 125.  TV- Produktion, einst gewürdigt haben, ist uns in guter Erinnerung geblieben. Umso schmerzlicher war die Feststellung, dass die 150. Produktion keinerlei Echo fand.

Als dann beim Sender Mitarbeiter entlassen wurden und unsere Produktionen zunächst von zehn auf acht, dann von sechs auf vier und zuletzt auf zwei pro Jahr reduziert wurden, wussten wir, dass dieser Familie die Scheidung droht. Und so hat uns dann der neue Fernsehdirektor vor ein paar Wochen über die Redaktion wissen lassen, dass er die Zusammenarbeit mit dem „Chiemgauer Volkstheater“ beenden möchte. Ich bin ihm dankbar, dass ich es nicht aus der Zeitung erfahren habe.

Aber, liebe Freunde und Fans, es gibt auch eine gute Nachricht: Die Tournee wird es weiter geben, ebenso wie Gastspiele in der Komödie im Bayerischen Hof, auch stehen wir in Verhandlungen mit einem anderen Sender. Bedanken möchte ich mich bei meinem treuen Ensemble, das viele Wellen mitgegangen ist, bei den Gästen, die uns immer wieder beehrt haben, bei den tollen Mitarbeitern des BR, auch vor und hinter der Kamera, und vor allem bei meiner Frau Mona Freiberg, die die Geschicke des „Chiemgauer Volkstheaters“ gelenkt und die Klippen zwischen den Produktionen und dem jeweiligen Sender stets geschickt umsegelt hat. Sie war 25 Jahre Produzentin, Redakteurin, Dramaturgin, Regisseurin, Casterin und eine klasse Schauspielerin! Sie war und ist der Fels in der Brandung – die Mutter der Kompanie!

Ich schließe mit dem Lieblingssatz meiner Mutter, der unvergessenen Amsi Kern: „Selten ein Schaden, wo net auch ein Nutzen dabei ist“! Wir schauen mit Spannung nach vorne.

Ihr Bernd Helfrich

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Konzertkritik: Glitzer-Diva Kylie Minogue tanzt durchs Zenith
Konzertkritik: Glitzer-Diva Kylie Minogue tanzt durchs Zenith
Konzertkritik: So war Nightwish in der Olympiahalle
Konzertkritik: So war Nightwish in der Olympiahalle
Cro in der Münchner Olympiahalle: Zwischen Smartphonelichtern und Eisberg
Cro in der Münchner Olympiahalle: Zwischen Smartphonelichtern und Eisberg
Mark Knopfler: „Man wird ein Dinosaurier“
Mark Knopfler: „Man wird ein Dinosaurier“

Kommentare