Konzertkritik

Baroness im Backstage: Edelschweiß aus Georgia

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Ansteckende Energie: Baroness-Chef John Baizley mit Bassist Nick Jost

München - Baroness zeigen bei ihrem überwältigenden Konzert im Backstage, warum sie als eine der besten Livebands der Welt gelten.

"Thank you for sweating with us", ruft John Baizley nach knapp anderthalb Stunden ins Mikro. Dann geben Baroness den Fans in der ausverkauften Backstage-Sauna mit den drei Zugaben "The Sweetest Curse", "Jake Leg" und "Isak" den Rest. Bestes Rockkonzert des Jahres? Gut möglich. Auf jeden Fall das wegweisendste.

Wie keine Band seit den semi-legendären System of a Down versteht es der Vierer aus Savannah, Georgia, die Fan-Szenen auf sich zu vereinigen. Vom Indie-Rock-Nerd bis zum Jeanskutten-Metaller ist alles vertreten bei den Gigs der Amis. Der Musikstil ist für Nichtkenner mit einer Mischung aus Progressive-, Sludge-, und Stoner-Metal nicht annähernd umschrieben. Twin-Guitar-Läufe von Thin Lizzy-Format, rauer, aber gekonnter Harmoniegesang, dazu klischeefreie Melodien - so kommt man der Sache schon näher. Das Hamburger Abendblatt traf den Nagel mit einer "Mischung aus Wishbone Ash, Iron Maiden, Crowbar, Down und Alice In Chains" neulich ziemlich genau auf den Kopf.

Aber die hypnotischen Kompositionen, nachzuhören auf den drei bisherigen Studiowerken "Red Album", "Blue Record" und "Yellow & Green" dienen Baroness nur als Steilvorlage. Versenkt wird die Kugel auf der Bühne. Gitarrentier Peter Adams bangt sich beim eröffnenden Killer-Dreier "Take My Bones Away", "March to the Sea" und "A Horse Called Golgotha" die Seele aus dem tätowierten Leib, der noch reicher verzierte Bandgründer Baizley hat die Meute auch ohne große Ansagen jederzeit im Griff. Dazu die neue Rhythmusabteilung Sebastian Thomson (dr.) und Nick Jost (b.), welche die nach dem schweren Tourbus-Unfall vor einem Jahr ausgestiegenen Allen Blickle und Matt Magioni ersetzt - fertig ist das filigranste Abrisskommando, das die Rockwelt derzeit zu bieten hat.

Die Tod-von-der-Schippe-Attitüde lässt sich am besten aus Baizleys Unfallbericht ablesen, bei dem der Bus im englischen Bath neun Meter tief von einer Brücke stürzte: "Ich realisierte, dass das Leben wie ein Lichtschalter von An auf Aus geschaltet werden kann. Nach diesem Moment hörte ich Schreie, fühlte den Schmerz, schmeckte mein eigenes Blut und war erfüllt von Freude. Ich war inmitten des Chaos und des Schreckens in Ekstase, weil es lebendig und real war."

Lebendig, real, Chaos, Ekstase. Da ist sie, die treffendste Baroness-Beschreibung.

Thank you for making us sweat!

Ludwig Krammer

Setlist: Ogeechee Hymnal, Take My Bones Away, March to the Sea, A Horse Called Golgotha, Foolsong, Little Things, Green Theme, Swollen and Halo, Board Up the House, Sea Lungs, Cocainium, The Line Between, Eula, The Gnashing, The Sweetest Curse, Jake Leg, Isak

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