Konzertkritik

Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow

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Urwüchsig gute Laune: Belle & Sebastian stellten in München ihre neue CD vor.

Belle and Sebastian verzaubern München: Beim ausverkauften Konzert der Glücklichmacher aus Glasgow in der Muffathalle galt einmal mehr: „Love is in the Air“.

Man nehme eine grimmige Metal-Kapelle, die wüst auf ihre Saiten eindrischt – und stelle sich dann das absolute Gegenteil vor. Schon landet man bei Belle and Sebastian, der reizendsten Indiepop-Band, die Schottland (und jedes andere Land) je hervorgebracht hat. Beim ausverkauften Konzert der Glücklichmacher aus Glasgow in der Münchner Muffathalle galt einmal mehr: „Love is in the Air“. Großartige Popmusik zum Dahinschmelzen, zwischen Carpenters und Lady Gaga, die sieben Musiker ebenso entspannt wie ihre Fans. Und alle freuten sich gemeinsam über das neue Album, das just am gleichen Tag erschienen ist.

„How to solve our human Problems“ („Wie wir unsere menschlichen Probleme lösen“) heißt die überaus gelungene Platte, die aus drei EPs besteht. Wieder so eine schrullige Idee von Sänger Stuart Murdoch und seinen treuen Seelen, die vor 22 Jahren bei einem Arbeitsbeschaffungs-Projekt zusammenfanden. Und wie würde die Band, in der niemand Belle oder Sebastian heißt, die menschlichen Probleme lösen? Sie würde die Welt umarmen und niederkuscheln. Siehe München. Stuart entschuldigt sich für den Brexit, schwärmt vom 72er-Olympia-Hund Waldi – und singt einen freundlichen Ohrwurm nach dem anderen. Das ungewöhnlich elektronische „We were beautiful“ ist einer der neuen Höhepunkte. Geigerin Sarah Martin kann zwar immer noch nicht singen. Aber niemand nichtsingt so schön wie sie. Herrlich, wie sie haucht zum Beispiel beim aktuellen Hit „The same Star“.

Wobei: Weltweite Hits sind nicht der Fall von Belle and Sebastian. Hier geht’s um Klassiker, die die Fans tief in ihren Herzen tragen. Bei „The Boy with the Arab Strap“ dürfen Münchner Zuschauer um Murdochs Keyboard herumtanzen wie einst bei Ilja Richter in der „Disco“. Und als Zugabe schnapsen die Schotten „Sleep the Clock around“ aus, noch so ein Fan-Liebling. Alles in allem ein wunderbares Smallest-Hits-Konzert.

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