Wertvolle Tipps

Elf Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenken und lesen sollten

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Bücher, die auf eine Geschenkeliste oder die eigene Wunschliste gehören. 

Manche behaupten, ein Buch sei ein einfallsloses Weihnachtsgeschenk. Stimmt nicht. Unsere Autorin hat in diesem Jahr bezaubernde, starke, mutige Bücher gelesen, die auf eine Geschenkeliste oder die eigene Wunschliste gehören. 

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

Sie suchen noch ein Geschenk für Weihnachten für einen Menschen, der gerne Romane liest? Hier ist es. Erst war ich skeptisch: Die Geschichte eines Knechts, der Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Alpendorf arbeitet, klang etwas langweilig. Doch nach wenigen Seiten ist man gefangen in dieser Story, die nicht mehr und nicht weniger liefert, als was das Cover verspricht: eben "Ein ganzes Leben". Aber was für ein Leben! Glück, Trauer, Mut - alles so nah beisammen.

Wie Seethaler das Auf und Ab des Protagonisten Andreas Egger aufschreibt, ist ein Event. Es berührt. Frauen und Männer. Und man denkt zwangsläufig über sein eigenes Leben nach. Wenn das einem Autoren gelingt, handelt es sich wohl eindeutig um ein Buch, das man gelesen haben muss.

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben. Erschien am 18. Januar 2016 als Taschenbuch im Goldmann Verlag. 192 Seiten. 9,99 Euro.

Richard Yates: Eine letzte Liebschaft. Short Storys

Richard Yates ist ein Meister darin, in wenigen schnörkellosen Sätzen ganze Existenzen zu zerstören. Er beobachtet die Charaktere dabei, ohne sie vorzuführen - und das Ganze mit einer sprachlichen Eleganz, die es zu entdecken gilt.

Yates schreibt über Liebe, Sorgen, Sehnsüchte - und obwohl seine Geschichten mittlerweile mehr als 40 Jahre alt sind, sind sie doch allgemeingültig. So sagt etwa seine Kurzgeschichte "Ein genesendes Selbstbewusstsein" (im neuen Buch "Eine letzte Liebschaft") mehr über Ehen aus, als so manch dicker Schinken. Sein größtes Glanzstück - auch für Yates-Neulinge - ist aber "Zeiten des Aufruhrs", verfilmt mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio.

Richard Yates. Eine letzte Liebschaft. Short Storys. Dieses Buch erschien am 26. September 2016 im Verlag DVA Belletristik. 208 Seiten. 19,99 Euro. Aus dem Englischen von Thomas Gunkel.

Julian Barnes: Lebensstufen

Julian Barnes dünnes Büchlein "Lebensstufen" ist ein Buch, das nachwirkt. Barnes schreibt im letzten Teil dieses Buches über den Verlust seiner Frau und die Phase nach ihrem Tod. Sehr bewegend.

Julian Barnes. Lebensstufen. Das Taschenbuch erschien am 8. August 2016 im Verlag btb. 144 Seiten. 9,99 Euro. Aus dem Englischen von Gertraude Krueger.    

Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka)

Eine Freundin hat mir dieses Buch empfohlen. Lies es, hat sie zu mir gesagt. Ihr Vater und ihre Schwester hätten es schon gelesen, sie selbst sei ungefähr in der Mitte des Buches angelangt, Tränen seien ihr zwischendurch über die Wangen gelaufen, so sehr habe sie dieses 1275 dicke Buch mitgerissen. Und sie wisse schon jetzt, dass sie wehmütig trauern werde, wenn sie Nino Haratischwilis Buch ausgelesen hat. Dass dieser Roman keiner ist, der an der Oberfläche schrammen wird, sondern einer, der uns tief eintauchen lässt, macht die Ich-Erzählerin Niza im Prolog deutlich: „Eigentlich hat diese Geschichte mehrere Anfänge. Ich kann mich schwer für einen entscheiden. Da sie alle den Anfang ergeben. Man könnte die Geschichte in einer Berliner Altbauwohnung beginnen (…). Man kann die Geschichte aber auch mit einem zwölfjährigen Mädchen beginnen (….). Oder man kann ganz weit weg, zu den Wurzeln, zurückgehen und dort beginnen. Oder man fängt die Geschichte mit allen drei Anfängen gleichzeitig an.“

Niza erzählt ihrer jungen Nichte Brilka von ihrer georgischen Familie, über sechs Generationen, sechs Dramen, hinweg und in aller Ausführlichkeit der brutalen, chaotischen, erniedrigenden Szenen der georgischen-russischen Kriege und Revolutionen. Jedem wichtigen Familienmitglied gehört ein Buch zwischen diesen Buchdeckeln: sieben Bücher, benannt nach Stasia (sie ist die herausragende Figur in diesem Roman), der Urgroßmutter der Erzählerin, nach Stasias bildschöner Schwester Christine, nach Stasias Tochter Kitty und den anderen. Das achte Buch heißt Brilka und ist leer, denn Brilka hat noch alles vor sich. Und diese acht Leben verbindet etwas Einmaliges: ein Rezept für eine heiße Schokolade, das Nizas Ururgroßvater, ein Schokoladenfabrikant, entwickelt hat und dessen Formel niemand Fremdes, der davon kostet, zu entschlüsseln weiß. Das Geheimnis sollen seine Töchter hüten. „Laut Stasia rettete diese Entscheidung unsere Familie, wenn nicht sogar unser ganzes Land vor dem endgültigen Ruin.“

Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Nino Haratischwili stammt aus Georgien und hat diesen Roman fulminant auf Deutsch geschrieben.

Nino Haratischwili. Das achte Leben (Für Brilka). Dieses Buch erschien am 1. September 2014 bei der Frankfurter Verlagsanstalt. Hübsch gebunden und mit Lesebändchen. 1280 Seiten. 34 Euro.

Karl Ove Knausgård: Lieben (Das autobiografische Projekt, Band 2)

Knausgård. Schon mal gehört? Nein. Dann fragen Sie mal in Ihrem Bekanntenkreis nach. Irgendeiner ist dieser literarischen Droge bestimmt schon zum Opfer gefallen. Wie Knausgard etwa in seinem zweiten Band "Lieben" über die Sorgen und Nöte eines jungen Familienvaters schreibt, über die Beziehung zu seinen Eltern und über seinen Alltag - ja, das kann man trivial nennen, improvisiertes Ich-Gelaber. Aber man kann es aber auch das nennen, was es wirklich ist: großartige Literatur.

Denn was sich bei Knausgård wie ein Gedanken-Strom liest, ist in Wirklichkeit doch komponiert, auch wenn der klassische Spannungsbogen fehlt. Manche Sätzen laden geradezu dazu ein, sie wieder und wieder zu lesen, weil Knausgård das aufschreibt, was wir denken. Knausgård ist ein Genuss. Aber wer weiß, vielleicht gehören Sie auch zu denjenigen, die mit ihm gar nichts anfangen können.

Karl Ove Knausgård. Lieben. Das autobiografische Projekt, Band 2. Dieses Buch erschien am 12. März 2012 als Hardcover in deutscher Erstausgabe im Luchterhand Literaturverlag. ISBN: 978-3-630-87370- 1. 768 Seiten. 24,99 Euro. Eine Neuauflage erschien als Taschenbuch im Verlag btb am 14. Oktober 2013. 768 Seiten. 12,99 Euro. Aus dem Norwegischen von Paul Berf.   

Antoine Laurain: Der Hut des Präsidenten

Das Wort "entzückend" passt am besten zu diesem Roman. Ich konnte mir beim Lesen herrlich vorstellen, wie diese Geschichte in dieser unnachahmlichen französischen Komödienart ("Die fabelhafte Welt der Amélie", "Monsieur Claude und seine Töchter") verfilmt wird. 

Antoine Laurain erzählt, wie Frankreichs Präsident François Mitterrand seinen Hut in einer Brasserie vergisst. Der Tischnachbar, der unscheinbare, unsichere Daniel, nimmt die Kopfbedeckung mit und sie verändert sein Leben. Viele Zufälle führen dazu, dass dieser Hut mehrfach seinen Besitzer wechselt und jedes Mal etwas vorher Undenkbares bewirkt.

Antoine Laurain. Der Hut des Präsidenten. Dieses Buch erschien am 18. Januar 2016 im Verlag Hoffmann und Campe. 240 Seiten. 20 Euro. Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer.

Jane Austen: Northanger Abbey

Ich bin überzeugt, dass auf mindestens einem Buchrücken im eigenen Wohnzimmerregal Jane Austens Name stehen sollte. Die Romane der englischen Schriftstellerin (1775-1817) sind keine unbedeutenden, unterhaltsamen Frauenbücher, die irgendwann früher spielen. Wer das behauptet, hat ihre Bücher nicht verstanden. Jane Austen hat sich getraut, der Gesellschaft, in der sie lebte, Seitenhiebe zu verpassen. Austen war eine mutige, intelligente Frau mit feinem Humor. Klar, es ging auch um die Liebe, vor allem um die Liebe. Ob eine Frau den Mann fürs Leben aus Vernunft heiratet oder ihrem Gefühl folgt. Austen selbst hatte einen Heiratsantrag abgelehnt.

Ein Austen-Buch, das in der Reihe englischer Klassiker leider oft unerwähnt bleibt, heißt „Northanger Abbey“ – ihr vorvorletzter Roman. Darin schreibt Austen: "Jemand, der keine Freude an einem guten Roman hat, muss unerträglich dumm sein, ganz gleich ob Mann oder Frau." 

Northanger Abbey hebt sich von ihren vorherigen Romanen wie „Stolz und Vorurteil“ und „Emma“ ab, da er zusätzlich zur Liebesgeschichte eine amüsante, teils böse Schauergeschichten-Parodie erzählt – denn die Protagonisten Catherine Morland steigert sich in die Vorstellung hinein, dass die Familie ihres Verehrers ein finsteres Geheimnis hütet. Austen schreibt am Anfang: „Kein Mensch, der Catherine Morland in ihrer Kindheit gekannt hatte, wäre auf die Idee gekommen, sie könnte zur Romanheldin geboren sein. Ihr Platz in der Welt, der Charakter ihres Vaters und ihrer Mutter, ihre eigene Erscheinung und Veranlagung, alles sprach gegen sie.“ Diese Catherine ist also keine Elisabeth Bennet wie in "Stolz und Vorurteil". Doch Sie werden Catherine genauso mögen. 

Jane Austen. Northanger Abbey. Diese schöne Sonderausgabe erschien am 14. Oktober 2016 im Verlag dtv Literatur. 288 Seiten. 12 Euro. Aus dem Englischen von Sabine Roth. 

Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs

Die Reformation wird sich 2017 zum 500. Mal jähren. Und es braucht ein detail- und quellenreiches Sachbuch wie dieses von Schilling (einmalige Sonderausgabe), um den willensstarken Reformator Martin Luther in seiner Vielschichtigkeit, Widersprüchlichkeit zu begreifen. Hier wird nichts geschönt.

Wenn Sie einen Geschichtsinteressierten zu Weihnachten beschenken wollen, empfehle ich diese Biografie.

Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Die aktualisierte Sonderausgabe erschien am 21. Juli 2016 im Verlag C.H. Beck. 728 Seiten. 19,95 Euro.

Yrsa Sigurdardóttir: Nebelmord. Island-Thriller

Die Isländerin Yrsa Sigurdardóttir hat sich für ihren Thriller einen einzigartigen Schauplatz ausgesucht: eine winzige Insel inmitten des eiskalten, wilden Atlantiks. Auf der Insel steht ein klaustrophobisch-enger Leuchtturm. Hier soll eine kleine Gruppe zwei Nächte lang übernachten. Nach einem Unwetter ist ein Mann verschwunden. Auf den Klippen abgerutscht? Oder hat ihn jemand ins Wasser gestoßen? Das ist nicht das einzige grausame Rätsel.

Sigurdardóttir erzählt parallel zwei weitere ängstlich machende Fälle – von einer vermissten Familie und einer Polizistin, deren Mann ein Geheimnis hütet. Und Sie ahnen es: Ja, die drei Fälle hängen miteinander zusammen, auf kluge Weise. Die kalte Jahreszeit ist genau richtig, um diesen Island-Thriller zu lesen.

Yrsa Sigurdardóttir: Nebelmord. Island-Thriller. Das Taschenbuch erschien im Fischer Taschenbuch Verlag. 400 Seiten. 9,99 Euro. Aus dem Isländischen von Tina Flecken.

Martin Suter: Montecristo

Wahnsinnig schnell ist man hineinkatapultiert in eine Geschichte, die wie ein Wirtschaftskrimi beginnt. Wer ist gut? Wer ist böse? Man weiß es nicht. Ein echter Pageturner made in Switzerland. Martin Suter: Montecristo. Dieser Roman erschien am 28. September 2016 als Taschenbuch im Diogenes Verlag. 320 Seiten, 13 Euro. 

David Garnett: Dame zu Fuchs

Die Originalausgabe "Lady into Fox" des britischen Schriftstellers David Garnett (1892-1981; Garnett gehörte zur Bloomsbury Group) erschien 1922. Sie ist die Wiederentdeckung 2016, nachdem sie schon mal in den 50er-Jahren auf Deutsch herausgebracht worden war. Die Erzählung erinnert ein bisschen an Kafkas "Verwandlung", doch die gerade verheiratete, sehr verliebte und gut aussehende Silvia Tebrick (geborene Fox) verwandelt sich nicht in einen Käfer, sondern während eines Waldspaziergangs in eine Füchsin. Fassungslos starrt der Ehemann die fragend und flehentlich schauende Füchsin mit dem hell leuchtenden Fell und buschigem Schwanz mit weißer Spitze an. Doch Richard Tebrick findet sich schnell mit diesem Schicksalsschlag ab. Er entlässt die Hausangestellten, behauptet, seine Frau hätte abreisen müssen, damit niemand Verdacht schöpft. Er erschießt sogar die Hunde, damit sie seine Füchsin nicht wittern und tot beißen. Mr. Tebrick kümmert sich rührend um seine Frau, zieht ihr ein elegantes Morgenjäckchen an, damit sie sich nicht für ihre Nacktheit schämt, gießt ihren Nachmittagstee auf eine Untertasse, von der sie anmutig schleckt, und lässt sie Brot und Butter aus seiner Hand fressen. Er wäscht und bürstet ihr Fell und bespritzt es mit Parfüm, um den beißenden Geruch etwas zu übertünchen. 

Die Füchsin strengt sich an, sich wie eine feine Dame zu benehmen. Trotzdem wird sie zunehmend wilder, verlangt mehr Freiheiten. Mr. Tebrick wendet sich nicht von ihr ab. "Das alles rührte (...) von einer Liebe und wahren ehelichen Treue her, die in dieser Welt kaum ein zweites Mal zu finden sein dürfte", schreibt Garnett. "Und auch wenn man ihn für einen Narren halten mag, einen nahezu Irren, so lässt sich an seiner außergewöhnlichen Hingabe doch vieles finden, was große Achtung verdient."

Maria Hummitzsch hat diese wundersame Liebesgeschichte - mal belustigend, mal traurig ernst - entzückend übersetzt. Garnett schafft es, dass der Leser über die Unmöglichkeit dieser Verwandlung hinwegsieht und mit diesem Liebespaar leidet. 

David Garnett: Dame zu Fuchs. Erschien 2016 im Dörlemann Verlag. 160 Seiten. Hübsche Ausgabe mit Leinenbezug und Lesebändchen. 17 Euro. Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch.

Münchner Buchhändler: Diese Neuerscheinungen müssen Sie lesen

Lesen ist eine der schönsten Beschäftigungen. Zum Welttag des Buches am 23. April hatten Münchner Buchhändler aufgeschrieben, welche Neuerscheinungen Sie lesen müssen. Lesen Sie Rezensionen zu folgenden Büchern: Juli Zeh: Unterleuten; Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut; Deborah Feldman: Unorthodox; Emanuel Bergmann: Der Trick; Abbas Khider: Ohrfeige; Jane Gardam: Eine treue Frau; Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt; Thomas Glavinic: Der Jonas-Komple; David Garnett: Dame zu Fuchs.  

Diese acht Bücher müssen Sie in Ihrem Leben gelesen haben

Am Welttag des Buches 2015 nannte Franz Klug von der ältesten Buchhandlung Münchens acht Bücher, die Sie lesen sollten. Der Buchhändler hat gute Gründe für seine Auswahl.

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