Bestsellerautor über die Psychologie des Bösen

Fitzek: "Manchmal habe ich Angst vor meiner Frau …"

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Über sechs Millionen verkaufte ­Bücher: Sebastian Fitzek (44) fesselt Unzählige mit ­ seinen Thrillern.

München - Autor Sebastian Fitzek ist der Meister der Angst. Er erobert die Bestsellerlisten mit seinen Büchern über Mord, kranke Psychospiele und die Abgründe der Seele. Die tz traf Fitzek.

Er ist der Meister der Angst. Autor Sebastian Fitzek (44) erobert die Bestsellerlisten mit seinen Büchern über Mord, kranke Psychospiele und die Abgründe der Seele. Über sechs Millionen verkaufte Bücher, Übersetzungen in mehr als 20 Sprachen – wer ist der Mann hinter den Horror­storys? Die tz traf Fitzek.

Herr Fitzek, wovor haben Sie am meisten Angst?

Sebastian Fitzek: Vor einer Machtlosigkeit, in einen irreparablen Zustand zu geraten. Wenn ich zum Beispiel in einer Situation für das Schicksal eines anderen Menschen verantwortlich wäre, wie bei einem Autounfall, und das nicht mehr ändern könnte.

Wie kommen Sie eigentlich auf Ihre Geschichten?

Sebastian Fitzek: Aus ganz alltäglichen Situationen heraus. Eine Ex-Freundin hatte mir mal erzählt, dass sie in ihrer Kindheit das Gefühl hatte, schon einmal geboren worden zu sein. Da kam mir die Idee für das Buch Das Kind, in dem ein Junge behauptet, im früheren Leben ein Serienkiller gewesen zu sein. Ganz wichtig in solchen Momenten ist für mich immer die „Was wäre wenn?“-Frage.

Und was fasziniert die Menschen am Bösen?

Sebastian Fitzek: Die Welt an sich ist grausam, aber der Mensch hat einen Verdrängungsmechanismus, um an diesem Schrecken nicht zugrunde zu gehen. Manchmal geht das aber nicht mehr, und dann greifen wir zur Spannungsliteratur. Die Auseinandersetzung mit Schrecken und Tod findet hier nicht mehr auf einer realen Basis statt, sondern auf einer fiktiven. Das ist eine Art Blitzableiter.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsbösewicht?

Sebastian Fitzek: Das klingt vielleicht ein bisschen langweilig, aber die Figur des Hannibal Lecter war schon maßgebend für das Serienkiller- und Psychothrillergenre. Ein Meilenstein.

Sind Ihnen Ihre eigenen Figuren manchmal unheimlich?

Sebastian Fitzek: Es geht nicht ohne Empathie, auch wenn ich für einige meiner Figuren natürlich Antipathie empfinde. Wenn ich mich mit ihnen in der Wirklichkeit treffen würde, hätte ich wahrscheinlich gerne eine Schutzwand dazwischen. Ich würde mich aber mit allen meinen Figuren gerne unterhalten, den Guten wie den Bösen.

Warum behandeln Sie so oft das Thema Kindesmissbrauch?

Sebastian Fitzek: Das ist ein Massendelikt, was mich als Vater sehr beschäftigt. In Deutschland gibt es ­jährlich 300.000 Misshandlungen an Kindern. Das ist eine ungeheuerliche Zahl, und es wird meiner Meinung nach viel zu sehr der Mantel des Schweigens darübergelegt.

Sie haben drei Kinder. Wann würden Sie denen erlauben, Ihre Bücher zu lesen?

Sebastian Fitzek: Wichtig ist immer, dass man die Kinder mit den Themen und Bildern nicht alleine lässt. Das gilt genauso für Videospiele und Filme. Reflektion ist ein wichtiger Punkt.

Und wie ist es für Ihre Frau, mit einem Psychothriller-Autor verheiratet zu sein?

Sebastian Fitzek: Wenn ich vier Monate am Stück schreibe, ist es sicher nicht ganz einfach mit mir. Aber meine Frau ist diejenige, die gerne Horrorfilme oder Ähnliches im Fernsehen schaut. Und ich ertappe mich dann dabei, dass ich weggucken muss. Da habe ich auch manchmal Angst vor ihr (lacht) …

Ein Buch von Ihnen wurde bereits verfilmt. Gibt es weitere Pläne in diese Richtung?

Sebastian Fitzek: Für Das Joshua Profil ist eine Serie geplant, für Abgeschnitten sollen im nächsten Jahr die Dreharbeiten beginnen. Für fast alle Bücher sind die Filmrechte verkauft, wann und ob etwas dann tatsächlich finanziert wird, ist eine andere Sache. Ich glaube es erst, wenn ich die Kinokarte in der Hand habe.

Und Anfragen aus dem Ausland? Fitzek in Hollywood?

Sebastian Fitzek: Es gab auch Angebote etwa aus Los Angeles. Für mein erstes Buch Die Therapie sind die Rechte jetzt wieder frei. Mal schauen, was noch kommt (lacht).

Um was geht’s in Ihrem Buch „Das Joshua Profil“?

Sebastian Fitzek: Es ist eine Familiengeschichte, und im Kern geht es um die Vorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens – alleine durch das, was wir von uns preisgeben, etwa im Internet. Diese Vorhersehbarkeit hat auch in die Polizeiarbeit Einzug gehalten und wird „predictive policing“ genannt. Hier können Verbrechen bereits durch bestimmte Mechanismen vorhergesagt werden. Das ist die Grundlage des Romanes.

Ist das schon Realität?

Sebastian Fitzek: In München wird das ausprobiert, da gab es auch schon Erfolge. In Kalifornien ist es schon Standard – in Deutschland sind wir noch in der Testphase. Schwerpunktmäßig wird „predictive policing“ bei Einbrüchen und Randale genutzt.

Birgt so ein System nicht auch Gefahren?

Sebastian Fitzek: Wenn jemand meine Such-Historie scannen würde und nicht wüsste, dass ich Thrillerautor bin: Man könnte denken, ich wäre ein Psychopath (lacht). Aber im Ernst, die große Frage bei einer solchen Methode ist: Wie viel Freiheit wollen wir für Sicherheit aufgeben? Und die nächste Frage: Würden wir auch unschuldig Verhaftete in Kauf nehmen, um Verbrechen im Vorfeld verhindern zu können?

Der Hauptdarsteller Max Rhode ist Schriftsteller. Wie viel Fitzek steckt in ihm?

Sebastian Fitzek: In jeder Figur steckt etwas von mir, bei dieser aber besonders viel. Die Parallelen sind ja offensichtlich.

Interview: Dominik Laska

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