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Konzertkritik

Beth Hart: Der Kampf gegen Dämonen

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Beth Hart – die ungekrönte Königin des Blues.

München - Beth Hart begeistert in der Muffathalle. Dabei blickt die ungekrönte Königin des Blues auf eine schlimme Vergangenheit zurück.

„Singen ist für mich wie beichten“, sagt Beth Hart – und so wurde am Sonntagabend die ausverkaufte Muffathalle zu ihrem Beichtstuhl. Wer sich alte Videoclips von ihr ansieht, versteht, warum sie sich selbst einmal als „dead woman walking“ bezeichnete: Wie ein Zombie sah sie in ihrer dunkelsten Zeit aus - ein Gerippe, das mit wirrem Blick über die Bühne taumelte und mit in Bourbon-Fluten marinierten Stimmbändern und einem einzigartigen Timbre sang, als ginge es um Leben und Tod. Nur war es bei ihr keine Metapher.

Die Biografie der Bluesrockerin aus Los Angeles liest sich selbst wie ein einziger Blues-Song: Eine schlimme Kindheit, Drogen, Alkohol und ihre bipolare Störung machten ihr das Leben zur Hölle, in die sie viele andere mit hineinzog. Heute, mit 43 Jahren, ist sie trocken und clean, ihr Blick klar. Geblieben ist diese unfassbar intensive Stimme, die sie zur ungekrönten Königin des Blues macht.

Ihr Sündenregister ist lang, und wenn sie es vorträgt, dann flüstert, schreit, schwitzt und weint sie es heraus. Frieden zu schließen mit ihrer Vergangenheit, darum geht es auch in den meisten Songs ihres neuen Albums „Better than home“.

Doch wirklich besiegt hat Beth Hart ihre Dämonen nicht, das weiß sie genau. Sie sind nur weggesperrt und rütteln immer wieder laut an ihren Käfigtüren. In diesen Momenten schlägt Harts Beichte fast in einen Exorzismus um, etwa wenn sie von ihrer fantastischen Band beim Etta-James-Klassiker „I'd rather go blind“ mehr, noch mehr, noch viel mehr Energie einfordert.

Die über 1000 begeisterten Beichtväter und -mütter vergeben Hart ihre Sünden nicht nur, sie würden sie am liebsten heilig sprechen. Der Frau ist ein Platz neben Janis, Etta und Amy sicher, das steht fest. Doch bis dahin hat St. Beth noch viel Zeit, um hier auf Erden Wunder zu wirken.

Haakon Nogge

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