Rockstar im Interview

Jon Bon Jovi: Darum liebt er München

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Wenn er kommt, ist das Olympiastadion voll: US-Star Jon Bon Jovi. Für das Konzert am Samstag, 18. Mai 2013, in München gibt es noch Karten.

München - US-Rockstar Jon Bon Jovi verrät im Interview, warum ihn das deutsche Publikum so liebt – von der Tochter über die Mutter bis hin zur Oma.

Er ist seit Jahrzehnten mit seiner Jugendliebe verheiratet, er säuft nicht, er raucht nicht – kaum ein Star pflegt sein Saubermann-Image so wie Jon Bon Jovi. Umso erschütterter schien der US-Sänger, als kürzlich seine Tochter mit Heroin und Marihuana erwischt wurde. Er gab eine Weile keine Interviews. Jetzt sprachen wir mit dem 50-Jährigen über die deutschen Fans, Wirbelsturm „Sandy“, Weihnachten und die neue Tour „Because we can“, die die Band im Mai 2013 nach München bringt.

Zuerst: Beste Grüße von meiner Mama. Wir gehen seit den Neunzigern auf jedes Münchner Konzert. Du scheinst ja nicht älter zu werden. Aber wie findest Du es, dass viele Eurer Fans keine Teenager mehr sind, sondern Mütter und Großmütter?

(Lacht). Ich hoffe, dass wir junge und alte Fans haben. Eigentlich ist uns das egal. Aber Du hast schon Recht: Wir haben Fans in drei Generationen. Wir sind schon lange im Geschäft. Das ist sehr selten, dass Bands nach 30 Jahren immer noch Nummer-Eins-Platten haben und neue Lieder aufnehmen.

In Bayern vergeht kein Dorffest ohne den Hit „It´s My Life“. Weißt Du das?

Oh, ich liebe das. Aber deshalb musste ich auch was Neues schreiben. Ihr habt das jetzt zehn oder elf Jahre gehört. Jetzt ist es Zeit für einen noch größeren Hit.

Die neue Tour bringt Euch wieder einmal nach Deutschland, die Konzerte sind eigentlich immer ausverkauft. Warum lieben die Deutschen Bon Jovi?

Ich sollte das Land „New Germany“ nennen – es ist eine Art Zweigstelle von New Jersey. Es hat sicher damit zu tun, dass wir so oft dort waren. Wenn du kommst und alles gibst, und das bei jeder Tour, schafft das Glaubwürdigkeit. Die Leute merken, dass es dir wichtig ist – und kommen wieder.

Welches Lied will das deutsche Publikum unbedingt hören?

Das musst Du mir sagen. (Lacht.) Es ist klar, dass die großen Hits überall groß waren. „It’s My Life“ war weltweit erfolgreich, genauso wie „Living On A Prayer“, „Always“, „Wanted – Dead Or Alive“ oder „Who Says You Can’t Go Home“. Bei manchen Bands ist es so, dass ein Song in dem einen Land der Hit ist und in einem anderen nicht. Bei uns war ein Song entweder überall groß – oder nirgendwo.

Und in welcher Stadt spielst Du am liebsten?

Ich hatte immer eine Vorliebe für München und das Olympiastadion.

Das wollte ich hören.

Vielleicht auch Köln. Ich habe mich an das Hotel dort gewöhnt, wir waren schon so oft da, haben da auch aufgenommen. Und in den letzten vier Jahren auch wieder Berlin! Es ist nicht der einzige Grund, aber ich wollte schon immer im Olympiastadion spielen. Darauf freue ich mich bei der Tour sehr. Und außerdem wohnt dort der US-Botschafter Philipp Murphy, ein guter Freund von mir. Er ist in New Jersey mein Nachbar.

Zurück zu München: Was machst Du hier, wenn Du frei hast?

Essen und trinken natürlich!

Kennst und magst Du Bands aus Deutschland?

Ja! Die Scorpions. Das war 1984 meine erste Tour, sie haben uns mit „Runaway“ mitgenommen. Seither verbindet uns eine enge Freundschaft. Sie sind die einzige Band, die ich niemals als unsere Vorgruppe spielen lassen würde – die Jungs würden mich sowas von übertrumpfen. Sie sind einfach großartig, ich liebe sie! Sie haben uns unsere erste Chance gegeben.

Lang ist's her. Kannst Du heute eigentlich noch unerkannt herumlaufen?

Klar. Heute Morgen bin ich in New York am Hudson River entlang gejoggt, fünf Meilen. Das mache ich jeden Tag. Ich bin ganz allein. Keiner weiß es, keinen interessiert es. Die Leute sehen einen Typen, der langsam den Fluss entlang läuft.

Warum gelingt Dir das und anderen Stars nicht?

Ich habe immer an Folgendes geglaubt: Wenn man nicht mit einer ganzen Gefolgschaft, verrückten Hüten, Brillen oder Klamotten durch die Gegend rennt, dann lassen einen die Leute auch sein eigenes Leben leben. Wenn du diese Regel befolgst, kannst du gut mit der Berühmtheit leben.

Also gehst Du auch privat zu Konzerten?

Ja klar! Ich habe Tickets für die Rolling Stones diese Woche – und für Leonard Cohen. Bei beiden weiß ich noch nicht, ob ich hingehen kann. Aber ich nehme es mir fest vor.

Welche Musik hast Du zuletzt daheim aufgelegt?

Eine CD von The Killers.

Was wärst Du von Beruf, wenn Du kein Rockstar geworden wärst?

Ich hatte nicht wirklich eine Wahl. Ich war so jung, als ich meinen ersten Plattenvertrag unterschrieben habe. Danach wollte ich nichts anderes mehr. Aber bei allem, was ich in meiner Jugend gemacht habe, ob ich in der Autowaschanlage oder in einem Schuhladen gearbeitet habe, war ich immer glücklich. Ich wäre auch ein guter Arbeiter gewesen. Ich wollte nur nie als Anwalt in einem Büro sitzen.

Du bist bekennender Demokrat, Obama-Unterstützer. Solltest Du je aufhören, ein Rockstar zu sein – könntest Du Dir eine Politiker-Karriere vorstellen?

Nein! Wirklich nicht. Ganz ehrlich: Meine Haut ist nicht dick genug dafür. Ich habe das Gefühl, dass diese Jungs nichts bewirken. Es gibt bessere Möglichkeiten, Menschen Gutes zu tun als in die Politik zu gehen.

Wie zum Beispiel?

Wir hatten den schrecklichen Wirbelsturm hier. Du brauchst Geld – also organisiert du Geld. Als Politiker musst du jedem den Ring küssen, um Mittel zu beschaffen. 50 Prozent der Leute hassen dich schon, bevor du sie überhaupt fragen konntest. Ich besorg’ das Geld selbst.

Du hast mit Deiner Musik viele Menschen unterstützt, die durch den Wirbelsturm „Sandy“ ihr Zuhause verloren haben. Wie hast Du die bangen Stunden verbracht?

Ich war in London, weil ich nicht auf die Warnungen gehört habe. Das ist typisch für mich. Vergangenes Jahr gab es auch einen Alarm und ich war am Strand. Damals war das keine so große Sache. Und jetzt war ich in London, weil ich es wieder nicht glauben wollte – und diesmal hat es uns so gewaltig erwischt.

Wie denn?

Wir haben drei Häuser, keines hatte Strom. Sie sind nicht zerstört worden, aber vieles ist kaputt. Ich hatte ein Boot – jetzt nicht mehr. Der Steg ist auch weg. Viele Bäume sind umgestürzt. Und meine Familie wurde evakuiert, sie konnten nirgendwo hin. Sie bekamen zum Glück ein Hotelzimmer, nachdem sie mehrere Tage im Dunkeln verbringen mussten. Ich bin von London zurückgeflogen und habe meine Familie im Hotel getroffen. Dort sind wir noch ein paar Tage geblieben. Erst dann konnten wir zurück.

Das klingt dramatisch. Viele sagen, Sandy half Obama, die Wahl zu gewinnen. Wie siehst Du das?

Viele haben den Gouverneur von New Jersey kritisiert, weil er als Republikaner Barack Obama unterstützt hat. Aber ich finde, er hat einfach gute Arbeit geleistet, hat sich um die Menschen gekümmert. Das hat auch Obama gemacht – das war kein politisches Spiel. Beide haben das Richtige gemacht. Klar gab es positive Medienberichte. Aber das hat die Wahl nicht gedreht, sie war nicht so knapp.

Nach der ganzen Aufregung steht jetzt Weihnachten vor der Tür. Spielst Du für Deine Familie den Weihnachtsmann und besorgst selbst Geschenke?

Meine Frau und ich erledigen die Einkäufe. Als die Kinder noch klein waren, hab ich mich jahrelang als Santa Claus verkleidet. Mit dickem Mantel, Hut, Bart und Brille – durch meinen Atem sind mir immer die Gläser angelaufen. Es war sehr lustig – aber Gottseidank sind sie jetzt groß.

Was bringt Santa Claus in diesem Jahr?

Ich hab noch keine Ahnung – ich hab noch keinen Wunschzettel gesehen. Ich muss mir noch überlegen, wer brav war und wer nicht.

Deine Tochter war kürzlich in den Schlagzeilen, sie wurde mit Drogen erwischt. Ist Weihnachten für Dich und Deine Familie heuer besonders wichtig?

Jedes Weihnachten, das man zusammen feiern kann, ist wichtig.

Das Gespräch führte Carina Lechner.

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