Sammy Amara über das neue Album

Broilers-Sänger im Interview: „Frauen sind empathischer und schlauer“

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Nehmen kein Blatt vor den Mund: Die Broilers thematisieren in ihren Songs auch Nationalismus und Fremdenhass.

München - Die Broilers melde sich mit einem neuen Album zurück. Im Interview spricht Sänger Sammy Amara über politische Statements in der Musik und einen Sexismus-Vorwurf.

Viel zu selten melden sich Musiker auf nationaler Ebene zu Wort und kommentieren Themen wie Nationalismus und Fremdenhass. Nicht so die Broilers. Die Punkrocker aus Düsseldorf wettern in ihrem neuen Album [sic!] (sic erat scriptum - so stand es geschrieben) mit melodischen Krachern gegen Rechts. Wir trafen Sänger und Frontmann Sammy Amara zum Gespräch.

Ihr seid wieder eindeutig politisch geworden. Fehlt das ein wenig in der Musiklandschaft?

Sammy Amara: Ich würde mir wünschen, dass mehr national bekannte Bands das Maul aufkriegen, dass eine Helene Fischer auch mal Stellung bezieht. Oder Unheilig. Weil die im Gegensatz zu uns nicht vor ohnehin bekehrtem Publikum predigen und viel erreichen könnten.

Sie haben einmal gesagt, dass man allein deshalb Position beziehen sollte, damit man sich am Abend im Spiegel betrachten kann. Gab es Momente, in denen Sie nicht in den Spiegel blicken konnten?

Amara: In naher Vergangenheit nicht. Wir haben früher gerne bei Partys gefilmt, wenn wir getrunken haben. Da gibt es ein Video von mir, auf dem ich mich sehr unangenehm verhalten habe. Da bin ich über mich selbst erschrocken. Da habe ich künftig versucht, das zu vermeiden.

Dabei wirken Sie eher kontrolliert.

Amara: Kontrollverlust mag ich nicht so gern. Respektlosigkeit finde ich schlimm, Unfreundlichkeit ebenso. Höflichkeit und ein offenes Herz, das sind Tugenden. Ein Kompliment, ein Lächeln, die Tür aufhalten … Ich habe allerdings einmal auf einem Fest einer Frau den Vortritt zur Toilette überlassen und ihr die Tür aufgehalten. Da wurde mir Sexismus vorgeworfen. Da musste ich schon nachdenken. Heißt diese Höflichkeit, dass ich Frauen für schwach halte? Ich halte sie eher für empathischer, schlauer und besser als die vom Testosteron bestimmten Männer.

Sind solche Erlebnisse damit zu erklären, dass Ihre Mutter Deutsche ist und Ihr Vater Iraker?

Amara: Das glaube ich nicht, denn meine Freunde in der Band sind auch so. Und die sind wenigstens optisch biodeutsch. Ich wurde einfach zu einem höflichen und respektvollen Menschen erzogen.

Schlagen sich solche Erlebnisse in Liedern nieder?

Amara: Ja, dabei kam das Lied Zu den Wurzeln heraus. Es hat mir einige Dinge klargemacht, die immer schon da waren. Das Gefühl, anders zu sein, nicht ausreichend zu sein, etwas schmutziger zu sein ...

Was bedeutet für Sie Heimat?

Amara: Wenn man Heimat als Ort definiert, an dem man sich wohlfühlt, dann ist es etwas sehr Schönes, weil man nach Hause kommen kann. Ich bin in Düsseldorf geboren, war immer da zu Hause und fühle mich meinem Kiez verbunden, habe dort meine Freunde. Wenn ich nach München ziehen und mich hier wohlfühlen sollte, dann wäre das meine Heimat. Die ist nicht verbunden mit dem Ort, an dem ich auf die Welt kam. Das war nur Zufall. Heimat ist wie eine gewählte Familie. Man hat auch nicht einem Land, sondern seinen Mitmenschen gegenüber Verantwortung. Das beginnt im engsten Umfeld und weitet sich dann. Wenn du darüber meckerst, dass sich Flüchtlinge nicht integrieren, dann gib einen Deutschkurs. Das Land ist nur Boden, der mit Grenzen umzäunt und benannt wurde, aber es wird geprägt von den Leuten, die da leben. 

Antonio Seidemann

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