Auftritt im Circus Krone

Schamlos grandioser Bryan Ferry

Jedes Mal dasselbe Spiel mit Bryan Ferry. Fest entschlossen, sich nicht einlullen zu lassen von diesem bourgeoisen Eintänzer des Salon-Pop, geht man zum Konzert. Und die alte Schmalzlocke zwingt einen dann doch wieder erbarmungslos in die Knie. Die Konzertkritik:

Beim Auftakt seiner Deutschland-Tour im Circus Krone beweist Ferry, dass er immer noch in einer eigenen Liga spielt, auch wenn ein ganz leiser Hauch von Heiserkeit über der Stimme liegt. Aber das ist so dezent und stilvoll, dass es vielleicht Absicht sein könnte, wer weiß das schon bei diesem ausgebufften Entertainer. Es gibt keinen anderen, der das so gut beherrscht, diese wunderbar subversiven Lieder so elegant in den Saal fließen zu lassen, bis sie subkutan ihr süßes Gift verströmen.

Denn so eingängig und süffig das daherschlendert, so raffiniert ist dieser Mix aus jazzigem New Wave, artifiziellem Punk und dekadentem Rock. Und Ferry hat eine exzellente Band im Gepäck, die sehr nach Roxy Music klingt. Ferry baut auf viel frühes Material seiner einstigen Band, was eine gute Idee ist, um einen Saal ins Delirium zu spielen. So wie ein Profikiller zur Sicherheit immer eine zweite Kugel hinterherjagt, feuert Ferry am Ende schamlos Gassenhauer wie More than This oder Let’s stick together ab, um uns dann mit Jealous Guy den Rest zu geben. Und man findet ihn wieder grandios, diesen Snob, der so huldvoll ins Publikum winkt wie die Königin von England. Nächstes Mal widerstehen wir. Jedenfalls versuchen wir es. 

Zoran Gojic

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