Herbig beim "Karneval der Tiere"

Bullys tierische Klassik: tz-Interview

Bully ­moderiert das Symphoniker-Konzert.

München  - Kein Schuh des Manitu, kein (T)Raumschiff Surprise, kein Buddy. Bully Herbig (46) begibt sich jetzt in klassische Gefilde: Mit den Münchner Symphonikern präsentiert er heute in der Philharmonie Saint-Saëns’ Karneval der Tiere.

 Die Texte hat Bully natürlich selbst verfasst. Insofern könnte man so mancher Stimme wiederbegegnen …

Herr Herbig, Sie haben auch eigene Tiere mit ins Spiel gebracht. Welches ist Ihr Lieblingstier?

Bully Herbig: Man fühlt sich ja den musikalischen Vorgaben verpflichtet. Da wären der Löwe, der Elefant, der Schwan und andere. Von den eigenen Tieren? Weiß ich jetzt gar nicht, welches mein Liebling ist. Die Nacktschnecke vielleicht, der Maulwurf – oder die Spinne, die ständig im Netz unterwegs ist, in allen sozialen Netzwerken sozusagen. Oder die Schwalbe, die vom Platz gestellt wird. Ich will aber auch nicht zu viel verraten. Den Wortspielereien sind ja hier keine Grenzen gesetzt.

Bei Ihnen hält sich der Löwe für den Kaiser (mit Beckenbauer-Stimme). Findet man noch andere prominente Stimmen?

Herbig: Prominent? Wieso prominent? Na gut, man wird vielleicht die ein oder andere Stimme erkennen, die man schon mal in einem Film gehört hat. Das Praktische ist: Wenn man mit seiner eigenen Stimme arbeitet, kramt man ein bisschen im eigenen Fundus und findet plötzlich Stimmen, die in Vergessenheit geraten sind. Da kann es passieren, dass das Totenkopfäffchen plötzlich wie der Boandl­kramer spricht.

Klingt, als hätten Sie bei der Vorbereitung Spaß gehabt …

Herbig: Ja. Wenn man sich die Varianten meiner Kollegen anhört – ich traue mich kaum Kollegen zu sagen, das klingt so anmaßend: Ustinov, Loriot, Willemsen –, die sind völlig verschieden. Das ist sehr befreiend. Jeder macht da sein Ding. Die Texte anderer vorzulesen wäre auch sinnlos.

Sind Sie ein Klassik-Liebhaber? Wurden Sie von Ihren Eltern an die Klassik geführt?

Herbig: Nein gar nicht. Ich habe meine Liebe zur Klassik über die orches­trale Filmmusik entdeckt. Ich habe immer versucht, bei den Musikaufnahmen für die eigenen Filme dabei zu sein. Ich fand das immer faszinierend. Da setzen sich die Musiker hin, bekommen ein Notenblatt und legen los. Meine Mutter war eher ein Soul-Fan. Ich bin mit Black Music aufgewachsen, dem Motown-Sound. Inzwischen lasse ich mich beim Drehbuchschreiben durch Filmmusik inspirieren. So war dann auch der Prozess bei diesem Projekt. Saint-Saëns’ Musik hat mich zu den Texten inspiriert.

Sind Sie denn mit der Musik von Saint-Saëns vertraut?

Herbig: Weniger. Aber ich habe so einiges erfahren, zum Beispiel, dass der Karneval der Tiere auch eine Parodie auf andere Komponisten sein sollte. Aber Parodie macht natürlich nur Sinn, wenn man das kennt, was parodiert wird. Saint-Saëns wollte die Musik ursprünglich gar nicht veröffentlichen. Das ist, als würdest du heute eine Parodie drehen und sie dann niemandem zeigen.

Haben Sie das Stück mit Ihrem Sohn geprobt?

Herbig: Na ja, er ist erst fünf. Wie haben zum Karneval der Tiere getanzt und die Tiere imitiert. Mit den Texten kann er vermutlich noch nichts anfangen. Aber ich habe hier mit meinen Mitarbeitern einen Testlauf gemacht und habe bestanden.

Es bietet sich ja an, dieses Projekt auszuweiten …

Herbig: Ich wurde ja ein wenig reingezwungen. Jetzt bin ich natürlich dankbar. Drei Jahre lang hat der Veranstalter insistiert, ich soll das doch machen. Es war aber zeitlich einfach nicht drin. Jetzt haben wir drei Gigs und schauen, ob es Spaß macht und den Leuten gefällt. Wenn nicht, gebe ich ihnen gerne die Telefonnummer des Veranstalters (lacht).

Eine CD oder ein Hörbuch vielleicht?

Herbig: Klar, wenn es gut läuft, ist das meistens auch eine Konsequenz.

Antonio Seidemann

Heute, Philharmonie, 20 Uhr, Karten von 38 bis 69 Euro erhalten Sie unter Telefon 54 81 81 81.

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