1. tz
  2. München
  3. Kultur

Cluesos „Album“: Perfekter Soundtrack für die erste Partynacht

Erstellt:

Von: Katja Kraft

Kommentare

Da ist Wärme drin: Clueso kombiniert auf seiner neuen Platte lässige Beats und sehnsuchtsvolle Zeilen. Guter Soundtrack für goldene Herbsttage.
Da ist Wärme drin: Clueso kombiniert auf seiner neuen Platte lässige Beats und sehnsuchtsvolle Zeilen. Guter Soundtrack für goldene Herbsttage. © Foto: Koestlin

Die Bars und Nachtclubs in Bayern dürfen ab 1. Oktober 2021 wieder öffnen. Am selben Tag erscheint mit Cluesos „Album“ ein Album, das wie gemacht ist für eine Rückkehr ins Leben. Sommer, Wärme, Leidenschaft und der Taumel der Nacht in 19 Songs vereint. Unsere Kritik.

Für 2 Minuten, 59 Sekunden ist alles okay. Ein Lied wie die Entspannungsphase nach zwei Stunden Yoga. Einatmen, ausatmen. „Alles gut, Augen zu, Flugmodus an.“ Fans kennen Cluesos musikalische Intensivmassage für Ohren, Herz und Seele natürlich schon: Das 2,59-minütige „Flugmodus“ ist eine der sieben Singles, die er in den vergangenen eineinhalb Jahren erfolgreich veröffentlicht hat. Auf Streamingplattformen, wie man das heute eben so macht. Erst recht dann, wenn die entscheidende Einnahmequelle – Konzerte – pandemiebedingt versiegt ist. 100 Millionen Mal wurden die Songs bei Spotify und Co. angehört. Doch Clueso, Musiker aus Leidenschaft, will mehr abliefern als eine zufällige Playlist. Und veröffentlicht deshalb heute alle sieben noch einmal auf einen Streich, samt zwölf weiteren Liedern. Der Titel der neuen Scheibe: „Album“. In Großbuchstaben. Singles und Vereinzelung gibt’s in unserer Welt schließlich schon genug.

Es ist also kein Konzeptalbum, das der 41-Jährige vorlegt, sondern ein musikalisches Sich-Treiben-Lassen, über Genregrenzen hinweg, durch die schillerndste Welt von allen: die der Gefühle. „Permanenter Jetlag“ inklusive. Und damit genau die Platte, die Freunde von Nachtleben und Körperkontakt, intensiven Gefühlen, Rausch und Reisen jetzt brauchen. Wer heute Abend das erste Mal wieder ganz legal durch die Clubs der Stadt stolpert, der fühlt sich womöglich wie in „Der letzte Song“. Zusammen mit der österreichischen Sängerin Mathea fängt Clueso das bittersüße Gefühl ein, wenn der Barkeeper das grelle Putzlicht einschaltet, einzig der Staub im Morgengrauen tanzt. Die Party vorüber. „Nur noch unsere Jacken an der Garderobe, paar Meter waren noch nie so weit. Kleine Schritte über klebrigen Boden, wir drehen uns so schön im Kreis.“ Ja, so fühlte sich das an. Man hatte es fast vergessen.

Urban-Pop nennt Clueso sein Mischen von Chill-Tracks und Hip-Hop, Pop und Piano-Blues. Dazwischen wird’s mitunter hymnisch. Etwa dann, wenn Andreas Bourani nach sechs Jahren ein musikalisches Comeback an seiner Seite feiert. In „Willkommen zurück“ zelebrieren sie gemeinsam die Lust am Neuanfang. Und Freundschaft, immer wieder Freundschaft. Das Thema zieht sich wie ein Freundschaftsbändchen durch die Diskografie des Rappers. Auch „Album“ zeigt, wie wichtig dem Erfurter, der seiner Heimatstadt bekanntlich treu blieb (und ihr einmal mehr mit „Leider Berlin“ ein Lied widmet), die Menschen an seiner Seite sind. „Du warst immer dabei“ bringt Sandkasten-Kameradschaft auf rührende Weise zum Klingen.

Und dann ist da noch die Sache mit dem großen L. „Alles zu seiner Zeit“ ist die wohl zarteste Liebeserklärung, seit es Clueso-Musik gibt. Mit dieser sommerdurchfluteten Platte kann der goldene Herbst weitergehen.

Clueso: „Album“ (Epic Local). Beim lokalen Händler ums Eck zu kaufen gibt es das Album hier.
Konzert: Am 4. Februar spielt Clueso im Münchner Zenith. Karten gibt es hier

Auch interessant

Kommentare