Nachtkritik

Botschaft ans Herz: So waren Coldplay im Olympiastadion

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Coldplay lieferten nicht nur eine musikalisch starke Show, sondern sorgten auch optisch für Highlights.

Coldplay machen bei ihrem Auftritt im Münchner Olympiastadion nicht nur bei der Musik viel richtig. Die Briten sorgen für die richtige Stimmung in diesen Zeiten.

Das musst du dich erstmal trauen. Einfach das Feuerwerk schon bei Lied eins abfackeln. Was bei anderen furchtbar schiefgehen könnte, dürfen sich die Coldplay-Jungs leisten. Da wird nichts zu früh verpulvert - die Briten haben am Dienstagabend im Münchner Olympiastadion genug Hits, Pyrotechnik und Überraschungen im Gepäck, um die selbst gesetzte Messlatte in ihren kunterbunten Sneakers locker zu überspringen. Ach was, zu überfliegen! Wie die "Birds", von denen Frontmann Chris Martin auf dem aktuellen Album und nun live und in Leuchtfarbe so hingebungsvoll singt.

Anders als bei manch anderem überteuerten Popkonzert wird einem hier für sein Geld richtig was geboten. Die größte Freude macht dabei die kleinste Spielerei: Die Bändchen, die alle 65000 (ausverkauft!) beim Einlass erhalten, werden von den Lichttechnikern ferngesteuert. So funkelnd hat man das Stadion selten gesehen. Und weil alle in denselben Farben leuchten, fühlt man sich ganz automatisch verbunden.

Bei Coldplay steht die Gemeinschaft im Vordergrund

In Zeiten wie diesen ist das nicht verkehrt, das Sich-verbunden-Fühlen - und drum setzt Martin noch einen drauf und bittet zu "Everglow" einen jungen Burschen aus dem Publikum zu sich ans Piano. Der hatte selbstbewusst auf einem Pappplakat verkündet, dieses Stück mit Coldplay spielen zu wollen. Na, dann, bitte sehr! "Gerade jetzt ist es wichtig für Deutsche und Briten, zusammenzuarbeiten. Mit dieser gemeinsamen, Europa einenden Aktion senden wir Liebe in die Welt!" Jubel. Besonders als klar wird: Der Junge kann spielen. Herrlich, wie er es genießt, sich von den Tausenden feiern zu lassen.

Ja, es gäbe gerade viel zu richten in dieser immer verrückter zu werden scheinenden Welt. Irgendwas liegt in Martins zauberhafter Stimme, das einem für diese zweieinhalb Konzertstunden das Gefühl gibt, dass schon alles gut wird. Erst recht, wenn er den berührenden Hoffnungssong "Fix you" anstimmt. Den hatte er gerade erst beim Solidaritätskonzert für Manchester gesungen. Mit dem Wissen im Hinterkopf wirkt die Szene noch stärker: Er, liegend, auf dem Bühnensteg, sich die Seele aus dem Leib singend bis die Halsschlagader schwillt. Dann der Sprint, Energie, grüne Fontänen, gelbe Fontänen, silberfarbene Fontänen. Luftballons, Glitter. Mehr, immer mehr! Und darunter ein Meer aus Farben.

Zum Ende noch ein echtes Highlight

Das ist ja das Geniale an so verregneten Tagen: Dass Regenponchos kunterbunt sind. Passend zum regenbogenfarbenfrohen Album-Cover von "A Head full of Dreams" versprühen auch die Zuschauer in ihren verschiedenfarbigen Ponchos schon vor Beginn Fröhlichkeit. Und dann geht die Sonne nicht nur auf der überdimensionalen Leinwand im Bühnenhintergrund auf. Punktgenau zum Konzertstart endet der Regen. Call it magic...

Es braucht nicht erst die mitreißende "Hymn for the Weekend", um jede Dienstagslaune abzuschütteln. Irre, wenn alles leuchtet. Ja, so könnte es sich anfühlen, das "Paradise". Martin fühlt das wohl am meisten, wie ein Tanzäffchen flitzt er über den Bühnensteg. Übervoll von Lebensfreude.

Zum Ende hin gibt's dann noch einen ganz besonderen Höhepunkt nach all den Höhepunkten: In zwei Wochen erscheint ihr neues Musikvideo von "Something just like this", aufgenommen in - München! Am Dienstagabend, 65000 waren mit dabei. Alle anderen sollten es sich anschauen. Denn Coldplay spielt Wärme in die Kälte, schießt Farben in den Himmel und macht das Beste, was Musik machen kann: glücklich.

Video: Coldplay lassen im Oly die Herzen höher schlagen

Fan darf spontan mit Chris Martin das Lied „Everglow“ performen

Lesen die Stars auf der Bühne eigentlich die Schilder, die das Publikum hochhält? Seit dem Coldplay-Konzert am Dienstag wissen wir - ja. Plötzlich spielte Ferdinand aus Nürnberg für Chris Martin vor 70.000 Zuschauern im Olympiastadion.

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