Albert Uderzo zum 90. Geburtstag

Auf den Methusalix der Comic-Zeichner!

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Albert Uderzo ist einer der Väter von Obelix, Asterix und Co.

München – Beim Teutates! Comic-Zeichner Albert Uderzo, der einst zusammen mit René Goscinny „Asterix“ erfunden hat, wird heute 90 Jahre alt. Ganz Gallien feiert – und wir feiern mit. 

Nun ist er endgültig der Methusalix unter den Comic-Zeichnern – unbeugsam, streitbar und rauflustig. Ein Mann wie seine Gallier eben. Heute wird Albert Uderzo, dessen Figuren seit 1959 dem römischen Imperium die Stirn bieten, 90 Jahre alt. Während Druide Miraculix für seine Dörfler offenbar einen Zaubertrank zusammengemistelt hat, der sie am Altern hindert, muss Papa Asterix mit dem einen oder anderen Zipperlein kämpfen. Die Arthrose plagt ihn, und seine Augen sollen ihm Kummer machen. Doch zu guter Letzt hat Albert Uderzo sein Erbe doch noch bestens geregelt und kann nun zufrieden zurückblicken auf ein Leben, wie es im Comic stand. Wobei: Genau genommen waren es ja zwei Leben – eines bis 1977, bis zum Tod seines Kompagnons René Goscinny, der all die köstlichen Gallier-Geschichten ausheckte, die Uderzo in prächtige Zeichnungen verwandelte. Und ein zweites Leben danach, ohne Goscinny, als großer, aber auch als tragischer Künstler, der plötzlich keine Geschichten mehr zu erzählen hatte.

Bis heute schwärmen die Fans von der Goscinny-Ära

Wer heute von „Asterix“ schwärmt, der meint den „Asterix“ der großen Goscinny-Ära – die pingeligen Schweizer, die verschrobenen Briten und die vor Stolz platzenden Korsen. Goscinny ließ sich diese menschliche Menagerie einfallen – doch erst Uderzo erweckte sie zum Leben. Ein Flügel auf dem Helm von Asterix, der sich vorwitzig in die Luft reckte oder der traurig nach unten hing, Richtung Idefix, genügtem diesem Zeichner, um eine großartige kleine Geschichte zu erzählen. Und das trotz Rot-Grün-Sehschwäche und trotz je einem sechsten Finger, der ihm als Kind entfernt werden musste.

Im Jahr 1951 begegneten sich Goscinny und Uderzo erstmals – und wurden in den Sechzigern zum Lennon und McCartney der Sprechblasen. 1959 brachten sie Asterix und seinen Lebensmenschen Obelix zur Welt, und der Einfluss von Albert Uderzo auf die Geschichten ist nicht hoch genug einzuschätzen. Das beginnt schon beim gallischen Dorf. Weil Uderzo, Sohn italienischer Einwanderer, einen Teil der Kriegszeit in der Bretagne verbracht hatte, pflanzte er auch die renitenten Gallier in diese Landschaft, die er nur allzu gut kannte. Damit war die Vorgabe von Goscinny erfüllt: „Die Gallier sollen am Meer wohnen, falls sie mit dem Schiff verreisen wollen.“ Oh ja, sie wurden fleißige Schiffsreisende, diese Gallier. In einem wahren Rausch schuf das Duo in gut 15 Jahren 23 Bände – bis 1977 plötzlich alles vorbei war. René Goscinny brach bei einer Routineuntersuchung in einer Arztpraxis zusammen, Herzinfarkt, Tod mit 51. Nun war Uderzo, der „Clown, der zeichnen kann“, so seine Selbstbeschreibung, auf sich allein gestellt – und ahnte, dass das nicht gut gehen konnte.

Als Autor versenkte Uderzo die Serie – wie die Gallier das Piratenschiff

Schon zu Beginn seiner Karriere hatte er eigene Geschichten erdacht, er hatte sie gehasst und nie veröffentlicht. Dennoch versuchte es Uderzo alleine – zunächst noch ganz amüsant („Der große Graben“, 1980), am Ende („Gallien in Gefahr“, 2005) hochnotpeinlich. Chauvinistisch und voller Vorurteile gegen die amerikanische und japanische Kultur war dieser letzte Uderzo-Band, durch den allen Ernstes Außerirdische geisterten. Papa Asterix hatte die einst so stolze Serie versenkt wie seine Gallier das ominöse Piratenschiff des holzbeinigen Kapitäns Erix.

Zum künstlerischen Bankrott kamen Rechts- und Familienstreitigkeiten. Als er 2008 seine „Asterix“-Anteile an den Großverlag Hachette verkaufte, wollte ihn Tochter Sylvie gar entmündigen lassen. Sie warf ihrem Vater vor: „Das ist, als ob er die Tore des gallischen Dorfes für das römische Imperium geöffnet hätte.“ Doch schließlich sorgte dieser Verkauf dafür, dass Asterix, Obelix und ihre Freunde weiterleben. Uderzo willigte ein, dass Texter Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad die Legende fortschreiben dürfen. Die beiden schufen mit „Asterix bei den Pikten“ (2013) und mit „Der Papyrus des Cäsar“ (2015) bereits zwei erstklassige Bände. Und Heft 37, „Asterix in Italien“, das am 19. Oktober erscheint, verspricht launige Spaghetti-Schlachten.

Heute ist das Kriegsbeil zwischen Vater und Tochter begraben

Nun, da sich Uderzos Leben der berühmten Seite 48 nähert, hat der Patron mit seiner Familie Frieden geschlossen: „Das Kriegsbeil ist begraben, nun kann ich wieder für mein Enkelkind zeichnen.“ Heute wird wohl gefeiert. Ob es ein Bankett gibt, vielleicht sogar unterm Sternenhimmel, ist nicht überliefert. Nur so viel steht fest: Troubadix darf schon wieder nicht singen.

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