„Dahoam“-Star und Senderchef nehmen Musikalbum auf

Der Bayer trifft den Steirer: Da sind sie dahoam

+
Andreas Weinek (l.) und Harry Blank.

München - Was ist Heimat? Zum ewigen Thema gibt es nun neue Facetten – und zwar vom bayerisch-steirischen Duo BlankWeinek. Jetzt haben sie ein neues Musikvideo veröffentlicht.

Heimat. Wo ist das? Da, wo man geboren wurde? Da, wo die Familie ist? „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“, singt Herbert Grönemeyer gern – um dann doch immer wieder seine Hymne auf „Bochum“ zu schmettern. Das BR Fernsehen hat die Frage längt mit bayerischem Pragmatismus beantwortet: „Dahoam is Dahoam“. Punkt. Nach über 1800 Folgen kann man festhalten, dass die Seifenoper damit nicht ganz falsch zu liegen scheint. Einer der beliebtesten Schauspieler der Sendung ist Harry Blank alias Mike Preissinger. Doch auch abseits des Fernsehstudios befasst sich der 48-Jährige mit den Ursprüngen, dem Zuhause, dem Beginn von allem, was das eigene Leben ausmacht. Gemeinsam mit Andreas Weinek, Geschäftsführer des History Channels. Schauspieler und Fernsehmann haben sich zum Duo BlankWeinek zusammengetan. Der eine Bayer, der andere aus der Steiermark. 

Zusammen ergibt das eine herrliche Mischung aus Balkan Sound, Folk, fiedelnden Geigen, Heubodenfest-Stimmung und Bierzelt-Gesang. Kurzum: „Bayerische Chansons“. So nennen die zwei das. „Man kann auch sagen: Österreicher trifft auf Bayern“, sagt Weinek. Er ist das Mastermind hinter den doppelsinnigen Texten und den vogelwilden Melodien. 

Der 54-Jährige braucht keine Kopfhörer, Musik hat Weinek von ganz allein in seinen Ohren. Eine Runde Laufen an der Isar – schwupps, da ist sie schon, die neue Melodie. Oder eine Textzeile, die hängen bleibt. „Laufen ist für mich eine ganz wichtige Art des Kreativprozesses. Manchmal kommt so ein Wort daher und dann denke ich: Daraus kannst’ was machen!“, erzählt er. Und während er spricht, klingt sanft ein Dialekt durch. Nicht bloß Steirisch. Obwohl er in der Steiermark geboren wurde. Bairisch auch, hin und wieder wienerisch. Wo seine Heimat ist? Er überlegt – doch der Historiker in ihm wehrt sich zunächst: „Ja, der Begriff Heimat. Damit ist so viel Schindluder getrieben worden.“ Jeder müsse ihn für sich selbst definieren. Wenn er es tun soll, wird deutlich, dass sich ein weltoffener Geist überall heimisch fühlen kann. „Heimat ist für mich gar nicht so sehr regional begrenzt. Das ist sowohl Österreich, wo ich geboren wurde, aber doch auch München, wo mein Lebensmittelpunkt ist“, sagt er.

Melancholische Texte, vogelwilde Melodien

Ihr erstes Album haben BlankWeinek passenderweise mit „Heimspiel“ überschrieben. Sie machen sich einen Spaß daraus, mit den verschiedenen Bedeutungen von Wörtern in ihren jeweiligen Muttersprachen zu spielen. Kann auch Sprache Heimat sein? „Ha! Ganz im Gegenteil“, Weinek muss lachen. „Als ich neulich in der Obersteiermark war, da habe ich mich gar nicht mehr so heimisch gefühlt. Als ich den Dialekt hörte, dachte ich eher: Hier komme ich her?“ Und auch mit dem Bairischen musste er erst warm werden. Heute schreibt er „für den Herrn Blank“ die bairischen Texte – nicht immer von Erfolg gekrönt. „Oft ruft er: Das kennt keiner! Aber das ist ja auch Teil unserer Performance, dass wir mit der Sprache herumspielen.“ Denn so melancholisch die Themen, die sie in ihren Texten aufgreifen, so heiter die Melodien – und die Auftritte des Duos. Alles spontan. „Einer gibt ein Stichwort und der andere hüpft rein.“ 

Wenn der History Channel eines Tages mal über BlankWeinek berichten würde: Wie sollte der Beitrag dann aussehen? Weinek denkt lächelnd nach. „Wir wollen eine gewisse Nachhaltigkeit. Ich will kein Strohfeuer, ich will kein One-Hit-Wonder. Toll wäre, wenn wir mehrmals im Jahr gesetzte Termine hätten, auf die sich jeder freuen kann.“ Und immer wieder neue CDs natürlich. Überhaupt, Alben – da hat der kreative Schnellschreiber gleich Material für die nächsten zehn in der Schublade liegen.

Ein echtes Heimspiel

Am liebsten mag Weinek es – da kommt dann wieder der Österreicher in ihm durch – „bös“. „Der Blank ist da sehr affin und mag das auch. Wir haben schon so ein paar Suizidgefährdungs-Songs in petto“, erzählt er amüsiert. Denn die schöne heile „Dahoam is Dahoam“-Welt, na, das ist nicht die ihre. Und der Harry Blank freut sich auch, ab und zu in eine andere Rolle als die des Preissinger Mike abzutauchen. „Ich hab ihm ein Lied geschrieben, das heißt ,Der letzte Tschick‘. Auf Hochdeutsch: die letzte Zigarette. Melancholisch getragen, auf dem Barhocker, Zigarette, Glas Whiskey, Klavier, schwarz-weiß – da kann sich Harry wunderbar einfügen, das liebt er, das weiß ich.“ Denn mag der eine es auch „Zigarett’n“ nennen und der andere „Tschick“ – in der Musik finden sie sich immer wieder. Heimspiel, eh klar.

Auch interessant

Meistgelesen

Filmfest-Chefin Iljine: „Das ist die Krönung“
Filmfest-Chefin Iljine: „Das ist die Krönung“
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach

Kommentare