Parallelen zu Julian Assange

Der neue Asterix im tz-Check: Licht und Schatten

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Obelix ganz in seinem Element.

München - Am Donnerstag erscheint der neue Asterix-Band "Der Papyrus des Cäsar". Wir verraten Ihnen schon einmal die wichtigsten Eigenschaften der Protagonisten und verschaffen einen Überblick, was Sie erwartet.

Ihr zweiter Asterix-Band: Didier Conrad (l.) und Jean-Yves Ferri.

Zeichner Didier Conrad (l.) und Texter Jean-Yves Ferri zeigen ihr zweites, neues Abenteuer um Asterix. Ein Münchner Journalist kam durch eine Panne schon voab an den neuen Band. "Der Papyrus des Cäsar" verhandelt den Enthüllungsjournalismus, wie ein Einzelner eine Supermacht (hier repräsentiert von Julius Cäsar) ins Schleudern bringt. Der Enthüller namens Polemix trägt übrigens deutliche Züge des Whistle­blowers Julian Assange.

Es geht um eine Papyrusrolle, die Cäsar auf Anraten seines Verlegers Syndicus zurückzieht. Schließlich wirft es kein gutes Licht auf den Herrscher, wenn er veröffentlicht, dass er ein kleines gallisches Dorf nicht besiegen kann. Doch ein Exemplar der Rolle findet seinen Weg ins gallische Dorf … Übrigens: Wir stellen Ihnen hier einen „Whistleblower“ wider Willen vor.

Asterix: Wenig Mühe

Im jüngsten Abenteuer muss Asterix zwar wie immer auch Muskelkraft beweisen, aber sein Hirn nicht besonders anstrengen, um sich und die gallischen Kollegen aus akuter Lebensgefahr zu befreien. Überhaupt spielt der listige Krieger eine eher untergeordnete Rolle. Im Papyrus haben überraschend viele Charaktere wichtige Rollen. Hier die weiteren Top-Personen:

Syndicus: Der teuflische Einflüsterer des Herrschers

Syndicus ist verschlagen, schrullig, klug und brutal. Aber kein richtiger Bösewicht. Immerhin bringt er die Story ins Rollen: Er rät Cäsar, in seinen Erinnerungen an den gallischen Krieg die Passage seiner schmählichen Niederlagen gegen ­Asterix & Co zu streichen – und kommt danach gehörig ins Rudern. Kein großer Gegenspieler, aber okay.

Obelix: Zu viel Denken macht müde

Das Bild täuscht – Obelix gerät in eine faustdicke Lebenskrise, weil ihm sein Horoskop von Wildschweinen und Konflikten abrät. In der Folge nimmt Obelix wunderliche Wörter wie „Charakter“ und ganz außergewöhnliche Satzkonstruktionen in den Mund, die dem vollschlanken Kraftkerl fast schon als Intellektuellen auszeichnen. Zum Glück bleibt Kumpel Idefix der Alte.

Hallo, alter Julius: Viel Raum für Cäsar

Lateinschüler erinnern sich an De bello Gallico, Cäsars Erinnerungen an seine gallischen -Kriege. Und Cäsar darf im jüngsten Abenteuer auch ausführlich zu Wort und Bild kommen. Dabei achten die Macher darauf, dass er in angemessener Würde und Strenge daherkommt, aber er darf auch ausgiebig seine cäsarischen Emotionen zeigen.

Miraculix: Der altehrwürdige Druide gibt Vollgas

Weise, reflektiert, ruhig: So kennen wir mit wenigen Ausnahmen (wie in Der Kampf der Häuptlinge etwa) den magischen Dorf-Druiden. Im neuen Heft spielt er eine entscheidende Rolle. Nicht nur wegen seines Zaubertranks, sondern auch, weil er sich gegen Ende der Story auf eine Reise begibt, bei der auch Muckis und schnelle Haxn gefragt sind.

Polemix: Der Whistleblower hat auch Schattenseiten

Er ist der Mann, der den Skandal um Cäsars Geschichtsfälschung aufdeckt und publik macht: Polemix heißt der Mann, der nicht ganz zufällig Ähnlichkeiten mit Whistleblower Julian Assange aufweist. Der Stachel im Fleisch des römischen Reichs will die Wahrheit verkünden. Aber er trägt auch die unsympathischen Züge eines Fanatikers, dem es weniger um Gerechtigkeit denn um Selbstbestätigung geht.

Die Kritik: Licht und Schatten

Das Buch legt los wie die Feuerwehr – überfällig die Idee, mal Cäsars berühmte Schriften in den Mittelpunkt zu stellen. Und sehr amüsant, wortwitzig (auch im Deutschen) und gewandt umgesetzt.

Allerdings darf man im Laufe der Geschichte dann doch den großen Zug der frühen Abenteuer vermissen. Das Niveau halten die Macher des jüngsten Hefts, Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen) denn doch nicht. Wer glaubt, dass es nach deren Erstling Asterix bei den Pikten nochmals steil bergauf geht, der wird leicht enttäuscht.

Dennoch: Auch die Story um den Papyrus des Cäsar nährt die Hoffnung, dass das kleine gallische Dorf weiterleben wird – nachdem es in vielen Bänden zuvor fast vernichtet wurde. Und der Rausschmeißer des Duos ist ebenso anrührend wie amüsant. Weitermachen! Da ist noch Luft nach oben!

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