Start am Samstag

Documenta in Kassel: Umsonst und draußen

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Mit zerschlissenen Jute-Säcken verhüllte Ibrahim Mahama die historische Torwache.

Schon vor dem Start zeigt die Kasseler documenta Kunstwerke. 

Kassel - „Museum Fridericianum“ – zu Kassel gehört dieser Schriftzug genauso wie der Herkules und der Bergpark. Doch nun ist er weg. Stattdessen steht auf der Front des Gebäudes, in dem 1955 die erste documenta stattfand: „Being safe is scary“ („Sicher zu sein, macht Angst“). Ausgetauscht hat den Schriftzug die in der Türkei geborene Künstlerin Banu Cennetoglu. Sie widmete sich bei der documenta in Athen Gurbetelli Ersöz, einer prokurdischen Journalistin und früheren Freiheitskämpferin.

Wie der geänderte Schriftzug sind in Kassel mehrere Kunstwerke umsonst und draußen zu sehen, und das vor dem offiziellen documenta-Start am Samstag. Einen Besuch wert ist zum Beispiel die historische Torwache. Sie ist verschwunden hinter Jutesäcken. Der in Ghana geborene Künstler Ibrahim Mahama verwendet zerschlissene Säcke, die er von Händlern im Tausch gegen neue erhält. „In diesen Säcken materialisiert sich die Geschichte des Welthandels“, erklären die documenta-Macher.

Die nächste Gratis-Station: Zunächst schienen die Kanalrohre auf dem Friedrichsplatz Vorboten einer Sanierung zu sein. Mittlerweile haben sie ein Innenleben bekommen. Der Iraker Hiwa K. hat sie so ausgebaut, als lebten Menschen darin – was biografische Bezüge hat: Der Künstler floh an Bord eines Lkw in übereinandergestapelten Baurohren aus dem Irak.

Die Installation der Argentinierin Marta Minujín ist schon jetzt eine Attraktion: der „Parthenon der Bücher“ auf dem Friedrichsplatz. Der Nachbau der Akropolis wird mit Tausenden verbotenen Büchern verkleidet. Darüber hinaus gibt es eine Steinsäule auf dem Königsplatz, die fortsetzt, was bei der Partnerausstellung in Athen begonnen wurde. Der in Nigeria geborene Olu Oguibe beschäftigte sich in Griechenland mit der Tragödie des Bürgerkriegs in seiner Heimat. Seine Arbeit in Kassel bezieht sich nun laut den Ausstellungsmachern auf die humanitäre Hilfe, die die Opfer erhielten. „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ steht in Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch auf dem Obelisken.

Göran Gehlen

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