Tradition trifft Moderne

Echinger Brass Wiesn: Stars und Newcomer, Altes und Neues

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Moop Mama bauen auf Tradition und schaffen Neues.

Eching - In Eching findet vom 7. bis 9. August zum dritten Mal die Brass Wiesen statt. Wir interviewten zwei kontäre Bands: die Blaskapelle Eching und die Gruppe Moop Mama.

Entspannt auf dem Land: Neben den interviewten Bands sind noch Haindling, Django 3000 und LaBrassBanda (Foto) als Headliner dabei

Jeder kennt Eching wegen des großen Möbelanbieters. Auf der anderen Seite der Autobahn im Münchner Norden findet vom 7. bis 9. August zum dritten Mal die Brass Wiesen statt. Das Festival, das moderne Blasmusik mit traditioneller verbindet, kann sich eines wachsenden Zuspruchs freuen. Fing man einst mit ein paar Hundert Zuschauern an, so werden heuer an die 16 000 Musikfans erwartet. Los geht es immer mittags mit Bands von LaBrassBanda bis Django 3000, von der Echinger Blaskapelle bis zur Kapelle Josef Menzl. Wir interviewten zwei konträre Bands: die Blaskapelle Eching und die Gruppe Moop Mama.

Tradition trifft Moderne

Was ist das Besondere an der Brass Wiesn?

Sind jedes Jahr bei der Brass Wiesn dabei: die Echinger Blaskapelle.

Echinger Blaskapelle (EB): Das Kleine und Überschaubare, die Biergartenatmosphäre und trotzdem die Großen der Szene, auch mal Unbekannte, aber trotzdem super Musiker zu hören, und das Ganze vor der „eigenen“ Haustüre.

Moop Mama (MM): Am besten man kommt zu unserem Konzert und findet es selbst heraus.

Wart ihr auch schon als Zuschauer auf dem Festival?

EB: Wir sind als einzige Kapelle auf allen Brass Wiesn Festivals dabei gewesen, sowohl als engagierte Musik und auch an allen Tagen als Zuhörer und Zuseher. Vielleicht werden wir ja die Konstante dieses Festivals?

MM: Nein. Aber schon einmal als Band.

Wie wichtig ist die Pflege der musikalischen Tradition?

EB: Darüber kann man streiten. Für uns und unsere Musiker ist dies sehr wichtig. Wir sind aber offen für Neues oder anderes. Wir machen selbst bei uns im Verein nicht nur bayrisch böhmische Blasmusik, sondern in einer circa 50 Musiker umfassenden Besetzung haben wir uns der sinfonischen Musik verschrieben und veranstalten dort zwei Konzerte im Jahr.

MM: Viel wichtiger ist es uns, etwas zu erfinden, das für sich selbst steht. In der Musik führt man immer irgend etwas weiter , das jemand begonnen hat. Jeder hat etwas, das ihn geprägt hat.

Wie wichtig ist Innovation?

EB: Innovation ist wichtig, da daraus neue Ideen entstehen und alte Sachen auch wieder aufgepeppt werden. Ich persönlich finde aber nicht alles Neue unbedingt hörenswert.

MM: Ohne Innovation macht alles keinen Spaß. Es ist das beste Gefühl, etwas zu tun, das man noch nicht getan hat.

Eure musikalischen Vorbilder?

EB: Ganz klar Ernst Mosch, seiner Stilrichtung ist ein Großteil unseres Programmes gewidmet. Aktuelle Vorbilder sind Vlado Kumpan, Michael Klostermann, Ernst Hutter und viele weitere Musikkapellen.

MM: Die Musikalische Prägung der einzelnen Bandmitglieder ist sehr unterschiedlich. Das geht von HipHop und Jazz bis Klassik und Blasmusik. Als Band sehen wir unsere größten Vorbilder natürlich bei anderen großen Bands, die eigenständig sind und live alles geben. The Roots, Rage Against the Machine, Seeed, Deichkind ... Um nur ein paar zu nennen.

Wie sieht die Entwicklung in der Brass-Szene aus?

EB: Hoffentlich so positiv wie in den letzten Jahren. Es ist schön, dass die Blasmusik zu neuen Ehren gelangt.

MM: Es gibt ein großes Interesse an Brass Musik. Das freut uns. Unser Publikum ist sehr gemischt. Wir wollen gute Musik machen. Mit welchen Werkzeugen wir das tun, ist gar nicht so wichtig. Zu unseren Konzerten kommen auch Leute, die sonst nur Gitarrenmucke hören, die uns aber feiern weil’s einfach knallt.

Was war eurer schönster Auftritt bisher?

EB: In unserer 35-jährigen Geschichte gibt es viele schöne Auftritte, es sind teilweise nur kleine Ständchen wie beim Staatsempfang oder auch als Festkapelle von morgens 6 Uhr bis abends 18 Uhr. Der schönste Auftritt der jüngeren Vergangenheit war die Eröffnung der Brass Wiesn vor drei Jahren. Regen, schlechte Bedingungen – aber das Bierzelt schnell gefüllt und eine Bombenstimmung.

MM: Wir hatten viele tolle Auftritte. Aber wir wollen jedes Mal ein Stückchen weiter gehen. Sonst könnte man auch einfach aufhören.

Und der schrecklichste Auftritt?

EB: Wir als Musiker hatten immer unseren Spaß, auch wenn manchmal die Rahmenbedingungen nicht die besten sind – trotzdem musst du als Musiker professionell sein.

MM: Gerade mussten wir unsere bisher größte Festivalshow bei Das Fest in Karlsruhe vor Tausenden Leuten nach zwölf Minuten abbrechen, weil ein Gewitter aufzog. Das war auf jeden Fall schrecklich. Aber zugleich auch bombastisch. Und wir werden das nachholen.

Auf was kann sich das Publikum freuen?

EB: Auf gemütliche Bierzeltmusik zum Frühschoppen, von Traditionellem bis hin zu Klassikern, die einfach nicht fehlen dürfen.

MM: Wir werden wie immer alles geben. Wer nach unserem Gig nicht schwitzt, hat was verpasst.

Das Festival nennt sich gerne das Woodstock der Volksmusik. Wärt ihr gerne in Woodstock aufgetreten?

EB: Das Woodstock der Blasmusik ist in Österreich – und ja da wäre ich gerne mal dabei, da es sicher noch mal eine Stufe größer ist als die Brass Wiesn in Eching.

MM: So ein Selfie mit Janis Joplin und Jimi Hendrix das wär schon was ...

Antonio Seidemann

Infos zum Festival unter www.brasswiesn.de.

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