Konzertkritik

Ein bisschen Fernsehstadel: Die „Beach Boys“ im Circus Krone

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Mike Loves „The Beach Boys“ -  das Foto stammt vom Tourauftritt in Hamburg.

Sonntägliche Sommerhitze in der Stadt... was passt da besser als eine musikalische Tour nach Kalifornien - mit Mike Loves „Beach Boys“. Unser Kritiker Christoph Ulrich war im Circus Krone dabei.

München - Was für ein Tag, um The Beach Boys zu erleben! Während sich am Sonntagabend die knusprige Hitze eines bayerischen Sommertages in wohlige, biergartentaugliche Wärme verwandelte, beschworen im Inneren des Circus Krone Mike Loves „Beach Boys“ die Hitze vergangener kalifornischer Sommer. 

Seit 1998 Carl Wilsons Tod das inoffizielle Ende der Beach Boys markierte, tourt das Gründungsmitglied Mike Love in Begleitung des Brian-Wilson-Live-Ersatzmanns und späteren Produzenten der Band, Bruce Johnston, unter dem Namen „The Beach Boys“ munter um die Welt. Unterstützt werden die beiden von einer fähigen Begleitband, die – man möchte es nicht glauben – tatsächlich klingt wie die legendären Beach Boys. 

Man war versucht, sich zu zwicken: Natürlich fehlte im Detail jener weich schmelzende Gesamtsound, der vor allem daher rührte, dass Brian, Dennis und Carl Wilson als Geschwister unnachahmlich homogen zusammenklangen. Dennoch kommt der Sound dieser Truppe verdammt nah an den jener Musiker, die seit 1961 mit ihren Songs über heiße Schlitten, flotte Schnitten und das entspannte Leben am Strand den Mythos „Kalifornien“ maßgeblich prägten. So klangen Superhits wie „Sloop John B“, „Barbara Ann“ oder „Fun, Fun, Fun“ recht jugendlich und Sechziger-Jahre-Pop-Destillate wie „409“, „Get Around“ oder „Good Vibrations“ offenbarten sich live viel ungestümer als es die recht brav produzierten Originalaufnahmen erahnen lassen. 

So folgte im Single-Format Hit an Hit, dazu gab’s eine ausgeklügelte Dia- und Videoshow, die von Lead-Beach-Boy Mike Love mit kurzen Geschichten versehen wurden. Was bisweilen den Charme eines Dia-Abends entfaltete, driftete leider an ein paar Stellen ins Fernsehstadeleske ab: Etwa wenn die Auf-eins-und-drei-Klatscher im Publikum das Ruder an sich zu reissen drohten, wenn Bruce Johnstons Animations-Gesten zwischen den Deko-Pälmchen am Bühnenrand ein wenig übers Ziel hinausschossen oder der an sich einfache Text „Help, Me Rhonda, help, help me, Rhonda“ an den passenden Stellen projiziert wurde. 

Den Konzertgenuss schmälerte das aber nicht: Schließlich war von Haus aus klar, dass dem Konzert viel von einer Revue anhaften würde. Entsprechend kam das Publikum zu großen Teilen dem Anlass gemäß gekleidet: Burschen und Senioren in Hawaii-Hemden, Surf-Shirts oder Strohhüten und die Damen in Retro-Kleidchen und mit Haarband – wie bei einer Oldtimershow.

Von Christoph Ulrich

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