Wie aus einer Katastrophe eine große Liebe wurde

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Die echte und die Film-Familie auf einem Bild: (v. l.) Michael Schäffer, Billi Cramer und ihre Tochter Sienna neben Schauspieler Hans-Werner Meyer, einer kleinen Komparsin und Veronica Ferres. Foto drüber: Ferres sucht als Billi Cramer nach der Flut ihre Familie.

Mainz - Die Geschichte ist so traurig und steckt gleichzeitig voller Hoffnung, dass sie nur das Leben geschrieben haben kann. An ihrem Ende steht ein kleines Wunder:

 Es ist zwei Jahre alt, lacht viel und heißt Sienna Bahia Fee, „kleiner Stern in der Bucht“. Billi Cramer (48) und ihr Mann Michael Schäffer (49) lassen ihre Tochter kaum aus den Augen. Sie ist die Krönung einer außergewöhnlichen Liebe: Beide Eltern hatten ihre früheren Partner beim Tsunami 2004 in Thailand verloren. Jetzt kommt ihr Schicksal ins Fernsehen: Das ZDF zeigt am Sonntag in Tsunami – Das Leben danach (20.15 Uhr), wie aus einer Katastrophe eine große Liebe wurde.

Michael Schäffer: Wenn Sienna nicht da wäre, könnten wir nicht weiterleben.

Billi Cramer: Schwerer weiterleben, glaube ich.

Schäffer: Aber nur in Trauer kann keiner leben. Du brauchst Freude, du brauchst etwas Schönes im Leben.

Es hat lange gedauert, bis das Paar wieder das Schöne im Leben sehen konnte. Denn Billi und Michael waren eigentlich glücklich, bevor sie sich kennenlernten. Sie waren verheiratet, hatten jeweils zwei Kinder. Bis zum 26. Dezember 2004. Die Monsterwelle zerstörte beide Familien: Billi Cramers Mann Burkhard (45), die Buben Mika (4) und Henri (5) ertranken.

Michael Schäffer verlor seine Emmanouela (43) sowie Elli (10) und Patricia (8). Plötzlich waren die beiden Familienmenschen alleine, verzweifelt, traumatisiert. Zurück in Deutschland mussten sie von vorne beginnen, mit Hilfe von Freunden – und dem selben Psychologen. Er brachte Cramer auf die Idee, sich bei Schäffer zu melden. Sie traute sich, anzurufen: Die Trauernden sprachen über ihre Erinnerungen. Weinten um die verlorene Liebe. Kamen sich behutsam näher. Verliebten sich ineinander.

Cramer: Ein paar Monate nach dem Tsunami hatten mir Freunde gesagt: Billi, deine Geschichte ist filmreif. Ich hatte ihnen erzählt, dass ich einen Mann kennengelernt habe. Dass er das gleiche Schicksal teilt.

Heute teilen sie sogar ihr Leben. 2007 heirateten die beiden in einem Dorf bei St. Tropez, wo sie sich zurückgezogen hatten. Unter vielen skeptischen Blicken erfüllten sie sich einen Herzenswunsch: ein Baby. Eine künstliche Befruchtung schenkte ihnen 2009 Sienna – aus den Tsunami-Opfern wurde eine Familie. Schäffer arbeitet mittlerweile unter der Woche nahe Stuttgart als Ingenieur, Cramer betreut Sienna. Über Presseartikel verfolgte eine ZDF-Autorin, wie das Paar wieder aufblühte und wollte einen Film drehen.

Cramer: Gut, dass die Anfrage gekommen ist, als Sienna schon da war. Sonst hätten wir dem Ganzen nie zugestimmt.

Schäffer: Es war emotional und anstrengend, uns mit den Schauspielern zu treffen. Schließlich sollten sie unsere schwärzesten Stunden spielen. Und natürlich wollten wir ein bisschen mitreden. Wir haben uns mit Veronica Ferres als auch mit Hans-Werner Meyer gut verstanden. Und es war uns sehr wichtig, dass der Film mit einem positiven Ausblick endet: Billi, Sienna und ich laufen am Strand entlang. Das fertige Melodram wollten Cramer und Schäffer erst kurz vor der Ausstrahlung anschauen, ganz privat, nur für sich. Eines Tages wird es auch Sienna sehen und nach der Vergangenheit fragen.

Schäffer: Das wird ganz von selbst irgendwann passieren. Jetzt ist sie noch viel zu klein. Cramer: Ich fange im Grunde genommen jetzt schon damit an. Wenn Sienna Fotos sieht, sage ich ihr die Namen, und sie spricht sie nach. Dann dreht es mir schon wieder den Magen um. Schäffer: Aber allein sich dieser Aufgabe stellen zu können, finde ich Geschenk genug.

EH

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